Indien stockt Kohle auf

Energiepläne gefährden Klimaziele von Paris

Entgegen der Bestrebungen des nationalen Energie­plans baue die indische Regierung weiterhin 370 neue Kohlekraft­werke, so eine Studie der University of California, Irvine.  Joschua Katz, energiezukunft Redaktion - Foto © energiezukunftDie international beschlossene 1,5-Grad-Grenze wäre dadurch gefährdet, schreibt Joschua Katz unter der Rubrik “Über den Tellerrand” in energiezukunft am 03.05.2017.
-Mit freundlicher Genehmigung von energiezukunft-

Inzwischen ist der Bau neuer Kohlekraftwerke weltweit rückläufig, zeigte kürzlich eine Studie mehrerer großer Umweltorganisationen. In Indien sei die Planung von Kraftwerken mit einem Volumen von 13 Gigawatt (GW) gestoppt worden. Es scheint, als wären China und Indien mit ihren ehrgeizigen Ausbauplänen für Erneuerbare Energien auf einem guten Weg, ihre Klimaschutzziele zu erreichen.

Doch entgegen diesen zuletzt überwiegend positiv klingenden Meldungen, könnte es um die Zukunft des indischen Energiesystems viel schlechter bestellt sein.

Kohlearbeiter in der Khadia Kohlemine in Singrauli - Foto © international accountability project / flickr.com, CC BY 2.0

[note Kohlearbeiter in der Khadia Kohlemine in Singrauli – Foto © international accountability project / flickr.com, CC BY 2.0]

Auch wenn das Land den fossilen Brennstoffen den Rücken kehren möchte, befindet es sich auf einem nur schwer zu stoppenden Ausbaupfad der Kohleenergie. Zur Zeit plane Indien noch den Bau von fast 370 neuen Kohlekraftwerken, geht aus einer Analyse der University of California, Irvine und der US-Umweltorganisation Coalswarm hervor. Diese hätten insgesamt eine Kapazität von 243 GW, wovon sich 65 GW bereits im Bau befänden und weitere 178 GW geplant seien.

1,5-Grad-Ziel ist stark gefährdet

Bis zum Jahr 2065 würden die geplanten sowie zurzeit im Bau befindlichen Kohlekraftwerke rund 83 Gigatonnen CO2 produzieren, errechneten die Forscher in ihrer Studie. Dies hätte nicht nur fatale Folgen für die Erreichung nationaler Klimaziele – Indien hat sich dazu verpflichtet, bis 2030 zwischen 33 und 35 Prozent seiner Treibhausgasemissionen einzusparen. Auch könnte tatsächlich das international gesetzte 1,5-Grad-Ziel stark gefährdet sein. Das dafür verbleibende CO2-Budget würde bereits zur Hälfte durch die neuen Kohlekraftwerke aufgebraucht werden.

Flagge IndienDabei wäre die Planung weiterer Stromkapazitäten in Indien laut den Studienautoren nicht einmal notwendig, da die Regierung bereits Pläne für den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorgelegt habe. Zusätzlicher Kohlestrom würde dabei zu Überkapazitäten führen, was zwei mögliche negative Folgen nach sich ziehen könnte. Entweder würde schlichtweg Kapital verloren gehen, da unnötig viel Geld in den Ausbau weiterer Stromkapazitäten gesteckt wird. Jedoch könnte auch der Ausbau der Erneuerbaren blockiert werden, was die zuletzt so positive Entwicklung des Landes ausbremsen würde.

Daher bleibt nun abzuwarten, ob Indien sich von seiner Pfadabhängigkeit doch noch lösen kann. Einige Kohlekraftwerke werden mit hoher Wahrscheinlichkeit noch fertiggestellt – zu hoch sind die bereits dafür aufgewendeten Mittel. Trotzdem hat es die Regierung auch in der Hand, bisher geplante und noch nicht gestartete Bauprojekte noch zu stoppen. jk

->Quelle: energiezukunft – Joschua Katz