Mit SCR-Katalysatoren gegen NOx

Technische Nachrüstung senkt Diesel-Ausstoß wirksam

Die Nachrüstung mit SCR-Katalysatoren sei “eine wirksame Maßnahme, um den NOx-Ausstoß von Diesel-Pkw effektiv zu senken” und so die NO2-Immissionsgrenzwerte in allen Städten mittelfristig einzuhalten – ist das Umweltbundesamt laut einer Medienmitteilung vom 27.08.2017 überzeugt. Die Nachrüstung von Euro 5-Diesel-Motoren – ausreichend Bauraum vorausgesetzt – ist grundsätzlich technisch möglich. Medienberichte hatten auf einen veralteten Bericht des UBA Bezug genommen.

Einige Medien hatten sich am 27.08.2017 auf einen UBA-Bericht an das BMUB zur „Bewertung zu marktverfügbaren fahrzeugseitigen NOx-Nachrüsttechnologien“ (Link auf aktualisierte Fassung) vom Oktober 2016 bezogen, in dem Nachrüstlösungen ein geringes Potenzial zur NOx-Minderung attestiert wurde. Diesen Bericht erklärte das UBA “aufgrund neuer technischer Möglichkeiten mittlerweile (für) überholt”.

Der veraltete Bericht ging davon aus, dass die Nachrüstung zur NOx-Minderung ausschließlich mit autarken Systemen erfolgt, welche die Nachrüster ohne Unterstützung der Autohersteller einbauen – sie also keinen Zugang zu den Motordaten des Fahrzeugs erhalten würden. Damit könnten nur Speicher-Katalysatoren zum Einsatz kommen und keine SCR-Katalysatoren. Völlig ohne Beteiligung der Autohersteller bringen Speicher-Kats lediglich eine NOx-Minderung von rund 30 %; selbst bei Beteiligung der Autohersteller eine Minderung von nur rund 70 %.

Aufgrund dieser Entwicklungen hatte das BMUB das UBA im Frühjahr 2017 zu einer Neubewertung der Nachrüstmöglichkeiten bei Pkw aufgefordert. Nach aktuellem technischen Stand können – grundsätzlich technisch mögliche – Nachrüstungen mit SCR-Katalysatoren den NOx-Ausstoß von Diesel-Motoren in der Tat entscheidend verringern. Wenn die Hersteller den Einbau einer NOx-Minderungstechnologie unterstützen, dann wäre nun auch der Einbau von SCR-Systemen möglich. Der Prototyp einer SCR-Nachrüstung hat nun gezeigt, dass bei einem Euro-5-Diesel-Pkw das NOx bis zu 95 % verringert werden konnte; sie erfüllte beispielhaft selbst im praktischen Betrieb auf der Straße den auf dem Rollenprüfstand gültigen Euro-6-Grenzwert von 80 mg NOx/km.

Die entscheidende Frage sei nun, wie viele Diesel-Pkw Euro 5 wirklich technisch mit SCR-Anlagen nachrüstbar seien (z. B. aufgrund des Bauraums) und welche NOx-Minderungen im realen Betrieb dauerhaft erbracht werden können. Dies soll die im Nachgang zum Nationalen Forum Diesel errichtete Expertengruppe I aufzeigen.

Kann man mit einer technischen Nachrüstung mit SCR-Katalysatoren die EU-Luftqualitätsgrenzwerte für Stickstoffdioxid einhalten?

Der Bericht von Juni 2017 zeige weiter: “Bei einer hohen Flottendurchdringung und einer hohen Minderungswirkung würde die Nachrüstung mit SCR-Katalysatoren einen großen Teil der Lücke schließen, die nach Software-Updates und Umtauschprämie zur Erreichung des EU-Luftqualitätsgrenzwertes für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt besteht. Für die meisten Städte würde der Grenzwert bereits erreicht, für die besonders hoch belasteten Standorte müssten weitere Maßnahmen hinzukommen, die in den drei weiteren, beim Nationalen Forum Diesel beschlossenen Expertengruppen derzeit erarbeitet werden.”

UBA: Fahrverbote unter bestimmten Voraussetzungen dennoch nötig

In seinem Bericht von Juni 2017 nimmt das UBA an, dass bei einer Flottendurchdringung von 80 Prozent etwa 50 Prozent NOx-Minderung erreicht werden, und hält unter dieser Annahme Fahrverbote ergänzend für nötig. Es liege daher in der Hand der Automobilhersteller, eine höhere NOx-Minderung zu erreichen, damit Fahrverbote unnötig würden. Nicht berücksichtigt sei bei diesen Berechnungen zudem, dass auch in anderen Bereichen wie der Modernisierung von Taxi-, Bus- oder kommunalen Flotten oder bei der Verkehrslenkung Fortschritte erzielt werden könnten, die ebenfalls dazu führen sollten, die Stickstoffdioxid-Belastung zu senken und Fahrverbote zu vermeiden.

->Quellen: