Energieintensive Rohstoffindustrie durch Elektrifizierung dekarbonisieren

Wuppertal-Institut: Auswirkungen auf den Strombedarf der EU

Wuppertal-Institut - Logo © Wuppertal-InstitutZunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Deep Decarbonisation (tiefgreifende Dekarbonisierung) auch in der energieintensiven Rohstoffindustrie notwendig ist. Im Hinblick auf das enorme Potenzial der erneuerbaren Elektrizität werfen Stefan Lechtenböhmer und Clemens Schneider vom Wuppertal Institut, sowie Lars J. Nilsson und Max Åhman von der Lund University einen Blick auf die Auswirkungen einer Elektrifizierung der Rohstoffproduktion in der Europäischen Union mittels eines Was-wäre-wenn-Gedankenexperiments.

Total-Raffinerie Leuna Rauchentwicklung - Foto © Gerhard Hofmann2010 brauchte man für die Produktion von Stahl, Zement, Glas, Kalk, Petrochemie, Chlor und Ammoniak 125 TWh Strom, 851 TWh fossiler Brennstoffe für energetische Zwecke und 671 TWh fossiler Brennstoffe als Feedstock. Das entstandenen Kohlendioxid-Emissionen entsprachen 9% der gesamten Treibhausgasemissionen in den 28 EU-Ländern. Umspannwerk der Energiequelle bei Petkus - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft 20160402Eine vollständige Verschiebung des Energiebedarfs sowie der Ressourcenbasis von Einsatzmaterialien hin zu Elektrizität würde zu einem Strombedarf von 1.713 TWh führen, von denen etwa 1.200 zur Produktion von Wasserstoff und Kohlenwasserstoffen für Rohstoff- und Energiezwecke eingesetzt werden könnten. Mit zunehmender Materialeffizienz und einem Anteil von biobasierten Materialien und Biokraftstoffen könnte die Stromnachfrage deutlich niedriger sein.

Zementwerk Barcelona - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify 20161129Die Analyse lässt vermuten, dass eine Elektrifizierung der Rohstoffproduktion technisch umsetzbar ist, allerdings einschneidende Veränderungen in der Interaktion der Industrie mit Energiesystemen mit sich bringen würde. Hinzu kämen beachtliche Veränderungen der relativen Preise von Elektrizität und Kohlenwasserstoff-basierten Treibstoffen.

Das Paper “Decarbonising the energy intensive basic materials industry through electrification – Implications for future EU electricity demand” wurde in Energy, Volume 115, Teil 3, veröffentlicht.

->Quellen: