Godzilla-El-Niño: was man davon in Deutschland spürt

Der Super-El-Niño ist so gut wie sicher. Fast 70 Prozent sprechen für einen neuen Rekord. In Deutschland ist das Wetter davon nicht betroffen. Seine Folgen aber wandern um die halbe Welt, durch Ernten, Gesundheit und Stromnetze, und erreichen am Ende auch uns.

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Bauarbeiten am Panamakanal, wo El Niño das Wasser sinken lässt: Sein Wetter bleibt fern, seine Folgen erreichen die ganze Welt, auch uns. Foto: Brian J. Tromp

Dass El Niño unser Wetter kaum beeinflusst, liegt an der Nordatlantischen Oszillation, die den europäischen Winter dominiert. Umso härter trifft das Ereignis die Tropen, und diesmal mit außergewöhnlicher Wucht.
Super-El-Niños, bei denen die Oberflächentemperatur des Ostpazifiks um mehr als zwei Grad über dem Mittel liegt, gab es seit Beginn der Aufzeichnungen erst dreimal. Der Spitzname „Godzilla“ aus dem Jahr 2015 ist zurück, diesmal mit der Aussicht, alle Vorgänger zu übertreffen. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), eine Behörde der Vereinten Nationen, warnt in ungewohnt drastischer Sprache vor extremem Wetter bis 2027. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt, dass El Niño die Ausbreitung von Cholera, Dengue und Malaria befeuern und über Ernteausfälle vor allem Kinder in die Mangelernährung treiben könnte.
Wo El Niño den Regen verschiebt, verdorren die Anbaugürtel. Die FAO nennt Süd- und Südostasien als Regionen mit einer Dürrewahrscheinlichkeit von über 50 Prozent. Ein zweiter Ozean-Effekt im Indik verstärkt die Trockenheit über Indonesien und Australien zusätzlich. Reis, Palmöl und Robusta-Kaffee aus Vietnam geraten unter Druck. In Westafrika, woher rund drei Viertel des weltweiten Kakaos stammen, führten die Ereignisse von 2015/16 bereits zu kranken Schoten und schwächeren Ernten. Deutschland verarbeitet Kakao im großen Stil. Die Bohnen kommen vor allem von der Elfenbeinküste. Wie empfindlich diese Lieferkette ist, zeigte sich, als der Kakaopreis 2024 auf ein Rekordhoch schoss. Die Weltbank warnt, ein starkes El-Niño-Ereignis könne die Lebensmittelpreise im Jahr 2026 spürbar über die bisherigen Prognosen hinaus treiben.

Nicht nur trocknen Felder aus, sondern es senkt auch den Wasserspiegel des Panamakanals. Da der Gatúnsee die Schleusen speist, verringert jede längere Dürre die Transportkapazität. Weniger Tiefgang bedeutet weniger Ladung pro Schiff. Wer nicht warten will, nimmt den Umweg um das Kap oder durch Suez, was Tage und Kosten aufschlägt. Was an dieser Engstelle klemmt, verteuert die Fracht weltweit.
Eine schwerwiegendste Folge zeigt sich in den Stromnetzen Asiens. El Niño schwächt den Monsun. In Indien lag der kumulierte Regen Ende Juni rund 40 Prozent unter dem Mittelwert. Die Wasserkraft brach um gut sechs Gigawatt gegenüber dem Vorjahr ein, während die Klimaanlagen mehr Strom zogen. Die Lücke wurde mit Kohle gefüllt. Laut Analysen fehlen Indien im Jahr 2026 rund 18 Terawattstunden, die mit etwa 17 Millionen Tonnen zusätzlicher Emissionen Kohle gedeckt werden müssen. Dasselbe warme Meer, das den Panamakanal leert, lässt Asien mehr Kohle verbrennen.

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