Immer mehr Flug-CO2

TUI und China West Air in Atmosfair-Klimaranking vorn – Lufthansa schwaches Mittel

Zu den saubersten Airlines der Welt gehören zwei TUI-Fluggesellschaften und China West Air. Der Luftverkehr nimmt weiter zu – doch die langsame Erneuerung durch sparsamere Jets bremst den Anstieg der CO2-Emissionen von Flugzeugen kaum. Das geht aus dem Atmosfair Airline Index (AAI) hervor, den die Klimaschutzorganisation im Rahmen der UN-Klimakonferenz COP23 in Bonn vorstellte. Insgesamt sei der CO2-Ausstoß pro Passagierkilometer im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 1,5 Prozent gesunken.

Der Index wird aufgrund des CO2-Austoßes pro Passagier-Kilometer von 125 Airlines erstellt – die Ergebnisse der Fluggesellschaften unterscheiden sich laut Atmosfair erheblich. Der Treibstoffverbrauch pro Passagier und Kilometer könne auf derselben Strecke bei einer Fluggesellschaft mehr als doppelt so hoch liegen wie der einer anderen. Auf dieser Grundlage vergibt Atmosfair Effizienzpunkte, getrennt nach Kurz-, Mittel- und Langstrecke. Besonders gut schneiden Luftfahrt-Unternehmen mit hohem Anteil moderner, emissionsarmer Flugzeuge, hoher Auslastung von Flügen sowie hoher Sitzplatzzahl pro Maschine ab. “Weniger Beinfreiheit im Flieger ist also umweltfreundlicher”, konstatiert der Deutschlandfunk trocken.

Kranich-Linie nur 65 (von 125)

TUI Airways kam in der Wertung auf 78,9 Punkte, China West Air auf 78,6 Punkte und TuyFly auf 78,2 Punkte. Alle drei Airlines verschlechterten sich allerdings im Vergleich zum Vorjahr leicht. Der deutsche Marktführer Lufthansa erreichte mit 55,5 Punkten nur Platz 65 von 125 (Effizienzklasse D). Die Lufthansa konnte ihre Effizienz relativ zu den Vorjahren durch eine erneut verbesserte Auslastung der Flotte steigern. Sie bestuhlt dabei die Flotte insgesamt leicht unterdurchschnittlich und nutzt so ihr Effizienzpotenzial nicht voll aus. Auf der Kurz- und Mittelstrecke setzt Lufthansa immer weniger ineffiziente Flugzeugm odelle ein (u.a. B737-300/500). Auf der Langstrecke nutzt die Lufthansa weiter verstärkt moderne Wide-Body Jets ( A330, A380, B747-8I).

[note Der Airline Index von atmosfair vergleicht und ordnet jährlich die über 200 größten Airlines der Welt nach ihrer Klimaeffizienz, also den CO2-Emissionen pro Transportleistung. In die Berechnung der CO2-Emissionen fließen ein der Flugzeugtyp, die Triebwerke, aerodynamische Flügelspitzen (Winglets), Bestuhlung und Frachtraum sowie deren Auslastungen. Mit Detaildaten zu diesen Faktoren lässt sich über offizielle Daten von Behörden, spezialisierten Datendienstleistern und Computermodellen von Flugzeugkonstrukteuren der CO2-Ausstoß einer Airline auf etwa zwei Prozent genau berechnen. Autofahrer können sich schon seit vielen Jahren vor dem Kauf eines Autos detailliert über dessen CO2-Ausstoß informieren. Vor einem Flug dagegen stand ein Passagier bei der Wahl der Fluggesellschaft bisher im Dunkeln. atmosfair macht mit dem Airline Index Klimaschutz zum Wettbewerbsfaktor unter Airlines.
Der atmosfair Airline Index bewertet die Fluggesellschaften in einem Ranking von 0 bis 100 Punkten nach Ihrer CO2-Effizienz – aufgeteilt in Kurz-, Mittel- und Langstrecke. Somit haben sowohl Urlaubs-, als auch Geschäftsreisende die Möglichkeit, CO2-Effizienz in den Entscheidungsprozess während einer Flugbuchung mit einzubeziehen. Für Firmenkunden ist der atmosfair Airline Index zudem auch für einzelne Strecken erhältlich. Er erlaubt es damit kosten- und umweltbewussten Unternehmen, die auf einzelnen Strecken viele Geschäftsflüge haben, die Klimabilanz bei der Suche nach der Airline für die jeweilige Strecke als Kriterium in ihre Ausschreibungen mit aufzunehmen. Da die saubersten Airlines oft auch die preisgünstigsten sind, ermöglicht das Unternehmen vielfach, Win-Win Potentiale zu finden und zu realisieren.]

Folgt: Notwendige Entkopplung von Verkehrswachstum und CO2-Emissionen nicht in Sicht