25,4 Billionen Euro Wertverlust pro Jahr. Die Linearwirtschaft kostet uns 31 Prozent des Welt-BIP. Laut Deloitte Netherlands und Circular Economy ist das kein Betriebsunfall, sondern ihr Funktionsprinzip.

Laut Circularity Gap Report 2026 verschwinden jährlich 10 Billionen Euro, weil Produkte entsorgt werden, obwohl sie noch nutzbar wären. Foto: Nathan Cima
Der Report unterteilt den Verlust in fünf Kategorien. Den mit Abstand größten Anteil hat der Abfall am Ende der Nutzungsphase: Jährlich verschwinden 10 Billionen Euro, weil Produkte weggeworfen werden, obwohl sie noch nutzbar wären – das Smartphone im Schreibtischfach, die Waschmaschine mit dem teuren Lagerschaden oder das Bürogebäude, das abgerissen statt umgebaut wird. Fast ebenso hoch ist der Energieposten mit 8,7 Billionen Euro: Verbrennung, schlechte Dämmung und ineffiziente Anlagen sind die Ursachen. Den Rest teilen sich ungenutztes Anlagevermögen – wie halbleere Büros und parkende Fahrzeuge –, Produktionsverluste und Lebensmittelverschwendung.
„Der größte Teil dieses Wertverlusts ist nicht marginal oder zufällig, sondern strukturell und systemisch“, sagt Álvaro Conde, Leitautor des Reports. Ineffizienzen lassen sich durch optimierte Prozesse beheben, beispielsweise durch den Einsatz neuer Maschinen, eine optimierte Logistik oder zusätzliche Kontrollschritte. Strukturelle Verluste entstehen hingegen, weil das gesamte Wirtschaftssystem auf Einwegnutzung ausgelegt ist: auf kurze Produktlebenszyklen, lineare Lieferketten, fossile Energieträger und eine Infrastruktur, die Reparatur und Wiederverwendung nicht berücksichtigt. Wer diese Verluste einsparen will, muss nicht einzelne Branchen optimieren, sondern die Grundregeln ändern.
Circle Economy plädiert deshalb nicht für punktuelle Innovationen, sondern für koordinierte Eingriffe entlang ganzer Wertschöpfungsketten. Produkte müssen so gestaltet sein, dass sie sich reparieren und wiederverwenden lassen – Beschaffungsregeln und Steuerpolitik sollen diesen Weg belohnen statt behindern.
Deloitte verweist auf eine weitere Blockade: Finanzmärkte stufen Kreislaufgeschäftsmodelle als riskant ein, obwohl sie bei stabiler Rohstofflage verlässlichere Erträge liefern können als extraktive Modelle. Der EU-Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft und der ab 2027 schrittweise verpflichtende Digitale Produktpass gehen in diese Richtung, greifen aber nur einen Bruchteil der im Report identifizierten Hebel auf. Ambitioniertere Instrumente wie eine EU-weite Materialsteuer oder verbindliche Zirkularitätsquoten für Anlagevermögen stehen bisher nicht auf der Agenda.
Die Zahlen sind zwar beeindruckend, aber nicht ohne Vorbehalt. So wurden Dienstleistungen, die den Großteil moderner Volkswirtschaften ausmachen, nicht erfasst. Auch die Kosten einer Umstellung – Investitionen, Umbauaufwand, politische Reibungsverluste – bleiben außen vor. Doch die 25,4 Billionen Euro zeigen das Potenzial, nicht den Nettogewinn einer Umstellung.
Die Größenordnung bleibt bemerkenswert: Selbst eine konservative Schätzung ohne Dienstleistungen kommt auf ein Drittel des Welt-BIP. Damit ist die Kreislaufwirtschaft keine Nischenfrage, sondern die Frage, wie moderne Wirtschaften funktionieren sollen.
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