Böden zu CO2-Speichern machen

WWF veröffentlicht Boden-Bulletin zum Dürre-Sommer

Böden haben immenses Potenzial im Kampf gegen die Klimakrise. Durch einen Wandel in der Landwirtschaft und der Landnutzung können Böden Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und so zu einer CO2-Senke werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Boden-Bulletin des WWF Deutschland. Aktuell werde dieses Potenzial aber nicht genutzt, im Gegenteil: In Deutschland sei die Landwirtschaft im engeren Sinne für mehr als sieben Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Neben den Emissionen aus der Massentierhaltung stamme der größte Anteil aus der Bodenbewirtschaftung und Düngung.

„Die Bäuerinnen und Bauern ächzen unter dem Dürresommer. Dabei befeuert auch die Landwirtschaft die Klimakrise, die solche Wetterextreme häufiger werden lässt“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Wir brauchen dringend einen umfassenden Wandel in der Agrarpolitik hin zu einer wirklich nachhaltigen Nutzung unserer Böden, damit sie vom Heizkörper zum Schattenspender für unser Klima werden.“ Für die natürliche Bodenfruchtbarkeit sei insbesondere der Humusanteil entscheidend. Er müsse deutlich erhöht werden, auch weil im Humus am meisten Kohlenstoff gebunden werde. Dafür brauche es unter anderem eine vielfältige Fruchtfolge, in der auch Hülsenfrüchte viel stärker als bisher Verwendung finden, da sie künstliche Stickstoffdünger ersetzen könnten, sowie eine reduzierte Bodenbearbeitung, um Humusverlust zu vermeiden.

Positive Effekte durch naturnahe Landwirtschaft

Derzeit könnten Ackerflächen zudem ihren Wasserhaushalt schlechter regulieren als natürliche, selbstorganisierte Ökosysteme – in Folge ist es in Landwirtschaftsgebieten meist heißer und Wetterextreme, insbesondere Dürren, nähmen zu. Eine möglichst naturnahe Landwirtschaft, also mit strukturreichen Landschaftselementen und Wasserrückhaltestrukturen, habe so einen zweifach positiven Effekt für den Klimaschutz: einmal direkt über die Aufnahme von CO2 und weiterer Treibhausgase, einmal indirekt über einen besseren Wasserhaushalt gegen extreme Trockenheiten, wie wir sie in diesem Sommer erleben.

„In Deutschland verlieren wir pro Jahr aktuell zehn Tonnen an fruchtbarem Boden pro Hektar Ackerland. So darf es nicht weitergehen, wenn wir das Klima schützen und das Überleben unserer Landwirtschaft sichern wollen. Neben dem Humusanteil müssen wir den Düngereintrag in den Blick rücken: Es sollten weniger – bestenfalls keine – synthetischen Stickstoffdünger mehr in die Böden gelangen“, so Christoph Heinrich. Stickstoffdünger seien die mit Abstand wichtigste Ursache für bodenbürtige und extrem klimaschädliche Lachgasemissionen. Daneben spielten die Ausweitung ökologischen Landbaus, die Rückgewinnung von Grünland und die Renaturierung nasser Böden wie Moore eine essentielle Rolle, um CO2 künftig in den Böden zu halten, statt es auszustoßen – und so auch die Landwirtschaft selbst besser vor den Folgen der Klimakrise zu schützen.

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