Kreislauffähig gebaut: Ein Supermarkt als Baustofflager

Ein Supermarkt steht meist nur rund 20 Jahre, dann kommt der Bagger. Bei Dachau entsteht ein Markt, dessen Baustoffe danach in neue Gebäude wandern sollen.

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So soll der Edeka in Haimhausen aussehen: ein Holzbau mit Gründach, fast vollständig demontierbar. Nach der Nutzung können die Baustoffe in neue Gebäude wandern. Visualisierung © RATISBONA Handelsimmobilien

In Haimhausen im Landkreis Dachau entsteht ein Edeka-Markt, der sich laut dem Regensburger Projektentwickler Ratisbona zu 98 Prozent demontieren lässt. „Nichts ist geschossen, nichts zusammenbetoniert“, sagt Ratisbona-Sprecher Frank Schlieder. Selbst die Fundamente sind verschraubt und die Bauteile sind gesteckt statt verklebt. Der Markt soll noch dieses Jahr öffnen.
Dach und Boden des Holzständerbaus sind mit Schaumglas-Schotter gedämmt, einem aufgeschäumten Altglas, das sich mehrfach recyceln lässt. In andere Hohlräume wurden Zelluloseflocken geblasen. „Die kann man dann einfach wieder absaugen und anderswo verwenden“, sagt Bernhard Holler, der bei Ratisbona für die technische Entwicklung zuständig ist. Einige Hersteller erproben dafür inzwischen Pappe statt Zeitungspapier, da es immer weniger Zeitungen, aber immer mehr Pakete gibt. Die Holzwände kommen ohne Leim aus und sind mit Lehm verputzt. Ein Gebäudepass hält für jedes verbaute Material fest, woher es stammt, ob es gesundheitlich unbedenklich ist, wie es sich trennen lässt und welchen CO2-Fußabdruck es hat.

Dem Zement mischte Ratisbona recyceltes Material und Pflanzenkohle bei, also verkohlte Biomasse, die Kohlenstoff speichert. Geplant war mehr Pflanzenkohle, doch sie war nicht in der nötigen Menge lieferbar. Laut Schlieder kommen viele der neuen Baustoffe von kleinen Firmen, die schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Zudem taten sich Betonwerke mit dem dunkler gefärbten Zement schwer. Was der Markt genau gekostet hat, sagt das Unternehmen nicht, nur, dass er teurer war. Die Mehrkosten legt es nach eigenen Angaben nicht auf die Miete von Edeka um. Für seine Standardbauweise nennt Ratisbona dagegen eine Zahl: 15 bis 20 Märkte errichtet das Unternehmen jährlich in Holzständerbauweise. Laut eigenen Angaben ist diese fünf bis sieben Prozent günstiger als die Bauweise mit Ziegeln und Beton. Die Erkenntnisse aus Haimhausen sollen in eine „wiederholbare und wirtschaftliche Marktreife“ übersetzt werden, so das Unternehmen selbst.

In den Niederlanden ist die Umweltlast von Baustoffen gesetzlich begrenzt: Wer dort Wohnungen oder Büros neu baut, muss sie für die Baugenehmigung über den gesamten Lebenszyklus berechnen und einen Grenzwert einhalten. Seit Juli 2026 gilt das erstmals auch für Läden, Schulen und Hallen. In Deutschland gibt es keinen solchen Grenzwert. Die EU verlangt ab 2028 zunächst nur, die Treibhausgasbilanz großer Neubauten zu berechnen und im Energieausweis anzugeben. Die vollständigen Daten seines Gebäudepasses will Ratisbona zur Eröffnung freiwillig veröffentlichen.

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