Ein E-Bike-Akku, der nicht mehr durchhält, steckt oft voller brauchbarer Zellen. Ein französisches Start-up baut daraus neue Akkus und hat dafür 22 Millionen Euro eingesammelt.

Rundzellen in einem Akkupack: Oft sind viele davon noch brauchbar, wenn der Akku schon ausgemustert wird. Foto: Kumpan Electric
Das französische Start-up VoltR hat 22 Millionen Euro eingesammelt, um gebrauchte Lithium-Akkus im industriellen Maßstab wiederaufzubereiten. 16 Millionen Euro investieren ein französischer Staatsfonds und der Sporthändler Decathlon, sechs Millionen kommen als staatlicher Zuschuss. VoltR plant, die Fläche seiner Fabrik in Verrières-en-Anjou bei Angers zu verdoppeln und die Produktion binnen zwei Jahren zu versechsfachen.
Das Ausgangsmaterial sind Akkus, die nicht mehr lange genug halten, etwa aus Leih-E-Rollern von Lime, von Recyclern und aus Rücknahmesystemen. Im Werk werden die Akkus geöffnet, die Verbinder gelöst und die Zellen einzeln entnommen. Ein selbst entwickeltes KI-Werkzeug bewertet den Alterungszustand jeder Zelle. Nur Zellen, die Leistungs- und Sicherheitskriterien erfüllen, kommen in neue Packs, die laut VoltR dieselbe Zertifizierung durchlaufen wie Neuware. Die Baumarktkette Leroy Merlin verkauft sie als Werkzeugakkus. Seit dem Start im Jahr 2022 hat VoltR über 20.000 Akkus auf den Markt gebracht. „Eine Lithiumzelle, die ihr erstes Leben beendet hat, hat nicht unbedingt ihr industrielles Leben beendet“, sagt Geschäftsführer Maxime Bleskine.
Auch CATL, der weltgrößte Hersteller von Fahrzeugbatterien, setzt in Europa auf ein längeres Akkuleben. CATL hat Ende September bei Oslo ein 8.000 Quadratmeter großes Servicezentrum eröffnet. Dieses soll Batterien aus Fahrzeugen und Speichern vorrangig reparieren, statt sie auszutauschen. Komplexe Reparaturen dauern laut CATL inzwischen nur noch 48 statt 72 Stunden. In Norwegen waren im August 98,7 Prozent der neu zugelassenen Pkw reine Elektroautos. Weil die E-Auto-Flotte dort altert, wächst laut CATL der Reparaturbedarf.
Die EU-Batterieverordnung schreibt vor, dass ab dem 18. Februar 2027 einzelne Zellen in Akkus von E-Bikes und E-Scootern von unabhängigen Fachleuten austauschbar sein müssen. Ab demselben Datum benötigen diese Akkus einen digitalen Batteriepass, der Reparaturbetrieben Daten zu Aufbau und Demontage zugänglich machen soll.
Dem Modell steht jedoch der Preis neuer Ware gegenüber: Laut BloombergNEF fiel der Durchschnittspreis für Lithium-Ionen-Akkupacks im Jahr 2025 auf das Rekordtief von 108 Dollar je Kilowattstunde, in China lag er bei 84 Dollar. Im Sommer 2025 nannte Mitgründer Alban Régnier das Ziel, bis 2033 drei Werke in Europa zu errichten, das erste davon mit einer Kapazität von 40 Millionen Zellen pro Jahr.
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