Klimaskepsis, Fake News und Rechtspopulismus eine braune Sauce

ExxonMobil straffällig?

Bereits seit November 2015 ermittelt der Generalstaatsanwalt von New York, inwieweit der US-Ölkonzern ExxonMobil sich strafbar gemacht hat, weil er die Öffentlichkeit über die Ursachen und Folgen des Klimawandels belogen hat. Kein anderer Konzern hat in dieser Hinsicht so viel Geld so schamlos in den offensichtlich bösartigen Zweck der Desinformation gelenkt wie ExxonMobil. Entscheidend ist aber das glasklare Wissen der Verantwortlichen um das Lügenhafte dieser Tätigkeit, das von den Studien der 70er Jahre belegt wird. Nun verklagt die Stadt New York fünf fossile Unternehmen wegen ihres Beitrags und dessen Vertuschung zur gefährlichen globalen Erwärmung – siehe: solarify.eu/nyt-und-guardian-ny-contra-oel-multis.

Aber selbst wenn ein Gericht die Schuld der Öl-Multis einwandfrei feststellt – ExxonMobil und die anderen sind für mindestens zwei Jahrzehnte Verzögerung im Kampf gegen den Klimawandel verantwortlich – wie das sühnen? Wenn der Konzern mit seinem ganzen Vermögen haften würde (die Summe aller Aktiva betrug 2014 knapp 350 Mrd. Dollar), um wenigstens Promille-Anteile des angerichteten Schadens zu begleichen – was würde das für die Wirtschaft der USA bedeuten?

Exxon hat „Wissenschaftler“ wie Wei-Hock Soon vom Harvard-Smithsonian Astrophysical Observatory von 2005 bis 2010 mit mehr als 300.000 Dollar verdeckt „unterstützt“, um klimaskeptische Forschungen durchzuführen, die als „unabhängig“ deklariert wurden (s. solarify.eu/exxon-bezahlte-klimaleugner). Das Ziel dieses Vorgehens bestand nicht darin, die Klimadebatte zum Verstummen zu bringen; dies schien unmöglich. In einem Strategiepapier („Global Climate Science Communications Plan“) des American Petroleum Institute aus dem Jahr 1998 wurde das Ziel klar benannt: „Der Sieg wird errungen werden, wenn durchschnittliche Bürger ‚wissen‘ (anerkennen), dass es Ungewissheiten in der Klimawissenschaft gibt; wenn die Anerkennung von Ungewissheiten Teil der ‚vorherrschenden Meinung‘ wird.“ („Victory will be achieved when average citizens „understand“ (recognize) uncertainties in climate science; recognition of uncertainties becomes part of the „conventional wisdom.“) Dasselbe sollte bei den Medien und bei Wirtschaftsführern bewirkt werden. Die letzte Zielmarke für die Erringung des Sieges sollte erreicht sein, wenn „jene, die das Kyoto-Protokoll auf der Basis noch bestehender Wissenschaft verteidigen, als wirklichkeitsfremd erscheinen.“ („Those promoting the Kyoto treaty on the basis of extent science appears to be out of touch with reality.“) Im American Petroleum Institute arbeitete Exxon mit den anderen großen Erdölkonzernen zusammen. Im Oktober 2015 brachten zwei Reportagen, die unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Archivquellen arbeiteten, diesen Skandal ans Licht (s. solarify.eu/exxon-wusste-schon-vor-fast-40-jahren-vom-klimawandel). Unter anderem hatten Studenten der Columbia Journalism School mit der Los Angeles Times zusammengearbeitet, um zwei der von ExxonMobil unterdrückten Studien dem Vergessen zu entreißen. Wie hat Exxon darauf reagiert? Der Konzern schwärzte die Studenten in einem Brief an die Leitung der Schule an. Sie hätten „ungenaue und irreführende Artikel“ produziert. In diesem Brief wies Exxon auch auf die “zahlreichen und produktiven Beziehungen” hin, die der Konzern mit der Schule habe. Exxon hat fast 220.000 Dollar an die Columbia-Journalistenschule gespendet.

Fake-News-Zar Murdoch – Ausgewogenheit und Opfer der Ethik

Besonders erfolgreich beim Transport von Fake News laut PP. – Das Murdoch-Imperium mit Wall Street Journal und anderen Print-Medien, mit dem TV-Sender Fox News und Dutzenden Kommentatoren aus lokalen Radiostationen hat “die wohl erste Echokammer der modernen Kommunikationsgesellschaft” (PP) entwickelt – sehr erfolgreich, weil kaum jemand hinter die Machenschaften schaut. Gleichzeitig wird die liberale Öffentlichkeit Opfer ihrer eigenen ethischen Mediengrundsätze (ebenso wie in Deutschland auch): Deren Medien (NYT, Washington Post) lassen die Klimaleugner “ausgewogen” zu Wort kommen. “Das Ergebnis ist eine katastrophale Verzerrung” (PP). Oreskes hat unter 928 Fachpublikationen unter dem Schlüsselwort “globale Klimaveränderung” nicht eine einzige Veröffentlichung gegen den anthropogenen Klimawandel gefunden. In den Zeitungen und im Fernsehen taucht die Klimaskepsis dagegen in einem vergleichbaren Zeitraum in jedem zweiten Beitrag auf.

Probst/Pelletier: “Die Klimaleugner haben einen Keil zwischen Wissenschaft und Medien getrieben, die amerikanische Gesellschaft in der wichtigsten Frage der Gegenwart gespalten. Mit verheerenden Auswirkungen: Die Regierungen von Ronald Reagan und anfangs auch George W. Bush versuchten noch, die internationale Führungsrolle in der Bekämpfung des Klimawandels zu übernehmen. Heute hingegen glauben einer aktuellen Studie des Pew Research Center zufolge weniger als 16 Prozent der Wähler der Republikaner, dass es einen starken wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel gibt. Dieser schon in den neunziger Jahren einsetzende Meinungsumschwung trägt entscheidend dazu bei, dass die USA dem 1998 in Kyoto beschlossenen Klimaabkommen nicht beitreten. Auch der folgende Klimagipfel 2009 in Kopenhagen scheitert. Kurz zuvor hat der Informationskrieg mit ‘Climategate’ einen neuen Höhepunkt erreicht…. Obwohl unabhängige Untersuchungen der E-Mails keinen Anhaltspunkt für unwissenschaftliches Arbeiten haben feststellen können, geben nach dem vermeintlichen Skandal in Umfragen über 50 Prozent der befragten Amerikaner an, Climategate habe ihr Vertrauen in die Klimawissenschaft erschüttert.”

Folgt: Aus Klimaschützern werden Öko-Sozialisten – Klimaleugner und Rechtspopulisten