Corona: Fluggesellschaften wollen Kohlenstoff-Deal abschwächen

Industrie: “Überlebensfrage”

Die Fluggesellschaften drängen darauf, die Regeln des Abkommens zur Bekämpfung von Emissionen des Luftverkehrs neu zu fassen – so der Guardian am 08.04.2020. Damit handelten sich die Fluggesellschaften den Vorwurf ein, sie versuchten, “ihren Verpflichtungen auszuweichen”, aber der IATA-Chef erklärte, es sei “eine Frage des Überlebens”, da die meisten internationalen Reisen derzeit infolge der Covid-19-Krise “eingefroren” seien.

Der Internationale Luftverkehrsverband IATA hat die Zivilluftfahrt-Organisation ICAO aufgefordert, das Emissionsausgleichs- und -reduktionsprogramm für die internationale Luftfahrt (Corsia) zu ändern; andernfalls riskiere sie einen Rückzug der Fluggesellschaften. Im Rahmen des Systems müssen die Fluggesellschaften dafür bezahlen, wenn ihre CO2-Emissionen eine durch die durchschnittlichen Emissionen der Jahre 2019 und 2020 festgelegte Basislinie übersteigen. Das Startverbot für Flugzeuge während der Pandemie hat nun aber zur Folge, dass diese Grundlinie weit niedriger sein wird als ursprünglich einmal vorgesehen – die Kohlenstoff-Minderungsziele also viel anspruchsvoller sein werden, wenn Corsia ohne Änderungen weiter gilt.

Die Iata hat von der ICAO gefordert, dass die Grundlinie “angepasst werden muss, um die nachhaltige Entwicklung der internationalen Luftfahrt zu gewährleisten und eine unangemessene wirtschaftliche Belastung des Sektors zu vermeiden”. Einige Nationen könnten sich aus der Vereinbarung zurückziehen, wenn ihnen die Kosten zu hoch seien. Vor der Covid-19-Krise zeigten Schätzungen, dass Fluggesellschaften bis 2035 weltweit jährlich zwischen 4,6 und 20,5 Milliarden Pfund für Kohlenstoffgutschriften ausgeben müssten, um die Corsia-Regeln zu erfüllen. In einem Bericht der Grünen Allianz vor der Coronavirus-Sperre wurde festgestellt, dass dies nicht ausreichte, um die in der Pariser Vereinbarung festgelegten Ziele zu erreichen.

Die Iata bestritt, dass sie sich von Corsia zurückziehen wolle. Ihr Generaldirektor Alexandre de Juniac sagte: “Wir haben unsere Umweltziele nicht aufgegeben … Nach der Erholung werden wir weiterhin Emissionen und Lärmbelastung reduzieren – daran hat sich nichts geändert. Diese Krise ist aber jetzt eine Frage des Überlebens für die Industrie und wir bitten die Regierungen dringend um Hilfe. Natürlich werden wir unseren Umweltverpflichtungen nachkommen. Aber vorher müssen wir überleben – oder es wird kein Umweltproblem mehr geben, denn die Luftfahrt-Industrie wird verschwunden sein.”

->Quellen und ganzer Artikel: theguardian.com/airlines-lobby-to-rewrite-carbon-deal-due-to-coronavirus