Europas Onshore-Windpotenzial reicht für Weltenergiebedarf

Kapazität größer als gedacht

Europa kann mehr als das Hundertfache der Energiemenge produzieren, die es derzeit durch Onshore-Windparks erzeugt, wie neue Untersuchungen der University of Sussex und der Aarhus University ergeben haben. In einer Analyse aller geeigneten Standorte für Onshore-Windparks zeigt die neue Studie mit dem Titel: “Wind it up: Europe has the untapped onshore capacity to meet global energy demand”, dass Europa das Potenzial hat, bis 2050 genügend Energie für die ganze Welt bereitzustellen.

Windgeneratoren und Hochspannungsleitungen bei Dahme, Mark – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify

Die inzwischen in Energy Policy publizierte Arbeit zeigt, dass 52,5 TW installierte Nennleistung erreicht werden könnte, wenn die gesamten europäische Kapazität für Onshore-Windparks realisierte würde – das entspricht je 1 MW pro 16 europäischer Bürger.

Co-Autor Benjamin Sovacool, Professor für Energiepolitik an der University of Sussex, sagte: “Die Untersuchung ist kein Entwicklungsplan, sondern ein Leitfaden für politische Entscheidungsträger, der aufzeigt, welches Potenzial besteht, wie viel mehr getan werden kann und wo die besten Chancen bestehen. Unsere Arbeit deutet darauf hin, dass die Aussichten für den Onshore-Windsektor günstig sind, und dass die europäischen Aktivitäten in Richtung eines 100%igen Erneuerbaren Energienetzes technologisch in Reichweite sind. Natürlich sagen wir nicht, dass wir an allen identifizierten Standorten Turbinen installieren sollten, aber die Studie zeigt das riesige Windenergiepotenzial in ganz Europa, das genutzt werden muss, um eine Klimakatastrophe abzuwenden.”

Onshore-Winddichtepotenzial in Megawatt pro Quadratkilometer europäischer Länder – Karte © sussex.ac.uk

Die räumliche Analyse von auf Geographischen Informationssystemen (GIS) basierenden Windatlanten ermöglichte es dem Forschungsteam, rund 46% der europäischen Flächen zu definieren, die für die Standortwahl von Onshore-Windparks geeignet wären. Die fortgeschrittenen GIS-Daten auf subnationaler Ebene lieferten einen weitaus detaillierteren Einblick und ermöglichten es dem Team, eine weitaus größere Bandbreite an Ausschlusskriterien zu berücksichtigen, darunter Häuser, Straßen, Sperrgebiete aus militärischen oder politischen Gründen sowie Gelände, das nicht für die Windenergieerzeugung geeignet ist. Durch die detailliertere Darstellung dieses Ansatzes konnte das Forschungsteam mehr als das Dreifache des Onshore-Windpotenzials in Europa identifizieren als frühere Studien.

Peter Enevoldsen, Assistenzprofessor am Center for Energy Technologies an der Universität Aarhus, sagte: “Kritiker werden zweifellos argumentieren, dass das natürlich diskontinuierliche Windangebot die Onshore-Windenergie ungeeignet für die Deckung der globalen Nachfrage macht. Aber auch ohne Rücksicht auf die Entwicklungen in der Windturbinentechnologie in den kommenden Jahrzehnten ist die Onshore-Windenergie die billigste ausgereifte Quelle für Erneuerbare Energien, und die Nutzung der verschiedenen Windregionen in Europa ist der Schlüssel, um das Ziel eines 100% erneuerbaren und vollständig dekarbonisierten Energiesystems zu erreichen.”

Die Studienautoren schätzen, dass theoretisch mehr als 11 Millionen zusätzliche Windturbinen auf fast 5 Millionen Quadratkilometern geeigneten Geländes installiert werden könnten, die 497 EJ*) Strom erzeugen, was den erwarteten globalen Energiebedarf im Jahr 2050 von 430 EJ angemessen decken würde.

*) 1 EJ (Exajoule) = 1018 J = 278 TWh

Die Autoren identifizierten die Türkei, Russland und Norwegen als Länder mit dem größten Potenzial für die zukünftige Windkraftdichte, obwohl weite Teile Westeuropas aufgrund günstiger Windgeschwindigkeiten und ebener Flächen auch als reif für weitere Onshore-Parks erachtet wurden.

Mark Jacobson, Professor für Bau- und Umweltingenieurwesen an der Stanford University, sagte: “Eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Studie ist neben der Tatsache, dass sie zu dem Schluss kommt, dass das europäische Onshore-Windpotenzial größer ist als bisher geschätzt, dass sie die Fähigkeit der Länder erleichtert, ihre Entwicklung ihrer Onshore-Windressourcen effizienter zu planen, wodurch der Weg für die Verpflichtungen dieser Länder geebnet wird, vollständig auf saubere, erneuerbare Energien für alle Zwecke umzusteigen”.

Highlights und Abstract der im Septemberheft 2019 von Energy Policy veröffentlichten Arbeit

Highlights

  • Vorstellung einer neuartigen soziotechnischen Methode zur Abschätzung des Windpotenzials
  • Überblick über das Windenergiepotenzial in den einzelnen europäischen Ländern
  • Potenzielle Nennleistung der europäischen Onshore-Windenergie beträgt 52 TW
  • Potenzial für die Entwicklung von Onshore-Windprojekten liegt bei 4.895.560 km2
  • 54% des gesamten europäischen Territoriums sind für neue Onshore-Windenergieprojekte gesperrt.

Abstract

Die kontinuierliche Entwicklung von Onshore-Windparks ist ein wichtiges Merkmal des europäischen Übergangs zu einem Energiesystem, das auf dezentralen Erneuerbaren Energien und kohlenstoffarmen Ressourcen basiert. Diese Studie bewertet und simuliert das Potenzial für zukünftige Onshore-Windenergieanlagen in ganz Europa. Die Studie stellt über Karten alle nationalen und regionalen soziotechnischen Restriktionen und Vorschriften für die Entwicklung von Windprojekten mittels räumlicher Analyse durch GIS dar. Die Eingaben für die Analysen basierten auf einem ursprünglichen Datensatz, der aus Satelliten und öffentlichen Datenbanken zu Strom, Planung und anderen Dimensionen zusammengestellt wurde. Unter Berücksichtigung der soziotechnischen Beschränkungen, die 54% der kombinierten Landfläche in Europa ausmachen, ergibt die Studie eine Nennleistung von 52,5 TW ungenutzter Onshore-Windenergiepotenziale in Europa – das entspricht je 1 MW pro 16 Europäer – ein Angebot, das ausreichen würde, um den weltweiten Energiebedarf aller Sektoren von heute bis 2050 zu decken. Die Studie bietet einen anspruchsvolleren, mehrdimensionaleren und detaillierteren Atlas der Entwicklung der Windenergie an Land, der bei der zukünftigen Energiepolitik, Forschung und Planung helfen kann.

->Quellen: