NOx-Belastung durch Diesel immer noch höher als gedacht

Selbst Euro-6 stoßen sechs Mal mehr Stickstoffoxide aus als erlaubt

Umweltbundesamt LogoDiesel-PKW überschreiten die Euro-Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NOx) auf der Straße noch deutlich stärker als bislang angenommen. Ging man für das Jahr 2016 bislang von 575 mg NO2/km aus, liegt nun die Diesel-Pkw-Flotte in Deutschland bei durchschnittlich 767 mg NO2/km. Das ergaben neue Berechnungen für das Umweltbundesamt (UBA), wie der UBA-Pressemitteilung 16/2017 vom 25.04.2017 zu entnehmen ist.

Diesel-Autos stoßen das meiste NO2 aus - Kreisgrafik zum NO2-Ausstoß verschiedener Verkehrsmittel © Umweltbundesamt / TREMOD 5.64 / HBEFA 3.3

[note Diesel-Autos stoßen das meiste NO2 aus – Kreisgrafik zum NO2-Ausstoß verschiedener Verkehrsmittel – Grafik © Umweltbundesamt / TREMOD 5.64 / HBEFA 3.3]

Für die Neubewertung seien erstmals auch für den betriebswarmen Motor Messungen bei allen in Deutschland typischen Außentemperaturen berücksichtigt worden, heißt es. Hohe NOx-Emissionen träten vor allem an kalten Tagen auf. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Unsere neuen Daten zeichnen ein deutlich realistischeres und leider noch unerfreulicheres Bild der Stickoxidbelastung durch Diesel-Pkw in Deutschland. Wir brauchen mehr denn je eine schnelle Entlastung der vielen hunderttausend Menschen, die in den Innenstädten unter den Folgen der viel zu hohen Dieselabgase leiden.“

NO2 reize die Atemwege, langfristig beeinträchtige es die Lungenfunktion und führe zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen. Es seit besonders für empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder gefährlich.

Diesel-Auspuff - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify[note Hohe Stickstoffdioxid-Emissionen treten vor allem an kalten Tagen auf – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify]

Um ein möglichst realistisches Bild der Emissionen zu bekommen, seien erstmals nicht nur Messungen des betriebswarmen Motors bei Außentemperaturen von über 20 Grad Celsius zugrunde gelegt, sondern das Abgasverhalten der Diesel über alle Jahreszeiten und für alle in Deutschland üblichen Temperaturen herangezogen worden. Unterhalb der im Labor üblichen 20 bis 30 Grad Celsius stiegen die NOx-Emissionen mit sinkender Außentemperatur stark an. Am schmutzigsten seien unter Berücksichtigung dieses Temperatureffektes Euro-5-Diesel-PKW; sie lägen bei durchschnittlich 906 mg NOx/km (403 % über dem Grenzwert von 180 mg NOx/km). Bei Euro 4 seien es durchschnittlich 674 mg NOx/km (+170 %, Grenzwert: 250), bei modernen, aktuell zugelassenen Euro-6-Diesel-Pkw ohne verbindlichen „RDE-Straßentest (RDE = Real Driving Emissions)“ bei der Zulassung im Mittel 507 mg NOx/km (+534 %, Grenzwert: 80).

Die Hälfte der Pkw-Fahrleistung werde in Deutschland bei Temperaturen unter 10 °C erbracht. Dass die Abgasreinigung von Stickoxiden von Diesel-PKW an kalten Tagen im praktischen Betrieb auf der Straße teilweise nur unzureichend funktioniert, sei erst im Zuge des Dieselskandals im vollen Umfang bekannt geworden.

Das UBA lege nun mit der Veröffentlichung einer Aktualisierung des „Handbuches für Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (HBEFA)“ eine systematische Berechnung der Folgen dieses Missstandes vor und zeige, wie hoch der Einfluss der Umgebungstemperatur auf die NOx-Emissionen eines bereits betriebswarmen Motors sei. In der Vergangenheit sei der Temperatureinfluss nur bei kalten Motoren berücksichtigt worden.

[note Das Handbuch für Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (HBEFA) wurde im Jahr 1995 erstmals veröffentlicht und seitdem durch die finanzielle Unterstützung von Behörden aus Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich, Schweden und der Schweiz regelmäßig weiterentwickelt. Das HBEFA wird u. a. in den Ländern und Kommunen zur Ermittlung verkehrsbedingter Emissionen genutzt.]

 - Grafik © UBA, HBEFA 3.3Die neuen Werte hätten zwar keinen Einfluss auf die aktuelle Situation der Luftqualität, sie ließen aber Rückschlüsse auf die Wirkung von Gegenmaßnahmen zu. Aufgrund der nun höheren Ausgangswerte werde die Reduktion der Emissionen bei künftigen Euro-6-Diesel-PKW, für die zusätzliche Anforderungen an die Emissionen im realen Straßenbetrieb (RDE) gelten, die Luftbelastung stärker senken als in den bisherigen Analysen des UBA.

Krautzberger: „Die Luft in den Städten muss sauber werden. Ich sehe hier ganz klar die Autoindustrie in der Verantwortung, die eine Lösung anbieten muss, welche Verbraucherinnen und Verbraucher nicht belastet.

Um die ausgestoßene NOx-Menge von Diesel-PKW zu bestimmen, seien Messungen auf Prüfständen ebenso wie auch Messungen im praktischen Betrieb auf der Straße (RDE-Fahrten) genutzt worden. Mit Computermodellen könnten daraus für beliebige Fahrsituationen die Emissionen bestimmt werden. Der nun aktualisierten HBEFA-Version 3.3., die öffentlich erhältlich sei, lägen wesentlich mehr Messungen von Fahrzeugen zugrunde: 27 Diesel-Pkw der Schadstoffklasse Euro 5 und 25 Diesel-Pkw der Schadstoffklasse Euro 6 – erfasst seien dabei Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum SUV und damit Fahrzeuge unterschiedlicher Größe. Die neuen Werte bildeten die Diesel-PKW-Emissionen in Deutschland repräsentativ ab, heißt es in der UBA-Pressemitteilung.

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