Kein Palmöl auch keine Lösung

“Auf der Ölspur”: WWF-Berechnungen zu einem palmölfreieren Deutschland

Orang Utan - Foto © Tbachner - Gemeinfrei, commons.wikimedia.orgWeltweit werden auf mehr als 17 Millionen Hektar – fast der halben Fläche Deutschlands – jährlich rund 60 Mio. t Palm- und Palmkernöl produziert. Der weltweite Hunger daauf hat gewaltige negative Auswirkungen auf Mensch und Natur – großflächige Rodung von Regenwäldern, Missachtung von Landnutzungsrechten und Vertreibung bedrohter Arten wie Orang-Utans. Der WWF hat die ökologischen Folgen eines Boykotts und Ersatzes von Palmöl in Deutschland berechnet – das Ergebnis der Studie: Kein Palmöl ist – “leider – auch keine Lösung”.

Denn der Ersatz durch Kokos-, Soja-, Sonnenblumen- und Rapsöl hätte einen massiv höheren Flächenbedarf zur Folge, die Treibhausgasemissionen stiegen an und die Gefährdung von Tier- und Pflanzenarten nähme zu. “Der simple Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern kann sie sogar verschlimmern”,  Ilka Petersen, WWF Deutschland © WWFfasst Ilka Petersen vom WWF Deutschland zusammen. “Das gilt insbesondere dann, wenn Palmöl durch Soja- oder Kokosöl ersetzt wird. Es führt daher kein Weg daran vorbei, den Anbau von Ölpflanzen ausnahmslos umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten. Gleichzeitig muss unser Bedarf drastisch gesenkt werden.”

In jedem zweiten Supermarktprodukt

Palm-Öl - Foto © oneVillage Initiative - Jukwa Village Palm Oil Production, Ghana, CC BY-SA 2.0, commons.wikimedia.orgLaut WWF verbraucht Deutschland pro Jahr rund 1,8 Mio. t Palmöl. Der größte Anteil gehe in Biodiesel (41 %), dicht gefolgt von Nahrungs- und Futtermitteln (40 %) sowie in die industrielle Verwendung etwa für Pharmazie oder Reinigungsmittel (17 %). Die Folge: Palmöl finde sich in jedem zweiten Supermarktprodukt von Margarine, Pizzen und Süßwaren bis zu Kosmetika und Waschmitteln. Rund 140.000 t landen darüber hinaus in den Futtertrögen der konventionellen Intensivtierhaltung.Top_10_Countries,_Palm_Oil_Production_2013 © FAOSTAT 2016. Food and Agricultural commodities production, CC BY 3.0, commons.wikimedia.org

Würde Deutschland das Palmöl komplett austauschen, wären laut WWF für die Gewinnung der “Ersatz-Pflanzenöle” rund 1,4 Mio. ha mehr Anbaufläche notwendig. Zu dem Mehrbedarf an Fläche komme es, weil keine andere Pflanze auf einem Hektar Land so hohe Öl-Erträge wie die Ölpalme erzielten. Raps, Kokos und Sonnenblume brächten im Durchschnitt nur rund 0,7 t Öl pro Hektar. Soja sogar noch weniger. Zum Vergleich: Die Ausbeute bei Ölpalmen liege bei durchschnittlich 3,3 t pro Hektar.

Folgt: Gravierende negative Effekte für biologische Vielfalt