Amprion und OGE starten Sektorenkopplung auf Systemebene

100-Megawatt Power-to-Gas-Projekt

Mit ihrem Power-to-Gas-Projekt „hybridge“ wollen Amprion und Open Grid Europe (OGE) gleichlautenden Medienmitteilungen zufolge die Sektorenkopplung auf Systemebene starten. In hybridge soll ein Elektrolyseur in der 100-Megawatt-Klasse erreichtet und eine Wasserstoffinfrastruktur im Landkreis Emsland aufgebaut werden. „Wir sind mit der Planung so weit, dass wir in die Genehmigungsphase eintreten können“, sagte Thomas Hüwener (Foto li.), Mitglied der Geschäftsführung von OGE, bei der Vorstellung des Projekts am 11.02.2019 in Berlin.

Die Projektpartner schätzen die Kosten auf rund 150 Millionen Euro. Derzeit warteten sie aber noch auf grünes Licht aus der Politik. Dies müsse schnell kommen, damit die Sektorenkopplung auf Systemebene einen Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele leisten könne, so Hüwener weiter. Auch angesichts des von der Kommission vorgeschlagenen Kohleausstiegs bis 2038 sei das Projekt von enormer Bedeutung. „Die deutschen Klimaziele, der Ausstieg aus der Kernkraft und der sich abzeichnende Kohleausstieg bedeuten eine enorme Herausforderung für unser Energiesystem“, erklärte Klaus Kleinekorte, technischer Geschäftsführer von Amprion. „Wir müssen daher jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit uns Power-to-Gas nach 2030 im Gigawatt-Maßstab zur Verfügung steht und Sektorenkopplung auf Systemebene möglich wird.“ Wenn die regulatorischen Vorgaben für die Umsetzung des Projekts jetzt gestellt würden, könne die geplante Anlage 2023 in Betrieb gehen, so Kleinekorte.

Landkreis Emsland ideale Pilotregion

Den idealen Standort für die erste Power-to-Gas-Anlage in dieser Größenordnung haben die Projektpartner im Landkreis Emsland gefunden – an einem Schnittpunkt zwischen dem Amprion- und dem OGE-Netz. Dort wollen sie neben dem Elektrolyseur in der 100-MW-Klasse eine bestehende OGE-Pipeline für den ausschließlichen Transport von Wasserstoff weiterentwickeln.

Hüwener erläuterte: “In Lingen haben wir optimale Voraussetzungen, um ein Wasserstoffnetz aufzubauen. Der Wasserstoff kann von Unternehmen direkt genutzt werden. Außerdem befindet sich eine Wasserstofftank- und -verladestation in der Region.” Die Projektpartner führten zum Vorhaben bereits einen konstruktiven Dialog mit der Stadt Lingen und dem Landkreis Emsland. Hüwener weiter: “Auch die in der Region vorhandenen Erdgasspeicher können perspektivisch auf Wasserstoff umgewidmet werden. Ein Teil des bestehenden Gasnetzes kann zudem für den ausschließlichen Transport von Wasserstoff genutzt werden. Zukünftig werden weitere Teile der Gasinfrastruktur für den Transport von Wasserstoff ins Ruhrgebiet und darüber hinaus umgewidmet. Außerdem können wir Wasserstoff in geringen Mengen zumischen oder nach Umwandlung in Methan direkt in das Erdgasnetz einspeisen.”

Marktteilnehmer können Infrastruktur diskriminierungsfrei nutzen

Amprion und OGE wollen die geplante Infrastruktur zur Kopplung des Strom- und Gasnetzes allen Marktteilnehmern diskriminierungsfrei (“Third Party Access”) zur Verfügung stellen. Die transportierte Energie sei dabei zu keiner Zeit Eigentum der Netzbetreiber, heißt es weiter. Die begrenzte „Brückenkapazität“ zwischen Strom- und Gasinfrastruktur wollen die Projektpartner Händlern oder Direktabnehmern in Auktionen anbieten. Die Auktionserlöse würden den Kosten gegengerechnet und entlasteten somit den Netzkunden. Dieses Prinzip ist bei grenzüberschreitenden Kuppelleitungen im Stromsystem und in Gastransportkapazitäten seit Jahren europaweit etabliert.

“Wir wollen diese Technologie für die deutsche Volkswirtschaft erfolgreich im großtechnischen Maßstab realisieren. Dafür haben wir alles, was wir brauchen: ein technisches Konzept, einen geeigneten Standort und die Nutzungsmöglichkeiten für den Wasserstoff. Wir können anfangen”, sagte Hüwener. “Wir brauchen nun die regulatorische Möglichkeit, das Projekt umzusetzen. Hier ist nun die Politik am Zug. Wenn die Weichen jetzt gestellt werden, kann die Anlage 2023 bereits in Betrieb gehen”, betonte Kleinekorte.

Die Amprion GmbH betreibt in Deutschland ein 11.000 Kilometer langes Übertragungsnetz mit den Spannungsstufen 220 und 380 Kilovolt. In unserem Netzgebiet, das von Niedersachsen bis zu den Alpen reicht, leben mehr als 29 Millionen Menschen. Bei Amprion sind rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Open Grid Europe ist einer der führenden Fernleitungsnetzbetreiber in Europa mit einem Leitungsnetz von rund 12.000 Kilometern. 1.450 Mitarbeiter sorgen bundesweit für einen sicheren und kundenorientierten Gastransport.

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