Klimaskepsis, Fake News und Rechtspopulismus eine braune Sauce

Energiewende und Divestment müssen den Fossil-Riesen den Grund entziehen

Der Begriff “Alternative Fakten” ist am 16.01.2018 aus 684 Vorschlägen zum Unwort des Jahres 2017 ausgewählt worden – er sei,  so die Jury, “der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen”, und stehe “für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen”. Die Zeit-Autoren Maximilian Probst und Daniel Pelletier stellten in ihrem Artikel “Fake-News: Krieg gegen die Wahrheit” (Die Zeit Nr. 51, 2017) vor kurzem einleuchtend dar, dass Rechtspopulisten Fake-News nicht erfunden haben (weder den Begriff  – Webster’s Dictionary zufolge geht der Begriff auf das Jahr 1890 zurück – noch den taktischen Umgang damit). Denn bereits seit mehreren Jahrzehnten organisierten Energiekonzerne und konservative Medien Desinformationskampagnen, um Zweifel am menschengemachten Klimawandel zu säen. Die Gegenmittel sind Energiewende, Divestment und Kreislaufwirtschaft. Solarify zitiert ausführlich und ergänzt mit eigenen Informationen.

Großangelegte Desinformation über Jahrzehnte

Bereits im Oktober 2015 zeigte eine Untersuchung des Pulitzerpreisträgers Inside Climate News, dass ExxonMobil die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel lange, bevor sie zum öffentlichen Thema wurden, verstanden hatte und Millionen ausgab, um Fehlinformationen (Fake News) zu fördern, schrieb Shannon Hall vor zweieinviertel Jahren im Scientific American. Exxons Wissen über den Klimawandel stammt aus dem Juli 1977. Bereits elf Jahre früher war der Ölriese informiert gewesen. Im Netz wird das seither unter #ExxonKnew diskutiert. Trotz dieses unbestreitbaren Wissens weigerte sich das heute weltweit größte Öl- und Gasunternehmen Jahrzehnte hindurch, den Klimawandel öffentlich anzuerkennen – im Gegenteil: ExxonMobil förderte Klima-Desinformationskampagnen, und gründete beispielsweise eine Unzahl von scheinbar seriösen Instituten. Greenpeace USA hat im Internet 145 Institute zusammengestellt, die von Exxon-Geld leben – 22 Millionen Dollar von 1998 bis 2013 (einge hier: ExxonMobil Funding, Donors funding (PDF) und Cooler Heads Coalition). Ein Vorgehen, das viele mit den verbreiteten Lügen der Tabakindustrie in Bezug auf die Gesundheitsrisiken des Rauchens vergleichen. Beide Branchen waren sich bewusst, dass ihre Produkte nicht profitabel bleiben würden, wenn die Weltöffentlichkeit einmal die Risiken verstanden hätte – so sehr, dass sie die gleichen Berater nutzten, um Kommunikationsstrategien für den Umgang mit der Öffentlichkeit zu entwickeln. Exxon hat jedenfalls zwar schon 1981 in einem “CO2-Positionspapier” vorausgesagt, dass die erwartete Verdopplung der CO2-Konzentration in den nächsten hundert Jahren zu einem globalen Temperaturanstieg von drei Grad Celsius führen werde – sich andererseits aber gegen jede Klimaschutzaktivität gestemmt.

Experten zeigen sich jedoch nicht sonderlich überrascht. „Es war noch nie plausibel, dass sie die Wissenschaft nicht verstehen sollten“, sagte Naomi Oreskes, Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Harvard University, damals. Denn Exxon habe nicht die Wissenschaft falsch verstanden, sondern sich aktiv mit ihr beschäftigt; daraufhin habe Exxon in den 70er und 80er Jahren Top-Wissenschaftler beauftragt, um die Angelegenheit zu prüfen und startete ein eigenes ehrgeiziges Forschungsprogramm, das empirisch Kohlendioxid untersuchte und aufwändige Klimamodelle konstruierte. Mehr als eine Million Dollar wurde in ein Tankerprojekt gesteckt, das herausbringen sollte, wie viel CO2 von den Ozeanen absorbiert wird. Das war eine der größten wissenschaftlichen Fragen der Zeit, was bedeutet, das Exxon wirklich beispiellose Forschungsvorhaben zum Thema unternommen hat.

“Merchants of Doubt” (deutsch: “Die Machiavellis der Wissenschaft” – siehe: solarify.eu/die-machiavellis-der-wissenschaft) von Naomi Oreskes und Erik M. Conway belegte dann, wie einige Wissenschaftler im Interesse der Wirtschaft für die Öffentlichkeit den Anschein erwecken, als gäbe es wissenschaftliche Differenzen über bereits entschiedene Fragen. Die Motive: Geld und Wichtigtuerei, und, dass man politisch oder religiös einem Standpunkt verbunden ist; man kann mit einer Außenseitermeinung erhöhte Aufmerksamkeit und Zuspruch einer eigenen Anhängerschaft genießen – oder, man kann sich einfach in eine Ansicht verrannt haben und davon nicht mehr loskommen. (Aus: globalklima.blogspot.de im Artikel über das amerikanische Original „Merchants of Doubt“ auf solarify.eu/haendler-des-zweifels)

In erster Linie sollen Zweifel an den Ursachen des anthropogenen Klimawandels geweckt werden. Eingeräumt wird, dass es zwar eine globale Erwärmung gibt, aber widerstreitende Theorien darüber, was die Ursachen sein könnten. Oder, dass die globalen Zeitreihen Fehler enthalten, die ihre Aussagekraft einschränken. Dass man Modellen nicht vertrauen könne und noch abwarten müsse, bis sie besser seien. Dass viele Detailfragen bei den Rückkopplungen unklar seien und erst noch gelöst werden müssten und bis dahin die Klimaempfindlichkeit doch Spekulation sei.

Der Sinn dieser Taktik ist, Zeit zu gewinnen. Es geht nicht darum, die andere Seite zu überzeugen. Sondern Politik und Öffentlichkeit sollen den Eindruck haben, dass es noch zu früh sei, sich mit einer Entscheidung festzulegen. Dieser Zeitgewinn ist dann genau der Gewinn der interessierten Unternehmen, die diese Think Tanks finanziell unterstützen. Ein weiterreichendes Ziel ist aber, überhaupt die wissenschaftlichen Grundlagen für Umwelt- und Gesundheitsschutz zu unterminieren, indem man generell Wissenschaftler in diesen Bereichen unglaubwürdig macht.

Folgt: Zusammentreffen von Rechtspopulismus und Klimaskepsis kein Zufall