Erst war das Kältemittel Abfall, jetzt ist es ein begehrter Rohstoff. Weil neues Gas knapp wird, schließt die Kühlbranche den Kreislauf.

Klimaanlagen laufen mit Treibhausgas. Noch hilft der Kreislauf, künftig sollen sie ganz ohne auskommen. Foto von Roman Petrov
Wer in diesen Tagen die Klimaanlage hochdreht, macht sich selten Gedanken über das Gas, das im Inneren zirkuliert. Dabei ist dieses Gas selbst ein Klimaproblem: Die meisten Kältemittel sind Treibhausgase, die tausendfach stärker wirken als CO2. Die EU-F-Gas-Verordnung senkt den zulässigen Höchstwert für neu verkauftes Kältemittel schrittweise: von gut 82 Millionen Tonnen pro Jahr auf rund 9 Millionen Tonnen ab 2030 – fast neun Zehntel weniger. Die klimaschädlichsten Gase dürfen bereits heute nicht mehr als Neuware in bestehende Anlagen nachgefüllt werden.
Eine Ausnahme bildet gebrauchtes Kältemittel. Wer das Gas aus einer alten Anlage zurückgewinnt und in der EU wiederaufbereitet, fällt nicht unter die Beschränkung. Aufbereitetes Gas darf bis 2030 weiter eingesetzt werden, wo Neuware längst verboten ist. So wird aus einem Entsorgungsfall ein Rohstoff.
Wie das funktioniert, zeigt das Programm „LooP” des Herstellers Daikin: zurückgewinnen, aufbereiten, wiederverwenden. Servicetechniker saugen das alte Gas beim Anlagentausch ab. In der Aufbereitung wird es von Öl, Feuchtigkeit und Fremdgasen gereinigt, bis es die Qualität von Neuware erreicht. Dies wird von einem unabhängigen Labor geprüft. Anschließend wird es in neue Geräte gefüllt. Laut Unternehmensangaben werden so pro Kilogramm bis zu 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks gegenüber neu produziertem Gas gespart. Über 400.000 Kilogramm Neugas werden so jedes Jahr eingespart. Mehr als 20.000 Anlagen laufen bereits mit dem aufbereiteten Gas. Zu den Abnehmern zählen unter anderem die Drogeriekette dm und der Discounter Action.
Was früher als Abfall galt, hat nun einen Marktwert, und das treibt die Sammlung voran. Laut Daten der Europäischen Umweltagentur stieg die in der EU aufbereitete Kältemittelmenge von 2023 auf 2024 um rund 250 Prozent.
So überzeugend der Kreislauf auch klingt, er bleibt eine Brücke, kein Ziel. Beim Recycling wird nur zurückgewonnen, was am Ende noch in der Anlage steckt. Das Problem bei Klimaanlagen ist, dass über die Betriebsjahre das Gas entweicht. So gelangen die Treibhausgase in die Umwelt. Und auch die aufbereiteten Gase werden in Zukunft vor allem die alten, zunehmend undichten Anlagen am Laufen halten.
Deshalb endet die Ausnahme 2030. Der Umstieg auf Gase mit niedrigem Treibhauspotenzial wie Propan, CO2 oder die neue R-32-Generation läuft und macht Kühlung klimafreundlich.
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