Neue Oberflächengewässerverordnung 

Auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat das Bundeskabinett am 11.05.2016 der neuen Oberflächengewässerverordnung zugestimmt. Die Neufassung setzt laut BMUB EU-Recht in deutsches Recht um. Gebirgsbach oberhalb von Evian - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftWichtige Vorgaben, um den Zustand der Gewässer zu bewerten und zu überwachen, werden aktualisiert und vereinheitlicht. Die Anforderungen an den guten Gewässerzustand – das Kernstück des Gewässerschutzes – werden damit europaweit angeglichen.

Für die Behörden vor Ort wächst so die Entscheidungssicherheit. Die Neufassung wurde in enger Kooperation mit der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser - LogoBund-Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) und der europäischen Ebene erstellt. Neu sind europaweit standardisierte Messkampagnen für neue Stoffe, die in den Gewässern erst seit kurzer Zeit gefunden werden. Außerdem wird die Datenauswertung zur Gewässerbelastung verbessert. Die Relevanz chemischer Risiken für die Gewässer lässt sich somit effizienter und schneller bewerten.

Die Liste der Stoffe, die in Gewässern gemessen werden müssen, wurde gestrafft. 100 spezifische Stoffe sind nicht mehr relevant und wurden gestrichen. Demgegenüber wurden Umweltqualitätsnormen für 12 neue europaweit prioritäre Stoffe und 9 neue spezifische Stoffe festgelegt. Dabei handelt es sich vor allem um Pflanzenschutzmittel, aber auch Biozide und Industriechemikalien. Die so genannten Orientierungswerte für die Chlorid- und damit Salzkonzentration, die als tolerierbar gilt, sind nun bundesweit einheitlich.

Medikamente - Foto © gesundheit.deDa die Europäische Kommission eine übergreifende Strategie zur Begrenzung ökologischer Risiken durch Arzneistoffe entwickelt, wurden für diese Stoffe in der Verordnung keine Umweltqualitätsnormen festgelegt. Für diese und weitere Mikroschadstoffe erarbeitet der Bund unter Federführung des Bundesumweltministeriums eine gesonderte Strategie zum Schutz der Gewässer.

Um der Nährstoffüberlastung der Übergangs- und Küstengewässer entgegenzuwirken, macht die Verordnung neue Vorgaben für Stickstoffverbindungen in Gewässern, die z. B. durch Düngung aus der Landwirtschaft stammen können. Nur wenn diese Vorgaben eingehalten werden, lässt sich der gute Zustand der Gewässer erreichen oder erhalten. Die neuen Werte erfordern bei der Bewirtschaftung der Flussgebiete eine Reduzierung der Stickstofffrachten von bis zu 60 Prozent der aktuellen Werte.

Folgt: UBA: Medikamente gelangen in Gewässer – unvermeidbare Dauer-Niedrigst-Medikation

UBA: Medikamente gelangen in Gewässer – unvermeidbare Dauer-Niedrigst-Medikation

Kies am Bodensee - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftMedikamente oder Drogen können auch in modernen Kläranlagen derzeit nur zum Teil oder gar nicht entfernt werden. Was viele nicht wissen: Arzneimittelwirkstoffe werden nach der Einnahme wieder ausgeschieden – oft in unveränderter Form. Unsachgemäß über den Ausguss oder die Toilette entsorgte Medikamente gelangen also zusätzlich in das Abwasser und können so zur Belastung für die Umwelt werden. Das in der Kläranlage gereinigte Wasser kann noch Medikamentenreste enthalten, die mit dem Kläranlagenablauf in die Gewässer gelangen. (Siehe solarify.eu/gefaehrliche-abwaesser)

So konnten 2015 in Seen oder Flüssen beispielsweise etwa 150 Wirkstoffe nachgewiesen werden, wenn auch meist in niedriger Konzentration, zum Beispiel Schmerzmittel, Antibiotika und Hormone. Auch im Grundwasser wurden  rund 40 verschiedene Wirkstoffe gefunden, darunter Schmerzmittel, Röntgenkontrastmittel und Lipidsenker (Arzneimittel zur Senkung der Blutfette). Einige dieser Substanzen schaden der Umwelt: Zum Beispiel wurde unterhalb von Kläranlagenabläufen eine Verweiblichung von männlichen Fischen beobachtet, die in Kontakt mit hormonell wirksamen Arzneistoffen gekommen waren. Die Funktionsfähigkeit und Steuerung der Hormonsysteme der Organismen in den Ökosystemen kann gefährdet und gestört werden. Die ständige Niedrigstmedikation über den Medikamenten-Cocktail im Trinkwasser hat bisher unbekannte Folgen für Menschen. Bislang gibt es keine Norm, keinen Grenzwert für die Dauerexposition mit Arzneimittelspuren im Wasser. Das UBA hat inzwischen eine Grundwasser-Kommission eingerichtet.

UBA und BMUB Logo

Arzneimittelrückstände im Trinkwasser sind nach Ansicht von Umweltexperten ein wachsendes Problem. Zehn Wirkstoffe seien mehrfach nachgewiesen worden, darunter diverse Schmerzmittel und Röntgenkontrastmittel, sagt der Toxikologe Dr. Hermann Dieter vom Umweltbundesamt. Der berühmte Lehrsatz des französischen Chemikers Lavoisier von der Erhaltung der Masse bekommt, wenn es um das wichtigste Lebensmittel überhaupt geht, eine besondere Bedeutung: Nichts geht verloren, belastet aber zusehends unser Trinkwasser. Zehn Wirkstoffe – darunter Bezafibrat (zur Senkung der Blutfettwerte), Diclofenac (Schmerzmittel und Entzündungshemmer), Ibuprofen (Schmerzmittel), Antibiotika und Röntgenkontrastmittel – seien mehrfach im Wasser gefunden worden, bestätigt Hermann Dieter vom Umweltbundesamt.
Mehr als 100.000 Arzneimittel sind weltweit im Umlauf. 80.000 davon allein in Deutschland. Rund 90 Tonnen des Schmerzmittels Diclofenac werden jährlich in Deutschland verbraucht. 70% der Wirkstoffe verlassen den Körper auf natürlichem Weg über den Urin in den Wasserkreislauf. Ein weiteres Problem stellt die Massentierhaltung dar. Antibiotika und Hormone gelangen über die Güllebehandlung der Wiesen und Felder ins Grundwasser. Kläranlagen sind nicht in der Lage, diese Stoffe aus dem Wasser zu filtern.  Aus: gesundheit.de und beladomo.de

CEC mit Aktivkohle-Projekt

Am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (CEC) in Mülheim a. d. Ruhr läuft gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft mbH (RWW) Mülheim ein Projekt zur Filtermaterialentwicklung für die Wasseraufbereitung. Im Fokus steht der weitergehende Verfahrensschritt der Aufbereitung von Rohwasser über die Filterung durch Kohlenstoffmaterialien. Projektleiterin Sylvia Becker (CEC): “Dazu werden funktionale Kohlenstoffmaterialien synthetisiert und charakterisiert – ihre Sorptionseigenschaften in Relation gebracht und entsprechend verbessert. Durch einen hydrothermalen Prozess werden in Autoklaven die entsprechenden HTC (Hydrothermal Carbon)-Materialien hergestellt. In dem Bottom-up Ansatz können bereits zu Beginn der Synthese struktur- und eigenschaftsdirigierende Chemikalien (Präkursoren) hinzugegeben werden. Dies ist ein neuer Ansatz im Vergleich zu dem bisher verwendeten Verfahren zur Aktivkohleherstellung die normalerweise als Filtermaterial eingesetzt wird.“ Aktivkohle wird aus vorstrukturierten Biomaterialien durch Pyrolyse hergestellt und kann dementsprechend nur eingeschränkt verändert werden. Die Sorptionseigenschaften der synthetisierten Materialien werden von Wasserversorgungsexperten des RWW getestet.

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