Mieterstromförderung wird konkret

Naturstrom realisiert erstes gefördertes Photovoltaikprojekt in Berlin

Eine PV-Anlage mit 83,75 kW soll 38 Wohneinheiten und eine Kita am Berliner Ostkreuz künftig mit Solarstrom versorgen. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nutzte den Termin am 07.09.2017, um sich “anzuschauen, wie Gesetze in die Tat umgesetzt werden”. Die Vertreter der Immobilien- und Energiewirtschaft wünschen noch einige Nachbesserungen beim PV-Mieterstromgesetz – wie Sandra Enkhardt auf pv magazine schreibt.

“Noch müssen in den kommenden Tagen die letzten Solarmodule installiert werden. Mitte September dann soll die PV-Anlage mit 83,75 Kilowatt fertiggestellt sein. Im Dezember werden die ersten Mieter einziehen, sagt das Immobilienunternehmen pro.b. Naturstrom hat am Donnerstag zur Besichtigung der neuen Anlage in Berlin-Friedrichshain auch die Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries geladen. ‘Es ist spannend zu sehen, wie Gesetze in die Tat umgesetzt werden’, erklärte die Bundeswirtschaftsministerin.”

Nach ihrer Amtsübernahme im Februar hatte Zypries das PV-Mieterstromgesetz angekündigt und noch rechtzeitig die Verabschiedung erreicht. Noch fehlt allerdings die beihilferechtliche Genehmigung für das Gesetz aus Brüssel, bevor der Zuschuss für PV-Mieterstrom wirklich fließen kann. Es zeichne sich ab, dass die EU-Kommission keine Einwände geltend machen werde, so Zypries. Die Genehmigung erwarte ihr Ministerium noch vor Jahresende.

Für Naturstrom ist es das zweite in Berlin mit pro.b umgesetzte PV-Mieterstromprojekt. Es sei das erste, das nun nach den Vorgaben für die Förderung errichtet worden sei und für den Naturstrom den Zuschuss beantragen werde, erklärte Vorstand Tim Meyer (Foto re.). Die PV-Anlage werde etwa 30 bis 35 Prozent des erwarteten Komplettverbrauchs erzeugen. Naturstrom erwartet, dass etwa 70 Prozent des erzeugten Solarstroms direkt von den Mietern verbraucht werden. Der Zuschuss für den Mieterstrom liegt bei 2,2 bis 3,8 ct/kWh – abhängig von der Größe der PV-Anlage.

Meyer nutzte die Anwesenheit der Ministerin, um nochmals einigen Änderungswünschen Nachdruck zu verleihen. Zum einen sei die Preisbildung sehr kompliziert und aufwändig im Gesetz ausgestaltet. So ist festgeschrieben, dass die Höhe der Mieterstromtarife maximal 90 Prozent des Grundversorgertarifs in der Region entsprechen darf. „Die Anbieter von Photovoltaik-Mieterstrom haben ein eigenes Interesse, die Preise so günstig zu gestalten, dass sich möglichst viele Mieter beteiligen“, so Meyer.

Zum anderen forderte er Nachbesserungen bei der Steuerbefreiung für Immobilienunternehmen. Dem pflichtete auch Donat Kühne, Geschäftsführer von pro.b, bei. An dieser Stelle versprach Zypries noch Änderungen. „Wir müssen wegen der Steuerbefreiung in der nächsten Legislaturperiode nochmal an das Gesetz ran. Wir werden das nochmal mit dem Finanzministerium diskutieren“, so die Ministerin.

Die monokristallinen Solarmodule und Montagegestelle auf dem Dach des Wohnhauses in Berlin kommen von IBC Solar, die Wechselrichter von SMA. In den Tiefgaragen der Häuser würden zudem noch 32 Ladepunkte für Elektroautos installiert. „Da haben wir gleich für die Zukunft mitgedacht.“ Kühne betonte auch, dass es bei Neubauten einfacher sei, derlei gleich mit einzuplanen. Auch für den Bauherrn ist es nicht das erste Mieterstromprojekt, dass er in Berlin und Deutschland realisiert. Wie Naturstrom investierte pro.b auch schon vor der Einführung der Förderung in solche Anlagen.

Mit den geforderten Nachbesserungen würde das Gesetz noch mehr Wirkung entfalten, erklärte Meyer der Ministerin. „Danach können wir dann anfangen, über die jährliche Begrenzung von 500 MW für PV-Mieterstromprojekte zu diskutieren“, so der Naturstrom-Vorstand.

->Quelle: pv-magazine.de/naturstrom-realisiert-erstes-gefoerdertes-pv-mieterstromprojekt