Jungfernfahrt des Brennstoffzellen-Zugs

Emissionsfreier Zug in Niedersachsen erfolgreich getestet – Dieselloks bald auf Abstellgleis

Der auf Personen-Transport spezialisierte französische Konzern Alstom hat am 14.03.2017 die erste Testfahrt des weltweit ersten mit Brennstoffzellen betriebenen Personenzugs Coradia iLint bei 80 km/h erfolgreich auf seiner werkseigenen Teststrecke in Salzgitter (Niedersachsen) durchgeführt – so eine Medienmitteilung. Der Coradia iLint, ein neuer CO2-emissionsfreier Regionalzug, stellt eine konkurrenzfähige Alternative zu Dieselfahrzeugen dar.

In den kommenden Monaten wird eine umfangreiche Testkampagne in Deutschland und Tschechien folgen, bevor der Coradia iLint Anfang 2018 auf der Strecke Buxtehude–Bremervörde–Bremerhaven–Cuxhaven in den Probebetrieb mit Fahrgästen gehen soll. Die vierwöchigen Testfahrten, die gegenwärtig in Salzgitter laufen, sollen die Stabilität des Energieversorgungssystems bestätigen, das sich auf das abgestimmte Zusammenspiel zwischen Antrieb, Brennstoffzelle und Batterie des Fahrzeuges stützt. Die Bremsleistung wird auch getestet, um die Schnittstelle zwischen der pneumatischen und der elektrischen Bremse zu prüfen.

Auf den Dächern der Waggons, die Platz für bis zu 300 Fahrgäste bieten, befinden sich Brennstoffzellen und Wasserstofftanks. Reagiert der Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft, wird Energie für den Antrieb des Zuges erzeugt. Die Brennstoffzellentechnologie auf die Schiene zu bringen, ist zwar keine vollkommen neue Idee, jedoch litten bisherige Modelle an zu geringer Reichweite oder niedrigen Höchstgeschwindigkeiten, die einen wirtschaftlichen Einsatz verhinderten.

Komplett emissionsfreier Zug

Der Coradia iLint ist weltweit der erste Niederflur-Personenzug, der mit einer elektrische Energie für den Antrieb erzeugenden Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird. Der Coradia iLint zeichnet sich durch mehrere verschiedene Innovationen aus:

  • komplett emissionsfrei und geräuscharm,
  • gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab,
  • saubere Energieumwandlung,
  • flexible Energiespeicherung in Batterien,
  • smartes Management von Antriebskraft und verfügbarer Energie,
  • besonders geeignet für den Einsatz auf nicht elektrifizierten Strecken.

„Diese Testfahrt ist ein wichtiger Meilenstein für Umweltschutz und technische Innovation. Mit dem Coradia iLint und seiner Brennstoffzellen-Technologie ist Alstom der erste Schienenfahrzeughersteller, der eine emissionsfreie Alternative für Nahverkehrszüge bietet. Heute ist dieses neue Antriebssystem, das bislang erfolgreich auf dem Prüfstand erprobt wurde, erstmalig in einem Zug im Einsatz – ein entscheidender Schritt für saubere Mobilität in Europa“, sagte Didier Pfleger (Foto unten), Sprecher der Geschäftsführung von Alstom Deutschland und Österreich.

140 km/h Höchstgeschwindigkeit

Die Testfahrten erfolgen auch in Velim (Tschechien), dort bei bis zu 140 km/h, der Höchstgeschwindigkeit des Coradia iLint. Für Testzwecke wurde in Salzgitter eine mobile Tankstelle errichtet, die den gasförmigen Wasserstoff in den Druckspeicher des Coradia iLint pumpt. Der für die Testfahrten verwendete Wasserstoff ist das Nebenprodukt eines industriellen Prozesses und wird hier als Abfallprodukt sinnvoll weiterverwendet. Langfristig unterstützt Alstom die Wasserstoffgewinnung aus Windkraft.

Die statische Inbetriebnahme hat das Fahrzeug bereits erfolgreich durchlaufen: Alle elektrischen und pneumatischen Funktionen wurden im Stillstand überprüft und bestätigt. Der TÜV Süd hat die Sicherheit der Batterie, des Druckspeichersystems und der Brennstoffzelle für die kommenden Testphasen attestiert.

[note Mit dem Coradia iLint hat der weltweit erste Wasserstoffzug seine Jungfernfahrt absolviert. Damit könnte eine neue Ära emissionsfreien Bahnfahrens anbrechen – Video © Alstom]

Folgt: Reichweite 800 Kilometer pro Tankladung Wasserstoff