IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima (SROCC)

Vorläufige Übersetzung der Hauptaussagen

Dieser Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre1 in einem sich wandelnden Klima (Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate, SROCC) wurde aufgrund eines Beschlusses der IPCC-Vollversammlung 2016 erstellt, im Verlauf des sechsten Berichtszyklus drei Sonderberichte zu erstellen2. Mit der Bewertung neuer wissenschaftlicher Literatur3 reagiert der SROCC4 auf Vorschläge von Regierungen und Beobachterorganisationen. Der SROCC folgt auf die anderen beiden Sonderberichte über 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5) sowie Klimawandel und Landsysteme (SRCCL)5 und den Globalen Sachstandsbericht der Zwischenstaatlichen Plattform für Biodiversität und Ökosystemleistungen (IPBES) über Biodiversität und Ökosystemleistungen.

Diese Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers, SPM) fasst die wichtigsten Ergebnisse („Schlüsselergebnisse“) des Berichts zusammen und ist in drei Teile gegliedert:

  1. SPM.A: Beobachtete Veränderungen und Folgen,
  2. SPM.B: Projizierte Veränderungen und Risiken sowie
  3. SPM.C: Umsetzung von Maßnahmen in Reaktion auf Veränderungen in Ozean und Kryosphäre.

Um die Navigation in der SPM zu erleichtern, zeigen Symbole an, wo sich bestimmte Inhalte befinden. Das mit den Schlüsselergebnissen verbundene Vertrauensniveau wird gemäß der IPCC-Sprachregelung angegeben6, und die zugrundeliegende wissenschaftliche Basis jedes Schlüsselergebnisses wird über Verweise auf Abschnitte im zugrundeliegenden Bericht angegeben.

Startup-Box: Die Bedeutung des Ozeans und der Kryosphäre für den Menschen
Alle Menschen auf der Erde sind direkt oder indirekt vom Ozean und der Kryosphäre abhängig. Der globale Ozean bedeckt 71 % der Erdoberfläche und enthält etwa 97 % des Wassers der Erde. Der Begriff Kryosphäre bezieht sich auf gefrorene Komponenten des Erdsystems1. Etwa 10 % der Landfläche der Erde sind von Gletschern oder Eisschilden bedeckt. Der Ozean und die Kryosphäre bieten die Grundlage für einzigartige Lebensräume und sind mit anderen Komponenten des Klimasystems durch den globalen Austausch von Wasser, Energie und Kohlenstoff verbunden. Die möglichen Reaktionen des Ozeans und der Kryosphäre auf vergangene und aktuelle vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen und auf die anhaltende globale Erwärmung umfassen Klimarückkopplungen, unvermeidbare Veränderungen über Jahrzehnte bis hin zu Jahrtausenden, Schwellenwerte für abrupte Veränderungen und Unumkehrbarkeit.
Menschliche Gemeinschaften mit enger Verbindung zur küstennahen Umwelt, kleine Inseln (einschließlich Kleiner Inselentwicklungsländer (Small Island Developing States, SIDS), Polargebiete und Hochgebirge7 sind dem Wandel von Ozean und Kryosphäre besonders ausgesetzt, wie zum Beispiel dem Meeresspiegelanstieg, Extremwasserständen des Meeres und einer schrumpfenden Kryosphäre. Auch andere, weiter von der Küste entfernte Gemeinschaften bekommen Veränderungen im Ozean zu spüren, wie zum Beispiel durch Extremwetterereignisse. Heute leben rund 4 Millionen Menschen dauerhaft in der Arktis, davon 10 % Indigene. In niedrig gelegenen Küstenzonen8 leben derzeit rund 680 Millionen Menschen (fast 10 % der Weltbevölkerung im Jahr 2010), laut Projektionen werden es schon im Jahr 2050 mindestens eine Milliarde sein. 65 Millionen Menschen leben in Kleinen Inselentwicklungsländern. Rund 670 Millionen Menschen (fast 10 % der Weltbevölkerung im Jahr 2010), einschließlich indigener Völker, leben in Hochgebirgsregionen auf allen Kontinenten außerhalb der Antarktis. In Hochgebirgsregionen wird die Bevölkerung laut Projektionen spätestens im Jahr 2050 740 bis 840 Millionen erreichen (etwa 8,4–8,7 % der projizierten Weltbevölkerung).
Zusätzlich zu ihrer Rolle im Klimasystem, wie der Aufnahme und Umverteilung von natürlichem und anthropogenem Kohlendioxid (CO2) und Wärme sowie der Aufrechterhaltung von Ökosystemen, gehören die Bereitstellung von Nahrung und Süßwasser, erneuerbare Energie sowie Vorteile für Gesundheit und Wohlergehen, kulturelle Werte, Tourismus, Handel und Verkehr zu den Leistungen, die der Ozean und/oder die Kryosphäre dem Menschen bereitstellen. Der Zustand von Ozean und Kryosphäre steht in Wechselwirkung mit allen Nachhaltigkeitsaspekten, die in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (United Nations Sustainable Development Goals, SDGs) darge-stellt werden.

SPM.A Beobachtete Veränderungen und Folgen

Beobachtete physische Veränderungen

A1. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte hat die globale Erwärmung dazu geführt, dass die Kryosphäre weiträumig geschrumpft ist; dies beinhaltet Massenverluste von Eisschilden und Gletschern (sehr hohes Vertrauen), Rückgänge der Schneebedeckung (hohes Vertrauen) und der arktischen Meereisausdehnung und -dicke (sehr hohes Vertrauen) sowie erhöhte Permafrosttemperaturen (sehr hohes Vertrauen).
A2. Es ist praktisch sicher, dass sich der globale Ozean seit 1970 ungemindert erwärmt hat und mehr als 90 % der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufgenommen hat (hohes Vertrauen). Seit 1993 hat sich die Geschwindigkeit der Ozeanerwärmung mehr als verdoppelt (wahrscheinlich). Die Häufigkeit von marinen Hitzewellen hat sich seit 1982 sehr wahrscheinlich verdoppelt, und ihre Intensität nimmt zu (sehr hohes Vertrauen). Durch die Aufnahme von mehr CO2 ist die Ozeanoberfläche zunehmend versauert (praktisch sicher). Sauerstoffverlust fand von der Oberfläche bis in 1.000 m Tiefe statt (mittleres Vertrauen).
A3. Der mittlere globale Meeresspiegel steigt an; in den letzten Jahrzehnten beschleunigte sich dies sowohl aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit von Eisverlusten der grönländischen und antarktischen Eisschilde (sehr hohes Vertrauen) als auch aufgrund des anhaltenden Gletschermassenverlusts und der thermischen Ausdehnung des Ozeans. Erhöhte Windgeschwindigkeiten und Niederschläge von tropischen Wirbelstürmen sowie Zunahmen von extremen Wellen verschärfen in Kombination mit dem relativen Meeresspiegelanstieg Extremwasserstände und Gefahren an Küsten (hohes Vertrauen).

Beobachtete Folgen für Ökosysteme

A4. Veränderungen der Kryosphäre und damit verbundene hydrologische Veränderungen hatten Folgen für Land- und Süßwasserarten und -ökosysteme in Hochgebirgs- und Polarregionen durch das Freiwerden von ehemals eisbedecktem Land, Änderungen der Schneebedeckung und dem Tauen von Permafrost. Diese Veränderungen haben dazu beigetragen, die saisonalen Aktivitäten, den Bestand und die Verbreitung von ökologisch, kulturell und wirtschaftlich wichtigen Pflanzen- und Tierarten, ökologische Störungen und die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen zu verändern. (hohes Vertrauen)
A5. Seit etwa 1950 haben sich die geografischen Verbreitungsgebiete und die saisonalen Aktivitäten vieler mariner Arten aus unterschiedlichen Gruppen als Reaktion auf die Ozeanerwärmung, Meereisveränderung und biogeochemische Veränderungen in ihren Lebensräumen, wie beispielsweise Sauerstoffverlust, verschoben (hohes Vertrauen). Dies hat vom Äquator bis zu den Polen zu Verschiebungen in der Artenzusammensetzung, ihrem Bestand und der Biomasseproduktion von Ökosystemen geführt. Veränderte Wechselwirkungen zwischen Arten haben zu kaskadierenden Folgen für die Struktur und Funktionsweise von Ökosystemen geführt (mittleres Vertrauen). In manchen Meeresökosystemen sind Arten den Folgen von sowohl Fischereipraktiken als auch dem Klimawandel ausgesetzt (mittleres Vertrauen).
A6. Küstenökosysteme werden durch die Erwärmung des Ozeans beeinträchtigt – einschließlich verstärkter mariner Hitzewellen – sowie durch Versauerung, Sauerstoffverlust, Eindringen von Salzwasser und Meeresspiegelanstieg, in Kombination mit negativen Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf den Ozean und auf Landsysteme (hohes Vertrauen). Folgen für die Ausdehnung von Lebensräumen und die Biodiversität sowie für Ökosystemfunktionen und -leistungen werden bereits beobachtet (hohes Vertrauen).

Folgt: Beobachtete Folgen für Menschen und Ökosystemleistungen