Lesehinweis: “Energie. Wende. Jetzt. – Eckpunkte für eine zukünftige Energieversorgung”

Robert Schlögl auf Solarify
 
 

Randnotiz

Politiker-Verschwörung gegen die Jugend

Man könnte auch sagen: “Gegen die Zukunft”. Die konzertierte Borniertheit der Politiker angesichts von Klimakatastrophe und Naturzerstörung macht fassungslos. Albrecht von Lucke (“Blätter”) fasste die teils unsäglichen O-Töne mit “Kampf um die Empörungshoheit” zusammen. Der Ober-Liberale Lindner jammerte: „Die deutsche Autoindustrie soll enthauptet werden“, man wolle „eine Schlüsselindustrie kriminalisieren“, und sekundierte damit “Andi” Scheuer (CSU), der die Schülerproteste “gut für die Demokratie“ fand, es dann aber noch besser fand, “wenn die Demonstrationen außerhalb der Schulzeiten stattfänden.“ Für den „Minister für Verkehrspolemik“ („Süddeutsche Zeitung“) ist aktiver Klimaschutz in Form von höheren Dieselsteuern und ein Tempolimit auf Autobahnen schlicht „gegen jeden Menschenverstand“. Dass der Verkehrsminister (keineswegs nur in Auspuff- und Abgasfragen) jedenfalls nicht übermäßig vor Transparenz glüht, hat sich herumgesprochen. Der Bundesautomobil-Oberlobbyist – vom Energie-Grünen Krischer “Standortrisiko” tituliert – will konsequenterweise allen NGO, die solche einfordern, die Gemeinnützigkeit aberkennen (lassen). Scheuer traf sich – sagt sein Ministerium – kein einziges Mal mit Vertretern von BUND, Nabu, Greenpeace, WWF oder DUH – war aber 15 Mal zu Gesprächen oder bei Veranstaltungen mit Vorständen deutscher Autokonzerne und Branchenverbände. Dass er, bzw. sein Haus, jetzt aber sogar das Fragerecht der Opposition, eines der vornehmsten Rechte von Fraktionen, die nicht an der Regierung beteiligt sind, einschränken will, muss nachdenklich stimmen. Oder hat es (nicht nur unter Demokratie-Gesichtspunkten) doch tiefere symbolische Bedeutung dass das Verkehrsministerium an der Berliner Invalidenstraße liegt? “Überkontrolle” hätte jedenfalls das Zeug zum “Unwort des Jahres”. Die ohnehin schwer angeschlagene Reputation des Auto-Passauers (Ulf Poschardt: „Andi Scheuer als großer deutscher Antifaschist”) erlitt eben weitere Blechschäden: Ihn entmachtend berief die Kanzlerin das Feigenblatt-Konsortium namens Verkehrskommission; eben beschloss Brüssel für Scheuer extrem harte CO2-Grenzwerte; ein Kapitalversagen in den Augen der Autoschmiede. Selbst der BDI in Person von Holger Lösch glaubt, dass man “diesen Moment der Wahrheit nicht mehr viel nach hinten verschieben” könne. “Irgendwann wird man zu der Erkenntnis kommen, dass die Ziele mit möglicherweise sehr unangenehmen Entscheidungen verbunden sind.” Während die von gestern noch tief nachdenken,wie sie Greta Thunberg infantilisieren, hat sich der Klimaprotest längst verselbständigt über ist weit über seine Urheberin hinausgewachsen. Inzwischen demonstrieren Schüler weltweit, am zahlenstärksten in Deutschland, unter dem Slogan „Fridays for Future“. Ihr implizites Grundmotiv lautet: „Warum für die Zukunft lernen, wenn wir keine Zukunft haben?“ (Lucke) Ob die Parteien irgendwann merken, dass diese jungen Leute sehr bald wählen gehen? -Gerhard Hofmann- weiterlesen…

“Der Klimawandel beschleunigt sich in der Arktis deutlich, und das hat weltweite Auswirkungen auf uns alle. Wir alle sind für diese Zukunft mitverantwortlich, aber niemand mehr als die jungen Menschen, die bald mitten in dieser Veränderung leben müssen.”

Global Linkages – UNEP 2019

Randnotiz

Klima-“Schutz”?

Der Klimaschutzbericht der Bundesregierung ist ein peinliches Dokument des Nichtstuns, des vorauseilenden Gehorsams gegenüber den Falschen und des Scheiterns internationaler Versprechungen. So gerne wäre die Regierung “Vorreiter”, Angela Merkel “Klimakanzlerin” geblieben – wer erinnert sich nicht an das schöne Foto im orange-farbenen Anorak vor arktischen Gletschern? – doch immer noch faselt die Regierung vom “Leitbild von Klimaschutz als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Modernisierungsstrategie, die wissenschaftlich fundiert, technologieoffen und effizient gestaltet wird” – das Leitbild ist blind geworden wie ein angelaufener Spiegel, die Zusammenfassung des Klimaschutzberichts klingt unfreiwillig zynisch. Aber unerschrocken türmt das Vorwort des Klimaschutzberichts Worthülse auf Worthülse, eine leerer als die andere: “Klimaschutz ist und bleibt ein wesentlicher Baustein zum Erhalt der menschlichen Lebensgrundlagen auf der Erde.” Ja, hätte sie ‘mal danach gehandelt! “Die Begrenzung des durch den Menschen verursachten Klimawandels und die Anpassung an nicht mehr zu verhindernde Veränderungen sind gesellschaftliche Aufgaben von höchster Priorität.” Wo ist eigentlich diese Priorität geblieben? “Nicht zu handeln, bedeutet, großes Leid, immense Schäden und unwiederbringliche Verluste an Lebensräumen zu riskieren.” Hat denn die Regierung, jeder einzelne Minister, nicht einen mehr oder weniger heiligen Eid auf die Verfassung geschworen, Schaden vom Volk abzuwenden? Zumal “Klimaschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe” ist. Wie immer fehlt es im Versagen nicht an guten Vorsätzen – dem Sprichwort zufolge ist gar der Weg zur Hölle mit ihnen gepflastert: “Die Bundesregierung wird weiterhin die unbedingt notwendige gemeinschaftliche Verantwortung durch Mitbestimmung und Teilhabe befördern und das Potential des Aktionsbündnisses Klimaschutz bei der Suche nach und der Entwicklung von weiteren Klimaschutzmaßnahmen nutzen.” Sicher keinen Ausweg weist die Verschiebung in die Zukunft mit gleichzeitiger Erhöhung des Ziels – das entlarvt eher alte Fehlentscheidungen. Dabei wäre es einfach: Die Bundesregierung müsste endlich aufhören, sich als Außenstelle und Befehlsempfänger der Autoschmiede und Schmutzstromer zu verstehen. -Gerhard Hofmann- weiterlesen…

EU beschließt COP22

EU beschließt COP22
Druck aufrechterhalten
Ban Ki-Moon erschien die Verabschiedung des COP21-Vertrags durch das EU-Parlament am 04.10.2016 dermaßen historisch, dass er eigens aus New York nach Straßburg angeflogen kam (gut vier Tonnen CO2 ausstoßend) und die Sitzung mit seiner Gegenwart adelte. Immerhin kann die Vereinbarung jetzt in Kraft treten. Doch was tritt denn da eigentlich “in Kraft”?
Einige Zitate: Der Vertrag “zielt darauf ab, die Antwort auf die Bedrohung durch den Klimawandel zu stärken… indem der weltweite Temperaturanstieg gut unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau gehalten wird, und Anstrengungen unternommen werden, den Anstieg auf 1,5 °C zu begrenzen… die Unterzeichner zielen darauf ab, so bald wie möglich den weltweiten Gipfel das Treibhausgasausstoßes zu erreichen… um ein Gleichgewicht zwischen anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen und dessen Abbau durch Senken in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu erreichen”.
Man zielt auf etwas ab; gut unter 2° will man bleiben; so bald wie möglich soll der Emissionshöhepunkt erreicht werden (das Gleichgewicht zwischen anthropogenen Emissionen und Senken haben die USA in den Vertrag hinein gezwungen). Die noch in Elmau vollmundig deklarierte Dekarbonisierung hat es nicht bis in den Paris Accord geschafft. Das sind – niemand mache sich etwas vor – wachsweiche Festlegungen. Aber anders hätte es eben keinen Vertrag gegeben. Die 1,5 Grad-Grenze ist schlicht utopisch – dafür sind wir schon viel zu weit fortgeschritten – wenn es uns damit ernst wäre, müssten wir den CO2-Ausstoß sofort und radikal drosseln. Dazu sind wir aber kaum in der Lage. Denn wir sind evolutionsgeschichtlich zu jung. haben noch nicht gelernt, langfristig zu denken: Wenn es Spaß machen würde, mit dem Hammer auf den Daumen zu schlagen, und der Schmerz träte erst nach zwei Jahren ein – wir täten’s unentwegt (Dieter E. Zimmer vor Jahrzehnten in der Zeit)… weiterlesen…