E-Mobilität und Netzüberlastung

Verbände beruhigen

Noch ist die Zahl der Elektroautos auf Deutschlands Straßen mehr als überschaubar, die Auswirkungen auf die Stromnetze entsprechend gering. Diese seien jedoch auf Massen von E-Autos gar nicht vorbereitet, meldete am 19.08.2017 das Handelsblatt. Ausgerechnet in den Autoländern Bayern und Baden-Württemberg könne es eng werden. Dem widersprachen jetzt die Bundesverbände Elektromobilität (BEM) und Windenergie (BWE) – flächendeckende Ausbreitung elektrifizierter Autoshabe  keine Folgen für die Versorgungssicherheit.

So hielt BEM-Präsident Kurt Sigl die gleichzeitige Aufladung mehrerer Millionen E-Fahrzeuge und damit verbundene mögliche Netzüberlastungen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (siehe Die Zeit) für unwahrscheinlich und befürchtete keine Stromversorgungs-Engpässe. Laut Sigl würden die Akkus immer leistungsfähiger. Viele Autos stünden zudem den Großteil ihrer Lebensdauer still – es müsse eher Standzeug als Fahrzeug heißen, denn das durchschnittliche Auto fahre laut KBA ganze 14.000 Kilometer im Jahr, knapp 40 Kilometer oder eine Stunde Fahrzeit am Tag. Wenn ein Auto 23 Stunden am Tag stehe, lasse das viel Zeit zum Laden.

Aber Handelsblatt und Focus blieben skeptisch: Bayern und Baden-Württemberg wollten zwar Vorreiter bei der Elektromobilität sein, und die dortigen Autohersteller investierten Milliarden in die Entwicklung von Elektroautos. Aber die Energiewende habe eine für die süddeutschen Unternehmen unerfreuliche Konsequenz: Laut dem aktuellen Netzentwicklungsplan würden sie künftig zwischen einem Viertel und der Hälfte des Strombedarfs importieren müssen. In Norddeutschland könne dagegen die Stromproduktion die Nachfrage um mehr als das Doppelte übersteigen.

Focus meldete zwar die Beruhigungsargumente der Verbände – es bestünden aber besonders im süddeutschen Raum Zweifel, ob die künftige Versorgung die immense Nachfrage nach Strom in Zukunft noch erfüllen kann. Unter anderem sei mit der für Ende 2022 geplanten Abschaltung des letzten verbleibenden Atommeilers eine Verknappung des Stromangebotes zu erwarten. Die Verbände der Energie- und Wasserwirtschaft rechnen steigendem Strombedarf in den kommenden Jahrendurch elektrisch betriebene Wärmepumpen und die Elektromobilität. Problematisch sei, wenn im Extremfall alle Elektroautos gleichzeitig laden, würde das die Kapazitäten sprengen. Zudem stoße der höhere Strombedarf eine sinkende Stromproduktion – unter anderem aufgrund des Atomausstiegs. Die HGÜ-Trassen von Norddeutschland nach Süden würden wahrscheinlich erst ab 2025 fertig.

1 Mio. E-Autos erhöht Strombedarf um 0,5 Prozent

Raimund Kamm, bayerischer Landesvorsitzender des Windenergieverbands, beruhigte: Ein E-Auto brauche für 100 Kilometer im Schnitt 17 kWh – aufs ganze Jahr gerechnet wären das bei 14.000 Kilometern 2.400 kWh. Das ließe sich leicht mit einer PV-Anlage von 18 Quadratmetern Fläche “auf einem Garagendach” erzeugen. Ein modernes Windrad erzeuge sogar in bayerischen “Leichtwindgebieten” ausreichend Strom für knapp 4.000 Elektroautos. Eine Million Elektroautos würden den Stromverbrauch in Deutschland lediglich um ein halbes Prozent erhöhen.

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