Energiepolitik der Bundesregierung ruiniert nicht nur Arbeitsplätze

Windkraft-Stau an Land führt 2020 zu höherem Strompreis und mehr CO2-Ausstoß

Deutschland würde 2020 gut zehn Millionen Tonnen CO2 weniger ausstoßen, steckten hierzulande nicht Windkraftanlagen mit elf Gigawatt Gesamtleistung im Genehmigungsstau. Zudem wäre Strom im Großhandel knapp zwei Euro die Megawattstunde billiger*. Dies sind die Ergebnisse einer Kurzanalyse von Energy Brainpool im Auftrag von Greenpeace Energy. Wären die Windkraftanlagen gebaut worden, errechneten die Energieexperten, könnten sie jährlich rund 26 Terawattstunden (TWh) Windstrom produzieren. So könnten 2020 etwa 5,4 TWh Strom aus Braunkohle, knapp 4,3 TWh aus Steinkohle und 2,9 TWh aus Erdgas und Öl ersetzt werden – und die CO2-Emissionen aus der deutschen Stromerzeugung von 273 Millionen Tonnen um 3,7 Prozent sinken. Das entspreche dem Ausstoß zweier 600 MW-Kraftwerksblöcke von RWE in Weisweiler. Weitere 13 TWh Windstrom könnten in Nachbarländer exportiert werden und auch dort den CO2-Ausstoß verringern, zeigte die stundenscharfe Modellierung des europäischen Strommarktes im Jahr 2020 für Greenpeace Energy.

Windkraft-Stau an Land führt 2020 zu höherem Strompreis und mehr CO2-Ausstoß – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify

„Ein konsequenter Windkraftausbau an Land hätte in Deutschland nicht nur viele Tausend Arbeitsplätze in der Windbranche bewahrt, sondern auch positive Folgen für die Strompreise und das Erreichen der Klimaziele gehabt“, sagt Nils Müller, Vorstand von Greenpeace Energy. „Wir fordern deshalb von der Bundesregierung, dass sie die Windkraft 2020 nicht mehr länger behindert, sondern den Stau aufhebt und den Ausbau massiv beschleunigt.“

Zwar seien in der letzten Ausschreibungsrunde des Jahres 2019 für Windenergieanlagen an Land die ausgeschriebenen 500 Megawatt erstmals wieder leicht überzeichnet worden, damit seien nach Einschätzung des Bundesverbandes WindEnergie (BWE) die Hindernisse für den Ausbau im Kern aber nicht beseitigt.

Greenpeace Energy habe deshalb unter www.windstärken.org eine Kampagne zur Unterstützung der Windenergie an Land gestartet.

Hintergrund:
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Der Strompreis liegt 2020 um 1,96 EUR/MWh über dem Wert, auf den er durch die Windstrommengen aus den Anlagen im Genehmigungsstau hätte sinken können. Grund ist der sogenannte Merit-Order-Effekt erneuerbarer Energien. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Preise im Großhandel durch den geplanten Kohleausstieg um 2,50 bis 3 Euro/MWh steigen. Diesen Anstieg könnte der Zubau der im Stau steckenden elf Gigawatt Windkraft weitestgehend kompensieren. Die Auswirkungen der Genehmigungsstau auf die Höhe der EEG-Umlage lassen sich nicht zweifelsfrei berechnen, da es Wechselwirkungen zwischen Effekten gibt, die einerseits die Umlage steigern, und solchen, die sie andererseits senken.

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