Uniper baut neues Gaskraftwerk

Verbindliche Ziele für Erneuerbares und dekarbonisiertes Gas gefordert

Im Zuge der Energiewende werden weiterhin Gaskraftwerke gebraucht. Der Düsseldorfer E.ON-Ableger Uniper kündigte jetzt „etwas überraschend“ – wie am 09.01.2018 auf pv magazine schreibt – den Bau eines neuen 300-MW-Gaskraftwerks im bayerischen Irsching (bei Ingolstadt) an, der erste Neubau seit 2011 soll als „Sicherheitspuffer“ für die Netzstabilisierung dienen. Netzbetreiber TenneT hat den Zuschlag erteilt. Eurogas fordert inzwischen, im anstehenden EU-Gaspaket verbindliche Ziele für erneuerbares und dekarbonisiertes Gas festzuschreiben.

Gaslager Berlin-Spandau – Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

In den vergangenen Jahren sind viele Gaskraftwerke in Deutschland stillgelegt oder in die Reserve überführt worden, da sie nicht wirtschaftlich zu betreiben waren. Nun hat die Uniper SE vom Übertragungsnetzbetreiber TenneT – wie dieser am 09.01.2018 bekannt gab – den Zuschlag „für die Errichtung und den Betrieb eines sogenannten besonderen netztechnischen Betriebsmittels“*) erhalten. Uniper wird das Kraftwerk bauen und betreiben. Das Kraftwerk soll ab dem 01.10.2022 in besonderen Notsituationen als „Sicherheitspuffer“ der Stromversorgung dienen. Als sogenanntes „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ wird es nicht dem Markt zur Verfügung stehen, sondern kurzfristig einspringen, wenn die Systemsicherheit gefährdet ist. Der Gesetzgeber verfolgt damit das Ziel, die Zuverlässigkeit des Stromversorgungssystems auch künftig zu gewährleisten.

*) TenneT hat gemeinsam mit den Übertragungsnetzbetreibern Amprion und TransnetBW ab Ende Juni 2018 die besonderen netztechnischen Betriebsmittel (nach §11 Abs. 3 EnWG) im Umfang von insgesamt 1.200 Megawatt technologieoffen europaweit ausgeschrieben. Die Ausschreibung erstreckt sich über vier Regionen im Süden Deutschlands, in den jeweils 300 Megawatt Kapazität vergeben werden. Als erster Übertragungsnetzbetreiber hat TenneT nun für die Region südliches Bayern (Losgruppe D) den Zuschlag erteilt.

Uniper-COO Eckhardt Rümmler: „Ich freue mich, dass Uniper den Zuschlag in der Ausschreibung für ein ‚besonderes netztechnisches Betriebsmittel‘ zur Sicherung der Stromversorgung erhalten hat. Hierfür werden wir ein neues Gaskraftwerk errichten und betreiben. Gaskraftwerke sind aufgrund ihrer hohen Flexibilität ideal, um den zunehmenden Anteil an nicht steuerbarer Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen. Sie sollten daher eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, dass Deutschland seine ehrgeizigen Klimaziele erreicht, ohne übermäßige Risiken bei der Stromversorgung von Industrie und Haushalten einzugehen. Mit den zu erwartenden stabilen Ergebnisbeiträgen ist dieses Projekt ein weiterer Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie, den Anteil der nicht vom Großhandelsmarkt abhängigen Erlöse deutlich zu steigern.“

Am Standort Irsching betreibt Uniper bereits fünf Kraftwerksblöcke. Das Kraftwerk Ulrich Hartmann (4,561 MW) ging 2011 in Betrieb und ist mit einem Wirkungsgrad von 60,4 Prozent eine der effizientesten GuD-Anlagen weltweit. Block 5 (ebenfalls GuD, 846 MW) wurde 2010 in Betrieb genommen und ist mit einem Wirkungsgrad von 59,7 Prozent ebenfalls eine der modernsten GuD-Anlagen. Neben Uniper mit 50,2 Prozent der Anteile sind N-ERGIE (mit 25,2 Prozent), Mainova (15,6) und ENTEGA (9) an Irsching 5 beteiligt.

Irsching 4 und 5 werden akutell im Rahmen der sogenannten Netzreserveverordnung betrieben. Sie kommen ausschließlich dann zum Einsatz, wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Netzes gebraucht wird. Der ölbefeuerte Block 3 (415 MW) sollte bereits 2012 endgültig stillgelegt werden. Aufgrund der Netzsituation in Süddeutschland wird die Anlage seitdem als Reserve für den Netzbetreiber TenneT vorgehalten.

Eurogas fordert verbindliche Ziele für erneuerbares und dekarbonisiertes Gas

„Das EU-Winterpaket ist noch nicht ganz durch die Tür, da laufen in Brüssel bereits die Debatten über das anstehende Gaspaket an“ (Enkhardt). Für James Watson, bis Ende des Jahres noch CEO von Solarpower Europe, war dies ein Auslöser, den Sektor zu wechseln. Als neuer Generalsekretär des Verbands Eurogas forderte er in seinem ersten offiziellen Statement, verbindliche Ziele für erneuerbares und dekarbonisiertes Gas im neuen EU-Gesetzespaket. „Das Ziel sollte sich auf das bestehende EU-Ziel für erneuerbare Energien stützen und würde der EU helfen, einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien zu niedrigeren Kosten zu erreichen“, erklärte Watson.

Gas habe bereits schnelle Erfolge für Energiewende gebracht. Auch die Ergebnisse einer aktuellen Eurogas-Studie von Primes zeigten, dass eine Umstellung der Stromversorgung von Kohle- auf Gaskraftwerke in der EU dazu führen würde, dass das CO2-Einsparziel 2030 von 40 Prozent um fünf Prozent übertroffen werden könnte. „Gas ist unerlässlich, um hohe Dekarbonisierungsziele zu erreichen, und kann die Energiewende vorantreiben, indem es die Vorteile von Strom und Gas durch Sektorkopplung kombiniert“, so Watson weiter.

Eurogas sieht überdies in CCS (carbon capture and storage) eine Schlüsseltechnologie für eine CO2-arme Wirtschaft. In Deutschland ist diese Technologie äußert umstritten und bislang nie über das Teststadium hinausgekommen – wird zudem vielfach durch CCU (carbon capture and utilization) für überholt erachtet.

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