dena: Deutschland braucht klares Klimaziel 2050, sonst droht Scheitern

Harte Kritik an Bundesregierung(en) bei Präsentation der dena-Leitstudie “Integrierte Energiewende”

Obwohl seine dena (Deutsche Energie-Agentur) in staatlichem Besitz ist, las ihr Geschäftsführer Andreas Kuhlmann anlässlich der der am 04.06.2018 in Berlin präsentierten „dena-Leitstudie Integrierte Energiewende“ den Energie- und Klimapolitikern gehörig die Leviten: Es sei eine „gnadenlose Fehleinschätzung“ der Bundesregierung gewesen, jahrelang den Eindruck erweckt zu haben, das deutsche Klimaziel für 2020 sei zu schaffen. Und er wurde deutlicher: „Vielleicht hat uns der eine oder andere auch bewusst hinter die Fichte geführt“ – er finde es „beschämend, dass sich die deutschen CO2-Emissionen seit 2014 gar nicht bewegt haben“. Kuhlmanns eindeutige Schlussfolgerung: Die Bundesregierung muss noch in dieser Legislaturperiode ihr Klimaziel für das Jahr 2050 präzisieren und entsprechende Maßnahmen auf den Weg bringen, sonst verfehlt sie mit Sicherheit ihre Klimaziele für 2013.

So steht es jedenfalls in der dena-Leitstudie Integrierte Energiewende. Der geltende Zielkorridor von 80 bis 95 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 lasse sich zwar mit verschiedenen Ansätzen wie Technologieoffenheit oder Elektrifizierung erreichen. Je nachdem, welches Ende des Korridors aber realisiert werden solle, ergäben sich aber bereits für die Ausrichtung auf das Jahr 2030 unterschiedliche Weichenstellungen. Die mit 508 Seiten sehr umfangreiche und zeitaufwändige Studie wurde von Hauptautor Harald Hecking, ewi Energy Research & Scenarios gGmbH, mit 22 weiteren wissenschaftlichen Gutachtern und 64 Unternehmen und Wirtschaftsverbänden erarbeitet und von der Deutschen Energie-Agentur (dena) herausgegeben.

„Eine sektorübergreifende, systemische Betrachtung möglicher Transformationspfade führt zu anderen Ergebnissen, als eine sektorspezifische. Bei der Ausrichtung der Energie- und Klimaschutzpolitik muss das berücksichtigt werden. Die dena-Leitstudie ist dafür eine gute Grundlage“, Kuhlmann zu den Handlungsempfehlungen: „Unsere Szenarien zeigen: Nicht alles, was auf den ersten Blick als naheliegende Lösung erscheint, führt unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit anderen Sektoren zum gewünschten Ziel. Daraus folgt auch: Es reicht nicht, heute nur über die Klimaziele 2030 zu diskutieren. Abhängig vom Ambitionsniveau für 2050, sieht schon 2030 sehr unterschiedlich aus. Und die Ziele für 2030 werden mit Sicherheit verfehlt, wenn nicht bereits in dieser Legislaturperiode entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. Eine Konkretisierung der Ziele ist für Unternehmen und für die Gestaltung des politischen Rahmens dringend geboten. Die dena-Leitstudie ist eine Einladung an Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft, die notwendige Debatte zügig zu führen und Entscheidungen zu treffen. Wenn wir es gemeinsam angehen, können wir praktikable und breit akzeptierte Lösungen finden und die Energiewende als gesamtgesellschaftliches Projekt zum Erfolg führen.“

[note Kurzfassung von ewi Energy Research & Scenarios: “Deutschland kann seine Treibhausgasminderungsziele von 80 Prozent und auch 95 Prozent bis 2050 mit erhöhten Anstrengungen in allen Sektoren erreichen. Dazu müssen der Ausbau und die Integration erneuerbarer Energien forciert, der Endenergieverbrauchs durch umfassende Energieeffizienzanstrengungen gesenkt und synthetische erneuerbare Energieträger in großem Umfang eingesetzt werden. Ein breiter Technologie- und Energieträgermix ermöglicht dabei eine kostengünstigere und robustere Transformation des Energiesystems, als ein verstärktes Setzen auf strombasierte Anwendungen. Dies sind zentrale Erkenntnisse aus der Leitstudie Integrierte Energiewende der Deutsche Energie-Agentur (dena), die Impulse für die Gestaltung des Energiesystems bis 2050 geben will. ewi ER&S ist wissenschaftlicher Hauptgutachter der Studie.”]

Folgt: Vier Szenarien: Technologiemix robuster und billiger