Wie gelingt die Digitalisierung der Städte?

Anhörung im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung

Können sogenannte Smart Cities einen Beitrag leisten, wenn es um Nachhaltigkeit durch Digitalisierung geht? Dieser Frage widmete sich am 26.06.2019 der Parlamentarische Beirat für nachhaltige Entwicklung des Bundestags. In der Sitzung unter Leitung von Andreas Lenz (CSU) sprachen die Abgeordneten mit drei Experten. Ihr Fazit – so der parlamentseigene Pressedienst heute im bundestag: Die Digitalisierung der Städte wird nur gelingen, wenn die Bürger dabei mitgenommen werden.

Francesca Bria, Beauftragte für digitale Technologie und Innovation der Stadtverwaltung von Barcelona, stellte die Erfahrungen ihrer Heimatstadt vor: Barcelona sei auf dem Weg zur digitalen Stadt. Früher sei die Diskussion um die Digitalisierung vor allem mit Blick auf die Technologie geführt worden, im Mittelpunkt aber müsse die Frage stehen, wie die Bürger von einer Smart City profitieren könnten. Bezahlbare Wohnung, Gesundheitsversorgung, Transport, Energiewende und öffentlicher Raum seien wichtige Themen für die Bürger. Bria stellte mehrere in Barcelona getestete Projekte vor, dafür habe die Stadt eine digitale Plattform gegründet. So sei in dem Projekt “Teile die Sonne” Bürgern die Möglichkeit angeboten worden, in Solarenergie zu investieren. Zudem habe man die Stadt in sogenannte Superblocks aufgeteilt, in denen der Verkehr reduziert worden sei. So seien “grüne Räume” geschaffen worden. Beim Umgang mit den Daten, die für eine Smart City unabdingbar seien, gehe es um das Vertrauen der Bürger: Sie müssten entscheiden können, welche Daten sie weitergeben wollten und welche privat bleiben sollen. Daten würden als Teil der öffentlichen Infrastruktur verstanden, die der Verwaltung und Politik zur Verfügung gestellt würden, damit sie Lösungen entwickeln könnten.

Im Vergleich zu Berlin liege Barcelona “um Längen” vorn, sagte Dieter Müller von der Technologiestiftung Berlin. Seiner Meinung nach seien Quartiere die “Moleküle” einer Smart City; sei seien der Bereich, in dem sich entscheide, wie die Bürger leben wollten. Es gebe in Berlin bereits smarte Gebäude, in denen Daten erhoben würden, allerdings werde die bestehende Infrastruktur der IT den Anforderungen derzeit nicht gerecht. Man brauche viele Daten, um auf Managementebene Gebäude intelligent steuern zu können, etwa bei Heizung oder Klimatisierung. Es empfehle sich, auf kleine lokale Akteure zu setzen – und die Mieter dabei mitzunehmen. Zusätzlich brauche es auf lokaler Ebene deutlich mehr Energiespeicher, gleichzeitig fehlten derzeit auf universitärer Ebene Experten sowie Fachleute, welche die Anlagen installieren und warten könnten. Die öffentliche Hand habe die Chance, bei der Digitalisierung der Städte eine Vorreiterrolle zu spielen.

Gernot Strube, Leiter Europa Capital Projects & Infrastructure Practice bei McKinsey, stellte eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie des Unternehmens vor. Die Basisinfrastruktur einer Smart City bestehe aus drei Ebenen: der Technologie – also etwa Sensoren – , den Anwendungen und der Akzeptanz der Bürger. Man habe die Anwendung von 60 Applikationen in acht Bereichen untersucht. So könnte etwa die Pendelzeit, der Wasserverbrauch oder der Anteil unrecycelten Abfalls verringert werden. Städte, die diese Applikationen nutzen, täten dies vor allem im Bereich der Mobilität. Grundsätzlich seien chinesische Städte Vorreiter, europäische lägen im Mittelfeld. Das habe vor allem zwei Gründe: Weil die Infrastruktur in Europa in der Regel gut sei, sei der Druck geringer, über Technologien zu Verbesserungen zu kommen. Zum zweiten sei die Skepsis bei der Verwendung der Daten hierzulande eher hoch. (hib/SUK)

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