2020 wird definitiv nicht erreicht – 2050 offen

Deutschland verfehlt Klimaschutzziel ein bisschen weniger als gefürchtet

Am 06.02.2019 billigte das Bundeskabinett den von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgelegten Klimaschutzbericht 2018, demzufolge Deutschland 2020 trotz zusätzlicher Maßnahmen nur 32 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 in die Atmosphäre pusten würde (siehe: solarify.eu/klimaziel-klassenprimus-muss-nachsitzen). Nach dem am 15.09.2019 vom Bundesumweltministerium veröffentlichten neuen Projektionsbericht 2019 sollen es aktualisiert  Prozent sein – etwas (aber kaum spielentscheidend) mehr als 2018. Geplant und vollmundig überall herumposaunt hatte der abgestürzte Klimavorreiter Deutschland 40 Prozent. Bis zum Koalitionsvertrag 2018.

Vor allem in den nicht dem europäischen Emissionshandel (EU-ETS) unterliegenden Bereichen – also Verkehr und Wärme – werden bei weitem weder die nationalen Ziele noch die europäischen Vorgaben erreicht. Für 2030 ist die Klimaschutzlücke ebenfalls ein klein wenig dünner geworden Von 41,2 befürchteten Prozent werden jetzt 41,7 Prozent erwartet – ein halber Prozentpunkt mehr. Allerdings: An der Riesen-Lücke zum deutschen Klimaschutzziel von Minus 55 Prozent, das von der Regierungskoalition stets bekräftigt wird, hat sich kaum etwas geändert.

Auszüge aus dem 232 Seiten starken Projektionsbericht 2019

Vorbemerkung des BMU: “Für den deutschen Projektionsbericht 2019 hat ein Forschungskonsortium im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) Szenarien für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland für den Zeitraum 2005 bis 2035 erarbeitet. In einem Mit-Maßnahmen-Szenario (MMS) sind alle bis zum 31. August 2018 in den verschiedenen Sektoren neu eingeführten oder maßgeblich geänderten klima- und energiepolitischen Maßnahmen enthalten, im Wesentlichen also die bisher umgesetzten Maßnahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 und des Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz vom Dezember 2014. Auf ein Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario (MWMS) wurde in diesem Bericht verzichtet, da das erste Maßnahmenprogramm 2030 noch nicht erstellt ist und dieses ebenjene weiteren Maßnahmen enthalten wird.Die Bundesregierung macht sich die Ergebnisse der Szenarien für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland nicht zu eigen, bezieht allerdings die Forschungsergebnisse in ihre künftigen Überlegungen mit ein.” (bmu.de/projektionsbericht-der-bundesregierung-2019)”

“Für die gesamten Treibhausgasemissionen (ohne Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft und ohne internationalen Luft- und Seeverkehr) ergibt sich für den Zeitraum 2005 bis 2020 eine Minderung um 158 Mt CO2e bzw. 16 %. Bis 2030 beträgt die Minderung ggü. 2005 etwa 263 Mt CO2e bzw. 26 % und bis 2035 etwa 296 Mt CO2e bzw. 30 %. Im Vergleich zu 1990 entspricht dies bis 2020 einer Minderung um 33 %, bis 2030 einer Minderung um etwa 42 % und bis 2035 um gut 44 %. Betrachtet man zusätzlich die im Bericht analysierten Sensitivitäten, ergibt sich eine Emissionsminderung in 2020 (2030) von bis zu 34,3 % (43,6 %) im Vergleich zu 1990 (in der Berechnung mit schwächerem Wirtschaftswachstum).

Hinzuweisen ist jedoch auch darauf, dass die beschriebenen Emissionstrends die Entwicklungen im internationalen Flugverkehr (und in geringerem Umfang auch der Hochseeschifffahrt) ausklammern. Insbesondere die sehr dynamische Entwicklung im internationalen Luftverkehr führt dazu, dass die entsprechenden Treibhausgasemissionen von 2005 bis 2020 (2030) um fast 7 (11) Mt CO2e wachsen, dies entspricht einem Zuwachs von ca. 23 % (37 %).

Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen nach Quellbereichen (1990–2035): Bei den Zukunfts-Aussichten ist es zu deutlichen Verschiebungen zwischen den Sektoren gekommen. Wurden zum Beispiel für die Energiewirtschaft für 2030 ehemals 268 Mio t an Emissionen vorhergesagt, liegt die Projektion inzwischen bei 255. Der Verkehr hingegen legt deutlich zu: Statt 150 Mio t CO2-Ausstoß erhält er nun 160 zugerechnet, kaum weniger als heute.

Die energiebedingten Treibhausgasemissionen werden wesentlich bestimmt durch die CO2– Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger in der Energiewirtschaft und den Endverbrauchssektoren Industrie, Haushalte, Verkehr, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sowie die flüchtigen CH4-Emissionen aus dem Kohlenbergbau sowie der Öl- und Gaswirtschaft. Die Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung (Energiesektor, Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Haushalte und Verkehr einschließlich internationalem Luft- und Seeverkehr) sinken im Zeitraum 2005 bis 2020 um 111 Mt CO22e, bis 2030 um 194 Mt CO2e und bis 2035 um 227 Mt CO2e. Dies entspricht einer Minderung von etwa 13 % bzw. 23 % bzw. 27 % gegenüber 2005 und einer Minderung von 28 % bzw. 36 % bzw. 39 % gegenüber 1990.

Etwa 44 % dieser Emissionsminderung wird dabei 2035 von den Endverbrauchssektoren (ohne internationalen Verkehr) erbracht, wobei durch Sanierungsmaßnahmen und durch die Abnahme des Anteils an Heizölkesseln erhebliche Minderungen in den Haushalten (allein etwa 63 Mt CO2e gegenüber 2005) erreicht werden. Dem stehen geringere absolute Emissionsänderungen in den Bereichen Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und nationaler Verkehr gegenüber (Absenkung zusammen um ca. 42 Mt CO2e von 2005 bis 2035). Der gesamte Beitrag der Energiewirtschaft (ohne Industriekraftwerke) zur Emissionsminderung bei den Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung beträgt für den genannten Zeitraum ca. 56 %. Diese Emissionsreduktion in der Energiewirtschaft ist in erster Linie auf den Rückgang der Kohleverstromung zurückzuführen.

Die diffusen Emissionen aus dem Kohlenbergbau und der Öl- und Gaswirtschaft gehen von 2005 bis 2035 um 61 % zurück. Diese Entwicklung resultiert vor allem aus der Beendigung des Steinkohlenbergbaus in Deutschland. Insgesamt ergibt sich für die energiebedingten Treibhausgasemissionen (verbrennungsbedingte Emissionen, einschließlich internationalem Verkehr, und diffuse Emissionen aus Brennstoffen) im Zeitraum 2005 bis 2035 eine Reduktion von 246 Mt CO2e bzw. 30 %. Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen aus Industrieprozessen wird für Deutschland vor allem durch die Entwicklung der CO2-Emissionen aus der Stahl- und Zementproduktion sowie der N2O-Emissionen aus der chemischen Industrie geprägt. Neben den prozessbedingten CO2– und N2O-Emissionen spielen auch die Emissionen fluorierter Treibhausgase aus Industrieprozessen und der Produktverwendung eine wichtige Rolle. Hier ergeben sich gegenüber 2005 bis 2035 Emissionsreduktionen in Höhe von 32 Mt CO2e bzw. 42 %.”

Im Klimaschutzbericht 2018 hieß es noch: “Zurzeit wird der Projektionsbericht 2019 vorbereitet, dieser soll im März 2019 erscheinen.” Wir haben Mai…

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