Bioethanol senkt Feinstaub

Studie der TU Wien

Laut einer Medienmitteilung der TU Wien haben Forscher nachgewiesen, dass die Beimischung von Bioethanol in Benzinmotoren nicht nur die CO2-Bilanz, sondern auch den Ausstoß von Feinstaub verringern würde . Eine Erhöhung des Anteils von 5 auf 10 Prozent könnte die Feinstaubwerte bis 23 Prozent senken. Die Forscher vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik untersuchten den Einfluss verschieden hoher Alkohol-Anteile im Benzin auf den CO2– und Partikelausstoß benzinbetriebener Pkw.

Fünf Prozent Bioethanol werden in Österreich dem gewöhnlichen Benzin fossilen Ursprungs beigemischt, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Nachdem Bioethanol lediglich denjenigen Kohlenstoff enthält, der zuvor von den verarbeiteten Pflanzen aus der Luft aufgenommen wurde, ist seine Verbrennung – vom Feld bis zum Abgas gerechnet – praktisch CO2-neutral (wenn man seinen Transport außer acht lässt).

Bei den Messungen, die am Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien von Marcus Szikora unter der Leitung von Prof. Bernhard Geringer durchgeführt wurden, ging es aber nicht ausschließlich um die CO2-Gesamtbilanz, sondern darüber hinaus um die Feinstaub-Emissionen. Konkret wurden unterschiedliche Kraftstoffmischungen (mit 5, 10 und 20 Prozent Bioethanol-Anteil) in drei verschiedenen  benzinbetriebenen Fahrzeugen (einem PlugIn-Hybridfahrzeug und zwei PKW mit konventionellem Antriebsstrang) getestet. Gemessen wurde sowohl an einem Rollenprüfstand der TU Wien als auch im realen Straßenverkehr („Onroad“). Für die Onroad-Tests wurden die Fahrzeuge mit einem speziellen, hochmodernen mobilen Abgasmesssystem (Foto) ausgestattet.

Die Ergebnisse hinsichtlich der Feinstaub-Emissionen waren beeindruckend: Im Vergleich zum gewöhnlichen Benzin mit 5 Prozent Bioethanol-Anteil könne der Partikelausstoß bei Steigerung auf 10 Prozent Bioethanol um bis zu 23 Prozent gesenkt werden, bei einer Beimischung von 20 Prozent Bioethanol sogar bis 61 Prozent. Das gelte auch für ältere Fahrzeuge.  „Das Ausmaß dieser Reduktion ist bemerkenswert – sowohl am Rollenprüfstand als auch bei den Messungen im realen Straßenverkehr konnten wir eine CO2– und eine markante Partikelanzahl-Emissionssenkung feststellen. Positiv anzumerken ist auch, dass eine solche Maßnahme der Beimischung alle Fahrzeuge, also auch die bestehende Flotte, positiv beeinflussen würde “ so Prof. Geringer.

Zu den CO2-Effekten ergänzt Studienautor Marcus Szikora: „Ethanol hat  eine hinsichtlich motorischer Verbrennung günstigere chemische Zusammensetzung als herkömmlicher Kraftstoff. Das führt zu einer  besseren Verbrennung und  geringeren CO2-Emissionen.“ Je höher die Ethanol-Beimischung, umso geringer der CO2-Ausstoß. „Bioethanol sorgt also nicht nur für eine bessere CO2-Gesamtbilanz, sondern auch tatsächlich für messbar weniger CO2-Ausstoß, das sind zwei voneinander unabhängige Effekte.“

AGRANA mit einziger Bioethanolerzeugung in Österreich

Das Zucker-, Stärke-, und Fruchtunternehmen AGRANA betreibt in Pischelsdorf (NÖ) Österreichs einzige Bioethanolanlage. Jährlich werden dort aus 600.000 t Getreide, die ausschließlich aus dem Stärkeanteil von Futtergetreide-Überschüssen stammen, bis zu 240.000 m³ Bioethanol hergestellt. Das Werk produziert auf Volllast – eine Hälfte der Produktion ist für die E5 Beimischung, die andere Hälfte wird exportiert. „AGRANA leistet mit ihrer Bioethanolerzeugung einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der österreichischen Klimabilanz. Ökologisch bedeutet die E5 Beimischung schon jetzt eine Treibhausgasreduktion von 190.000 t im österreichischen Straßenverkehr. Wie die Untersuchungen der TU Wien zeigten, verbessert Bioethanol aber nicht nur die CO2-Bilanz, auch der Ausstoß von Feinstaub-Partikeln lässt sich damit drastisch reduzieren“, betont AGRANA-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart, „Feinstaub kann einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit haben, und der Straßenverkehr gilt mit etwa 15 Prozent Anteil als einer der Feinstaub-Verursacher. In Österreich zeigen die Feinstaubwerte in der Luft laut Umweltbundesamt erfreulicherweise eine leichte Abwärtsentwicklung. Eine höhere Beimischung von Bioethanol zu Benzin könnte diesen Trend verstärken“, so Marihart abschließend.

->Quelle: tuwien.ac.at/article/124887