H2-Well in Sonneberg

Initiative will Wasserstoff-Technologie fördern

In Berlin und Dresden fahren schon die ersten Busse mit Wasserstoff. Nun will im Rahmen der Energiewende auch in Sonneberg/Thüringen eine Initiative Wasserstoff-Technologie propagieren, meldete der MDR am 17.05.2018. Unter dem Titel “H2-Well – Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK” will die Initiative Akteure aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Nordfranken zusammenbringen und eine “grüne Wasserstoffregion” zwischen Main und Elbe schaffen. Die Modell- und Versuchsstädte dafür sind Apolda und Sonneberg.

Sebastian Büttner, Wissenschaftler am Bauhaus-Institut für zukunftsweisende Infrastruktursysteme an der Bauhaus-Universität Weimar, sagte dem MDR, in Modellprojekten könnten zunächst Busse des öffentlichen Nahverkehrs mit Wasserstoff betankt werden. Später könne die Technologie für Autos allgemein genutzt werden oder auch zum Heizen von Häusern. Wir könnten mit Wasserstoff unsere Autos betanken, unsere grün erzeugte Energie darin speichern oder auch unsere Häuser damit heizen: Im Wasserstoff steckt viel Potenzial. Leider wissen das aber noch zu wenige Menschen, bedauert Sebastian Büttner von der Bauhaus-Universität in Weimar. Das soll die Initiative H2-Well ändern, erklärte er.

Die Initiative tritt nach eigenen Aussagen mit der Vision an, zwischen Main und Elbe die weltweit erste dezentrale Wasserstoffregion zu erschaffen. Wasserstoff sei der Baustein für eine umfassende regionale Energie- und Mobilitätswende. Das betreffe alle energierelevanten Bereiche von der Elektrizitätswirtschaft über das Verkehrswesen bis hin zur Wärmebereitstellung.

Mitteldeutschland soll Wasserstoffregion werden – Wasserstoff mehr als alternativer Brennstoff für Fahrzeuge

In Sonneberg, wo auch der Startschuss für die grüne Wasserstoff-Offensive gefallen sei, so Büttner, sei “der Bürgermeister unserem Thema sehr zugewandt und hat praktisch dargestellt: Also wenn wir in die Richtung gehen, unseren ÖPNV-Bereich zu erneuern, dann können wir uns durchaus vorstellen auch im Wasserstoffbereich aktiv zu werden, das heißt zum Beispiel Brennstoffzellen-Busse zu nutzen. Und dann hab ich natürlich sofort einen Link zur Bevölkerung, die ja ÖPNV nutzt und dann merkt: Aha, das ist was völlig Normales. Das ist jetzt nicht irgendwie Weltraumforschung, sondern das kann ich als Bürger nutzen.”

Um das zu schaffen, kooperiert die Bauhaus-Universität mit dem Photovoltaik-Netzwerk SolarInput und den Wasserstoff-Experten der Firma KUMATEC. Das BMBF fördert zunächst mit 200.000 Euro im Rahmen des Programms “WIR!” (“Wandel durch Innovation in der Region”). Das soll ostdeutschen Regionen im strukturellen Wandel neue Perspektiven eröffnen. Und die bietet der Wasserstoff, meint Büttner: “Also für uns führt eigentlich die Energiewende nur über den Wasserstoff. Also das ist eigentlich die fehlende Komponente im Moment, weil dort diese Speicherung möglich sein wird.”

Wasserstoff als Energiespeicher

Gas als Energiespeicher? Klingt erstmal ungewöhnlich. Doch Wasserstoff ist tatsächlich so ein Speicher. Wasserstoff wird gewonnen, indem Wasser mithilfe von Strom in seine Einzelteile zerlegt wird, erklärt Uwe Eckart von Kumatec. Dafür nutzt man den Strom aus Wind- und Solaranlagen, wenn Wind weht und Sonne scheint, sagt Eckart: “Ich kann den quasi direkt nach der Elektrolyse in entsprechende Druckspeicher abspeichern und so (…) Energie zwischenspeichern. So ein Druckspeicher ist wesentlich günstiger als ein Batteriespeicher zum Beispiel.”

Neben dem Potenzial des Wasserstoffs für die Industrie oder auch im Hinblick auf schadstofffreies Autofahren will Büttner auch das vermeintliche Abfallprodukt Sauerstoff genauer unter die Lupe nehmen: “Wir trennen ja Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff;  der Sauerstoff ist in herkömmlichen Elektrolyseanlagen bisher ungenutzt. Und wir sagen: Den können wir zum Beispiel in der Kläranlage nutzen. Die hat einen sehr hohen Sauerstoffbedarf. Oder wir haben die Möglichkeit, den aufzubereiten zum Beispiel zu medizinischem Sauerstoff. Das sind alles Nutzungsoptionen, die uns vorschweben, wo wir aber noch nicht die entsprechenden Partner haben. Die müssen wir eben jetzt finden.”

Folgt: Wir! und der “H2-Well – Wasserstoffquell- und Wertschöpfungsregion Main-Elbe-LINK”