Wie gelingt das Gemeinschaftswerk?

Vertrauen in die Wissenschaft bricht ein, wenn Versprechen nicht eingehalten werden

Kardel hielt dagegen, dass „wir gegenwärtig eine unglaubliche Begeisterung erleben, so viele PV-Anlagen überall auf den Dächern“. Ob Verbraucher „erziehbar“ seien? „Nur Fakten helfen kaum, gut sind individuelle Handlungsempfehlungen. Wie mit Umverteilungseffekten umgehen? Einkommensschwache Haushalte dürfen nicht stärker belastet werden als andere“.

Noll ergänzte, dass die Leute Energieeffizienz nicht um ihrer selbst willen betrieben – es sei ein Akzeptanzproblem, auch bei energieintensiven Unternehmen; die Ausnahmen seien zwar wegen Wettbewerbsverzerrung gerechtfertigt, verursachten aber auch Fehlanreize, z.B. dass ein Unternehmen deshalb auf  Effizienzmaßnahmen verzichte, weil es danach aus der Ausnahmeregelung herausfalle. Das verstehe keiner.

Die Runde setzte sich auch mit der Beteiligung der Verbraucher am Lastmanagement auseinander. Indem Bürger ihre Nachfrage flexibel auf das Angebot ausrichteten, leisteten sie einen Beitrag zur Stabilisierung des Versorgungssystems. Dies sei jedoch nur möglich, wenn sie ihren Stromverbrauch durch intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, von außen fernsteuern ließen. Im Sommer sei ein Gesetz verabschiedet worden, das den Einbau dieser Stromzähler ab 2017 für Haushalte mit einem bestimmten Energieverbrauch vorschreibe. Johanna Kardel kritisierte unter anderem, dass die Ausstattung mit Smart Metern stets freiwillig erfolgen müsse, um auch die Akzeptanz der Endverbraucher zu gewährleisten. Darüber hinaus bemängelte sie, dass mögliche Stromeinsparungen die Mehrkosten für den Einbau in der Regel nicht ausgleichen würden.

Löschel sah – im Gegensatz zu Gesine Schwan („Energiepolitik ist keine Sozialpolitik“) – Energiepolitik und Sozialpolitik Hand in Hand gehen – die Hälfte der Energiearmen bekomme jedoch gar keine Sozialleistungen. Noll sah in diesem Zusammenhang „kein Informationsdefizit, vielleicht ein Beratungsdefizit.“ Die Energiepreise seien es nicht; Marktbarrieren müssten überwunden werden, „alle zahlen Umlage, aber nur der, der eine Scheune oder ein Dach hat, profitiert“. Laut Dabrock dürfe „nicht der Eindruck entstehen, dass auf Kosten der weniger Bemittelten etwas durchgedrückt wird, das ist für die Akzeptanz sehr wichtig“. Zum Schluss: „Das Vertrauen in die Wissenschaft ist prekär, nur auf Zeit und bedingt, bei Nichterfüllen von groß gegebenen Versprechen, bricht dieses Vertrauen richtig ein.“

Schlussplenum der ESYS-Jahresveranstaltung 2016 in der Berliner Leibniz-Niederlassung - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für SolarifyAm 30.09.2016 fanden vier Fachworkshops statt, in denen künftige Themen des Akademienprojekts weiterentwickelt wurden. Im Fokus standen Infrastrukturen, das Zusammenspiel zentraler und dezentraler Elemente der Energieversorgung, die Verteilung von Kosten und Gewinnen sowie die deutsche Energiewende im internationalen Zusammenhang.

Um den Umbau der Energieversorgung im Rahmen der Energiewende zu unterstützen, haben die Wissenschaftsakademien (Bund und Länder) 2013 bis 2016 die Initiative „Energiesysteme der Zukunft“ gestartet. In dem dreijährigen Projekt haben Wissenschaftler interdisziplinär Herausforderungen der Energiewende analysiert und Lösungsansätze beschrieben. Mit einer zweiten Projektphase setzen die Wissenschaftsakademien ab 2016 die gemeinsame Initiative als ESYS II unter Federführung von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften – fort. In interdisziplinären Arbeitsgruppen erarbeiten rund 100 Experten Handlungsoptionen für den Weg zu einer umweltverträglichen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung.

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