Meeresspiegel steigt wahrscheinlich schneller…

…und ruckartig in Schüben

“Die Gefahr für Küstenbewohner steigt” überschrieb die Frankfurter Rundschau am 29.10.2017 einen Artikel von Eva Mahnke und Benjamin von Brackel: Küsten-Anwohner sollten sich auf Überflutungen gefasst machen, denn die Meeresspiegel könnten stärker steigen als  befürchtet. Eine Studie der US-Forscher Pankaj Khanna, André Droxler and Jeffrey Nittrouer von der Rice-Universität Houston im Fachmagazin Nature Communications lässt zudem befürchten, dass der klimwandelbedingte Meeresspiegelanstieg  nicht gleichmäßig verläuft, sondern in Schüben. Bisher waren die Wissenschaftler des Weltklimarats auf Grund fehlender Informationen nämlich gezwungen, den Anstieg linear darzustellen.

[note Abstract des Artikels in nature communications: “Versteinerte Korallenriffe erhalten die Signaturen von Meeresspiegelschwankungen über die Erdgeschichte, vor allem seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren und werden in dieser Studie verwendet, um anzuzeigen, dass unregelmäßige Anstiege des Meeresspiegels häufiger sind als bisher während der letzten Abschmelzperiode beobachtet. Die Natur von früheren Meeresspiegelanstiegen (graduell oder schrittweise) während der Nacheiszeit zu erkennen, ist entscheidend für den Informationsgehalt von Modellen, die das zukünftige vertikale Verhalten der Weltmeere voraussagen. Hier präsentieren wir hochauflösende bathymetrische (den Meeresboden nachbildende) und seismische Sonar-Datensätze von 10 morphologisch ähnlichen, versunkenen Riffen, die während der letzten Nacheiszeit wuchsen und sich 120 km entlang der südtexanischen Schelfkante ausbreiteten. Hier werden sechs häufig beobachtete, durch mehrere unterbrochene Anstiegsereignisse des Meeresspiegels erzeugte Terrassenniveaus interpretiert, welche die Riffe dazu zwangen, zu schrumpfen und mit der Zeit zurückzuweichen. Diese regelmäßigen normalen Terrassen werden interpretiert, um wiederholte Anstigsereignisse des Meeresspiegels über Zeitskalen von Jahrzehnten bis Jahrhunderten während der letzten Abschmelzperiode aufzuzeichnen, die zuvor nur während des späten Holozäns erkannt worden waren.”]

  Zum Nachweis, dass die Meere klimabedingt unterschiedlich schnell ansteigen, haben die Forscher vor fünf Jahren vom Forschungsschiff „Falkor“ des Schmidt Ocean Institute vor der Küste von Texas aus die fossilen Riffe im Golf von Mexiko mit einem Mehrstrahl-Echolot untersucht und hochauflösende 3-D-Bilder des Meeresbodens aufgezeichnet. Dabei fielen ihnen sechs markante, unterschiedlich hohe Plateaus auf, die ihrer Interpretation folgend auf einem schubartigen Anstieg des Meeresspiegels hindeuteten. Das habe gezeigt, dass der Meeresspiegel nicht gleichmäßig angestiegen sei, als sich die Erde beim letzten Mal so wie heute erwärmt habe, so laut einer Medienmitteilung der Geologe und Studien-Mitautor André Droxler von der Rice-Universität in Houston: „Er stieg zunächst ziemlich schnell an, pausierte, und stieg erneut schubartig an.“

Gefährlich könnte es den Forschern zufolge bald für viele Küstenanwohner werden. Denn die seien schlecht darauf vorbereitet. „Der Meeresspiegelanstieg kann viel schneller passieren, als je bislang beobachtet“, sagte Jeff Nittrouer, Geologe und ebenfalls Koautor der Studie. „Die Küstensiedlungen müssen sich auf Überflutungen einstellen.“

[note Ergebnisse: “In Abwesenheit genauer chronologischer Daten deutet die Formation dieser Terrassen, die neun Korallenriffen gemeinsam sind, entlang einer Entfernung von mehr als 120 km an der südtexanischen Schelfkante darauf hin, dass der Meeresspiegel während des jüngsten Gipfels nicht gleichmäßig anstieg, sondern vielmehr durch eine Reihe unterbrochener und schneller Anstiegsereignisse des Meeresspiegels über Jahrzehnte bis zu einem Jahrhundert gekennzeichnet war, die zuvor nur im späten Holozän erkannt worden sind. Da für die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte eine Klimaerwärmung und daraus resultierende Zusammenbrüche von Eisschichten vorhergesagt wurden, kann der stetige und allmähliche Anstieg des Meeresspiegels, der in den letzten zwei Jahrhunderten beobachtet wurde, daher keine vollständige Charakterisierung darstellen, wie der Meeresspiegel in Zukunft ansteigen wird. Darüber hinaus besteht ein wissenschaftliches Bedürfnis, fortschrittliche Technologien zu nutzen, einschließlich hochauflösender bathymetrischer Systeme, kombiniert mit systematischen Riff-Bohren und präzisen Datierungstechniken; Diese Studie dient als ein Leitfaden für zukünftige Forschungsbemühungen, die danach streben, über die Meeresspiegelanstiegsraten und Amplitudenprojektionen zu informieren. Forscher, welche die Empfindlichkeit von Meeresspiegelfluktuationen – in Vergangenheit und Gegenwart – modellieren, benötigen so viele Informationen wie möglich über Ereignisse mit kleinerer Amplitude, und der beste Ort, um diese Informationen zu finden, stammt aus den geologischen Aufzeichnungen. Die Dokumentation jahrhundertealter unregemäßiger Anstiegsereignisse des Meeresspiegels mit Größen von einigen Metern impliziert, dass die Abschmezperiode und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg ein instabiler Prozess ist. Die Rate des Anstiegs des Meeresspiegels hat sich seit den letzten zwei Jahrzehnten beschleunigt; Daher haben diese Ergebnisse erhebliche Auswirkungen auf die Wissenschafts-Community, die den Meeresspiegelanstieg in der Vergangenheit und Gegenwart untersucht und wie sich die Gesellschaft auf Überschwemmungen in Küstennähe und Überschwemmungsgefahren in den kommenden Jahrzehnten bis Jahrhunderten vorbereitet.”]

->Quellen: