Zehn strategische Rohstoffe werden in der EU bislang fast gar nicht recycelt. Brüssel hat als Reaktion die Ausfuhr von Aluminiumschrott eingeschränkt, um eigene Recyclingkapazitäten zu stützen. Wie die Branche die Lücke schließen kann, zeigt die IFAT Munich.

Gespräch am Stand: Die IFAT 2026 bringt zusammen, was Europas Recyclingbranche dringend braucht. Foto: © Messe München GmbH
Die weltgrößte Messe für Wasser, Abfall und Rohstoffe rechnet mit einer Rekordbeteiligung. Mit über 3200 Ausstellern aus 60 Ländern gibt es viel zu sehen. Draußen rollen wasserstoffbetriebene Müllfahrzeuge über das Gelände und drinnen klappern Sortieranlagen im Probebetrieb. Eröffnet wird die Messe von Bundesumweltminister Carsten Schneider, EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber – eine politische Geste, die zeigt, wie ernst die Sache inzwischen ist. Kreislaufwirtschaft ist kein grünes Beiprogramm. Sie kann Europas Versorgung sichern.
Wer wissen will, woran das hängt, geht in Halle C4. Dort präsentieren sich rund fünfzig Start-ups. Die einen bauen Maschinen, die schneller und genauer sehen als Menschen. Die anderen setzen Bakterien an Probleme an, an denen Maschinen scheitern. Die heutigen Möglichkeiten sind beeindruckend. Das norwegische Start-up-Unternehmen Litech hat einen Sensor entwickelt, der versteckte Akkus in Handys, Akkuschraubern und E-Bikes im Müllstrom aufspürt, bevor diese im Schredder Feuer fangen. Brände in Sortieranlagen sind seit Jahren ein teures Dauerproblem. Das Gerät ist seit 2024 kommerziell im Einsatz. Das schwedische Unternehmen Enodo Robotics kombiniert Kameras mit Roboterarmen, die Elektroschrott innerhalb von Sekunden aussortieren. Hier Kupfer, dort Aluminium, dort Platine. Auch das läuft bereits in den Anlagen.
Die neuen Ideen in der Biotechnologie sind nicht so offensichtlich wie bei Maschinen, aber genauso ehrgeizig. Das Bayreuther Start-up Zaitrus misst Mikroplastik in Flüssigkeiten in Echtzeit – winzige Plastikpartikel, die kleiner als ein Sandkorn sind und heute praktisch von niemandem sauber erfasst werden. Einsatzorte sind Kläranlagen und Lebensmittelbetriebe.
Das Schweizer Spin-off CellX züchtet Bakterien, die Schadstoffe aus dem Wasser filtern, mit denen normale Filter überfordert sind: Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten sowie jene Industriechemikalien, die sich kaum abbauen lassen und sich überall ansammeln. Das Tübinger Start-up EveryCarbon wiederum lässt Bakterien Küchen- und Bioabfälle verdauen und gewinnt daraus einen Grundstoff, aus dem später Dämmstoffe für Hauswände entstehen. Eine Pilotanlage bei Stuttgart ist bereits in Betrieb.
Sensoren und Roboter sind angekommen, sie verdienen Geld, sie skalieren. Die Mikroben stehen hingegen noch im Labor und warten auf ihre erste große Anlage. Die entscheidende Frage: Welcher dieser Pilotprozesse läuft am besten schon 2030 in industriellen Größenordnungen?
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