In Costa Rica warnen Insektenforscher eindringlich vor einem beispiellosen Rückgang von Insekten, der sich sogar in streng geschützten Naturreservaten zeigt. Die Insektenvielfalt ist seit den späten 1970er Jahren kontinuierlich zurückgegangen und der Rückgang nimmt derzeit rapide zu.

Schmetterlinge wie dieser sind in Costa Ricas Regenwäldern seltener geworden. Selbst in Schutzgebieten nimmt die Insektenvielfalt drastisch ab l Foto: TMF-ASSO
Die Forschenden Janzen und Hallwachs dokumentieren seit 1978 mit Lichtfallen die Vielfalt nachtaktiver Falter im Naturschutzgebiet in Costa Rica(„Área de Conservación Guanacaste“, kurz: ACG). Fotos von 1984, 1995, 2007 und 2019 zeigen denselben Standort zur gleichen Jahres- und Mondphase, jedoch eine dramatische Abnahme der Arten.
In den 1980er Jahren bedeckten tausende Falter das weiße Beobachtungstuch. Heute sind nur noch wenige übrig. Laut den Forschern habe in den ACG-Wäldern die Biomasse aller Insekten abgenommen. Selbst im Naturschutzgebiet sinke die Populationsdichte, obwohl dort keine Pestizide eingesetzt werden.
Untersuchungen in ähnlichen Schutzgebieten bestätigen diese Entwicklung. So seien in Deutschland in 63 ausgewiesenen Insektenreservaten die fliegenden Insekten um rund 75 Prozent zurückgegangen und in den USA hätten die Käferpopulationen zwischen 1975 und 2020 um 83 Prozent abgenommen. Selbst in renaturierten Gebieten und trotz jahrzehntelanger Wiederaufforstung zeigt sich ein kontinuierlicher Rückgang. Laut Studie treibt der Klimawandel diese Verluste. Vergleichswerte belegen, dass die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 32 °C in der Region um das ACG von 116 im Jahr 1963 auf 193 im Jahr 2018 gestiegen ist. Zugleich hat sich die Trockenzeit von vier auf über sechs Monate verlängert, während die Regenmengen und Niederschlagszeiten unregelmäßiger geworden sind.
Ein trauriges Beispiel ist die Raupe der Manduca dilucida. Sie legt aufgrund der herrschenden klimatischen Bedingungen im späten Sommer ihre Eier oft schon nach kurzen Abkühlungen. Abkühlungen sind eigentlich das Signal für die kommende Regenzeit, doch aufgrund der zusätzlichen Hitze-Tage können diese Eier die ausgedehnte, heiße Periode nicht überleben. Zusätzliche einfache Trockenphasen führen laut Experten zu massenhaftem Insektensterben, da Insekten kaum Wasser speichern können. Auch das Empfinden von Temperatur- und Feuchtigkeitshinweisen für Entwicklung, Verpuppung und Migration ist gestört. In den Bergwäldern drängen wärmere Luftmassen die Wolkenschicht höher, sodass kühlende Feuchtigkeit ausbleibt. Arten, die sich an diese kühl-feuchten Klimabedingungen angepasst haben, finden heute keine geeigneten Bedingungen mehr.
Der bisherige Fokus auf reine Gebietsschutz-Ansätze genügt nicht, wenn sich die Lebensräume selbst unter Schutz weiter erwärmen und austrocknen. Stattdessen müsse für den Erhalt der biologischen Vielfalt in eine umfassende „grüne Transformation“ eingebettet werden. Ein zentrales Projekt dafür ist BioAlfa, ein staatlich gefördertes Programm, das sämtliche Arten Costa Ricas mittels DNA-Barcoding erfassen will. Das Ziel besteht darin, das Wissen über die lokale Biodiversität in die Gesellschaft zu tragen und eine „Bioliteracy“ zu fördern.
Zudem soll eine nachhaltige Nutzung von Lebensräumen etabliert werden, die nicht nur auf Schutz, sondern auch auf Anpassung an den Klimawandel setzt. Dies erfordert die Zusammenarbeit von Gemeinden, Forstwirt:innen, Landwirt:innen und politischen Entscheidungsträger:innen, um zu definieren, wie Wälder bewirtschaftet, Wasserressourcen genutzt und landwirtschaftliche Flächen gemanagt werden. Die Auswirkungen des Klimawandels durchzieht alle möglichen Sektoren und Gegenden. Die Insektenvielfalt ist nicht zuletzt auch ein Teil von Nahrungsketten und ganzen Ökosystemen, die irreparable Schäden erleiden und ihre Basis verlieren könnten.
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