2017 zweitwärmstes Jahr seit den Aufzeichnungen

In Teilen der Arktis überdurchschnittlich hohe Temperaturen

Nun ist es amtlich. Hatte die WMO schon zu Beginn der COP23 (am 06.11.2017 – siehe: solarify.eu/2017-eines-von-drei-heißesten-jahren-seit-1881) einen Bericht der meteorologischen Abteilung der Vereinten Nationen (WMO) veröffentlicht, demzufolge 2017 eines der drei heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen (1881) zu werden droht, bestätigte sich das jetzt: 2017 war den ersten vollständigen Datensätzen vom Copernicus Climate Change Service (C3S) und dem European Weather Centre (ECMWF) zufolge das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Ein vom ECMWF erstellter Datensatz zeigt, dass die globale Durchschnittstemperatur der Oberflächenluft 14,7°C überschritten hat, das machte 2017:

  • ca. 0,1° C kühler als das wärmste Jahr der Geschichte, 2016, und wärmer als das vorhergehende zweitwärmste Jahr 2015;
  • zum wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, das nicht durch eine El Niño-Erwärmung im tropischen Pazifik beeinflusst wurde;
  • ca. 0,5° C wärmer als der klimatologische Referenzzeitraum 1981-2010;
  • schätzungsweise 1,2° C wärmer als der vorindustrielle Wert des 18. Jahrhunderts.

Vergleichbare Ergebnisse wurden von C3S aus einem Reanalyse-Datensatz der Japan Meteorological Agency (JMA) gewonnen. Zur Erstellung der Datensätze werden Millionen von meteorologischen und marinen Beobachtungen, auch von Satelliten, mit Modellen kombiniert, um eine vollständige Neuanalyse der Atmosphäre zu erfeichen. Durch die Kombination von Beobachtungen mit Modellen ist es möglich, die Temperaturen zu jeder Zeit und an jedem Ort der Erde abzuschätzen, auch in datenarmen Gebieten wie den Polarregionen.

[note Lufttemperatur in einer Höhe von zwei Metern für 2017, bezogen auf den Durchschnitt 1981-2010 – Quelle © Copernicus Climate Change Service, ECMWF]

Die Temperaturen für 2017 lagen über dem klimatologischen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 in den meisten Regionen der Welt. Sie waren in Teilen der Arktis überdurchschnittlich hoch. 2017 war fast das wärmste Jahr seit Beginn des Jahres, obwohl sich die La Niña-Bedingungen sowohl zu Beginn als auch Ende des Jahres über dem äquatorialen östlichen Pazifik abgekühlt haben. Die wärmsten Monate des Jahres 2016 ereigneten sich in der rückläufigen Phase eines starken El Niño, der auch die Temperaturen im Jahr 2015 beeinflusste, so dass 2017 das wärmste Jahr aller Zeiten war, das nicht von einem El Niño beeinflusst wurde.

2017 in Europa – heiß im Norden, trocken im Süden

C3S bietet eine kontinuierliche Überwachung für Europa, das vor allem im hohen Norden generell wärmer als der langjährige Durchschnitt war. Longyearbyen auf der norwegischen Insel Spitzbergen, einer der nördlichsten Städte der Welt, erlebte wiederholt monatliche Durchschnittstemperaturen von mehr als 6° C über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Auch die Meereisbedeckung war unterdurchschnittlich, vor allem in den kühleren Monaten zu Beginn und am Ende des Jahres. Währenddessen wurde Südeuropa vom späten Frühjahr bis in die Herbstmonate hinein von anhaltenden Trockenheitsbedingungen hart getroffen. Die trockenen Bedingungen führten in vielen Gebieten zu Wasserknappheit und erleichterten die Ausbreitung von Waldbränden auf der iberischen Halbinsel.

[note Berechnung des 60-Monatsdurchschnitts der globalen Lufttemperatur in einer Höhe von zwei Metern (linke Achse) und der geschätzten Veränderung seit Beginn des Industriezeitalters (rechte Achse) anhand verschiedener Datensätze – Quellen © ERA-Interim (Copernicus Climate Change Service, ECMWF), GISTEMP (NASA), HadCRUT4 (Met Office Hadley Centre), NOAAGlobalTemp (NOAA) und JRA-55 (JMA)]

Bestandsaufnahme für Paris

Im Rahmen des Pariser Abkommens von 2015 werden die Länder alle fünf Jahre eine Bestandsaufnahme ihrer Fortschritte bei der Begrenzung der Treibhausgasemissionen vornehmen, um den Anstieg der globalen Temperaturen einzudämmen. Der Copernicus Climate Change Service und andere Agenturen unterstützen die Bestandsaufnahme durch die kontinuierliche Überwachung der wichtigsten Klimavariablen. Die Unterschiede zwischen den Temperaturdatensätzen beruhen hauptsächlich auf Unterschieden in der Abdeckung der Polargebiete und auf Unterschieden in der Schätzung der Meeresoberflächentemperatur. Die Fünf-Jahres-Mittelwertbildung reduziert die Unterschiede zwischen den Temperaturdatensätzen und zeigt, dass die globale Oberflächenlufttemperatur seit Mitte der 70er Jahre im Durchschnitt alle fünf bis sechs Jahre um 0,1° C gestiegen ist, obwohl die Erwärmungsrate, betrachtet aus einer Fünf-Jahres-Perspektive, nicht konstant war. Die kombinierte Analyse dieser Datensätze liefert ein klares Bild der letzten globalen Durchschnittstemperatur von fünf Jahren als die höchste in der Geschichte und zeigt eine Erwärmung von rund 1,1°  C seit Beginn des Industriezeitalters.

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