Keine Energiewende ohne Katalyse

Politik macht keine klare Ansage

Robert Schlögl in ARD-(BR)-Alpha – Screenshot © ARD-BR-FS, Agentur Zukunft

Die Chemiker haben so etwas herausgefunden – wir können das, auch zu einigermaßen günstigen Preisen, und wir können es auch, ohne Stoffe dabei zu verwenden, die entweder fürchterlich giftig sind, oder von denen es zu wenig auf dieser Erde gibt. Diese Probleme werden zwar häufig in der Diskussion angeführt, aber ich darf Ihnen sagen, wenn man es genau betrachtet, stimmt das nicht. Wir können die alle umgehen.

Dann erhebt sich die interessante Frage: Warum machen wir das eigentlich nicht? Dafür gibt es mehrere Gründe: Der eine ist, dass wir ein so großes System natürlich noch nie gebaut haben. Wir haben das bisher alles nur auf dem Papier gemacht. Und wir kennen zwar alle die Schritte, die ich Ihnen erwähnt habe, die können Sie als Fabriken kaufen. Aber es hat noch nie einer so ein System zusammengebaut, und wir müssen davon ausgehen, wenn man das verschaltet in einem System, werden Probleme auftreten, die wir heute noch gar nicht kennen.

Deswegen ist es keine schlechte Idee, sich auch in der Grundlagenforschung damit zu beschäftigen, was denn alles für Probleme entstehen würden, wenn man so ein System baut. Das ist ein wesentlicher Teil der Arbeit, die wir machen. Da muss man sich natürlich überlegen: Alle diese einzelnen Komponenten, die wir bisher haben, sind noch lange nicht ausgereift, weil sie noch nie auf Effizienz getrimmt wurden. Da kann man an jedem dieser einzelnen Schritte noch Verbesserungen anbringen. Heißt aber nicht: das machen wir erst in 50 Jahren. Wir sind heute in der Lage, wenn Sie mir den Startschuss geben, baue ich Ihnen in drei Jahren für ein Million Tonnen so eine Fabrik hin. Das können wir.

Somit bleibt die letzte Frage, die ich mit Ihnen noch zu diskutieren habe: Warum tun wir es dann nicht? Das muss ich jetzt leider an die Politik weitergeben. Wir tun es deswegen nicht, weil die Politik uns keine klare Ansage macht. Die Ansage muss nicht heißen: Wir fördern die Erneuerbaren Energien, sondern: Wir nehmen endlich die fossilen Energieträger aus dem System raus. Ein Ziel – eine Maßnahme! Alles andere weg! Damit kein Mikromanagement existiert, und damit auch endlich Technologieoffenheit eintritt, und damit wir endlich ‘freedom to operate’ haben. Wir wissen, wie man das macht, aber wir dürfen es nicht, weil alle möglichen Gesetze diese oder jene Schritte verhindern. Das ist wirklich schlecht.

Und das zweite, das natürlich in der Politik noch nicht gut genug gelöst ist, ist die Tatsache, dass wir nicht immer nur an uns denken dürfen, sondern dass die Regeln für die ganze Welt gelten müssen. Denn es hilft nichts, wenn die Deutschen eine Energiewende machen und wir Probleme mit Handel, WTO-Beschränkungen und sonstwas bekommen, weil wir diese Energie aus dem Ausland importieren wollen. Es wäre eine Super-Idee, wenn wir das als europäische Gemeinschaft machen würden, das wäre supergut: eine europäische Energie-Union, das wäre doch mal etwas!

Und das Letzte, das man noch bedenken muss: Das Ganze muss langfristig stabil sein in den regulatorischen Bedingungen. Denn der Staat kann das nicht bezahlen. Die Kosten, die dadurch entstehen, müssen alle wir Verbraucher bezahlen. Und wir Verbraucher bezahlen es nur, wenn die Industrie investiert, und die investiert nur, wenn sie sich darauf verlassen kann, dass sie Gewinn macht. So funktioniert Marktwirtschaft. Und es ist ausgeschlossen, dass man das auf einem anderen Weg erreichen kann, denn wir reden hier von Tausenden von Milliarden Euro Investment.

Jetzt habe ich Ihnen erklärt, wie so ein Plan ausschauen könnte. Der hat zwei Komponenten: Das heutige Energiesystem, das wir schon kennen, und die Windräder – und das neue Energiesystem, die chemischen Batterien mit den grünen Brennstoffen. Wenn man beides miteinander kombiniert, können wir ganz locker die Energiewende hinkriegen. Da ist keine Hexerei dabei. Man müsste es nur wollen.

[An die Zuhörer:] Das ist Ihre Aufgabe. Sorgen Sie doch vielleicht dafür, dass Ihre Politiker wissen, dass es das gibt, und dass sie dann vielleicht auch ein bisschen Anschub leisten.”

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