Was bleibt von Tschernobyl und Fukushima

1 Mio. Jahre aufpassen

Ex-Premier Kan mit Hubert Weiger- Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftIm Rahmen einer Konferenz des Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) unter dem Titel “Lernen aus den Atom-Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima – was folgt daraus für unsere Zukunft?” forderte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger erneut den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. In der Berliner Vertretung des Landes Niedersachsen beim Irina Gruschewaja - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftBund sprachen unter anderen der frühere japanische Ministerpräsident Naoto Kan (“Der Fukushima-Unfall geht weiter, er ist noch nicht abgeschlossen.”) und die weißrussische Professorin Irina Gruschewaja, Geschäftsführerin des Internationalen Rates Zukunft für die Kinder von Tschernobyl (“Atomkraft ist ebenso unsichtbar ist wie das Rettende”).

Der BUND habe schon immer den sofortigen Atomausstieg gefordert, sagte Weiger, ein Gründungsmotiv des BUND vor 41 Jahren sei das politische Ziel Atomausstieg gewesen: Hubert Weiger - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft “Der BUND hat viele Jahrzehnte dafür gekämpft. Das Abschalten von inzwischen neun AKW seit 2011 war auch ein großer Erfolg der Anti-Atom-Bewegung. Nach dem Atom-GAU in Fukushima vor fünf Jahren erkannte endlich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die Atomenergie ein Irrweg ist Mit der Stilllegung von inzwischen neun Atomreaktoren ist ein erster Schritt getan.”

Risiken altersschwacher Atommeiler auch den Nachbarländern der Bevölkerung nicht länger zumutbar

Jedoch berge der Weiterbetrieb von Altreaktoren in Gundremminqen, Philippsburg, Grohnde, Emsland, lsar, Brokorf und Neckarwestheim weiter enorme Risiken. “Auch in Deutschland sei jederzeit ein größerer Störfall oder ein Super-GAU möglich. Diese Risiken sind genauso wie die Risiken altersschwacher Atommeiler in unseren Nachbarländern der Bevölkerung nicht länger zumutbar. Anstatt mit milliardenschweren Klagen gegen die Bundesregierung vorzugehen, weil nach Fukushima Atomkraftwerke abgeschaltet wurden, müssen sich die Energiekonzerne schneller als vorgesehen von dieser Risikotechnologie verabschieden.”

Hubert Weiger vor Publikum - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftWeiger wandte sich dagegen, dass “allzu viele glauben, der Atomausstieg sei schon Geschichte – das stimmt nicht: wir betreiben noch bis 2002 Atomkraftwerke.” Bis heute wüssten wir nicht, was wir mit den Altlasten machen sollen – mit denen seien wir noch für eine Million Jahre konfrontiert – angesichts der menschlichen Kultur, die gerade mal 10.000 Jahre alt sei, eine unvorstellbar lange Zeit – dabei stehe bereits die Sicherheit der laufenden AKW steht in Frage. Das aktuelle Gedenken, so Weiger, “ist uns Anlass, die zentrale Forderung nach dem sofortigen Atom-Ausstieg mit Nachdruck zu wiederholen und zu vertreten.” Auch angesichts der jüngsten Ereignisse sei es höchste Zeit auszusteigen.

Der BUND nahm laut Weiger die Jahrestage (5 Jahre Fukushima und 30 Jahre Tschernobyl) zum Anlass, in einer neuen Studie untersuchen zu lassen, wie es aktuell mit den Risiken der Atomkraft aussieht, eine existierende Studie über das Thema Zwischenlagerung sei erweitert worden. Denn der hochradioaktive Müll werde in Deutschland noch für Jahrzehnte in den Zwischenlagern stehen. Deshalb müsse schnell geklärt werden, wie sicher die Zwischenlagerung ist.

Kan: “…wie wenn Sie einen großen Krieg verlieren”

Naoto Kan - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftZur Zeit des Super-GAU von Fukushima war Naoto Kan Premierminister – heute erinnert er sich an den 11.03.2011 so: ” Nach dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami kam zuerst die Meldung, alle Atomkraftwerke hätten sich routinemäßig abgeschaltet. Doch dann hieß es plötzlich: In Fukushima Daichi ist die Kühlung ausgefallen.” Da habe der studierte Ingenieur gewusst, was das bedeute. Kan war im vergangenen Jahr in Tschernobyl und erfuhr dort, dass die Bewohner in einen Radius von 30 Kilometern nicht mehr zurückkehren dürfen – “wenn Sie in Japan 50 Millionen Menschen evakuieren müssen, dann funktioniert das Land nicht mehr, das ist, wie wenn Sie einen großen Krieg verlieren.”

Folgt: “Ich muss mich schämen”