Deutsche unzufrieden mit Tempo der Energiewende

Energiewende-Politik gegen den Willen der Bevölkerung?

Die Deutschen werden offenbar ungeduldig, eine Mehrheit wünscht sich einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien und weniger Kohlestrom. Für das Erlahmen der Energiewende machen sie die Politik verantwortlich. Clemens Weiß hat sich für energiezukunft die letzte repräsentative Umfrage des BDEW angesehen.

Offenbar haben die Deutschen ein gutes Gespür für das Gelingen der Energiewende, wenn man dem Energiemonitor 2018, einer repräsentativer Umfrage des Branchenverbands BDEW, Glauben schenken will. Interessant sind vor allem zwei Zahlen. 93 Prozent der Befragten halten die Energiewende für wichtig, dieser Wert ist im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Gleichzeitig sagt eine Mehrheit von 58 Prozent, dass die Energiewende weniger gut vorankommt und der Ausbau der Erneuerbaren Energien zu langsam vonstatten geht.

Schlechtes Management

Die Bürger sind also unzufrieden mit Management und Geschwindigkeit der Energiewende, nicht mit den Zielen. Angesichts der zunehmenden Mahnungen von Klimawissenschaftlern weltweit und den verpassten deutschen Klimazielen ist das keine Überraschung. Interessant ist dennoch die Deutlichkeit, mit der die Befragten die konkreten Problemfelder identifizieren. Immerhin ist die Energiewende ein komplexes Konstrukt, das auch durch die Darstellung in den Medien kaum einfacher zu fassen wird.

Nach zwölf Jahren an der Macht, liegt ein Zusammenhang mit Kanzlerin Angela Merkel nahe. Für den schwächelnden Ausbau der Erneuerbaren Energien machen die Befragten hauptsächlich die Verzögerungshaltung der Politik verantwortlich. Nach den größten Problemen bei der Umsetzung der Energiewende gefragt, geben die Befragten Kosten und Finanzierung als erstes an, an zweiter Stelle steht erneut die politische Uneinigkeit. Als störender Faktor gewinnt in den Augen der Bevölkerung der Betrieb von Kohlekraftwerken an Bedeutung.

Energiewende-Politik gegen den Willen der Bevölkerung?

Das ist die nächste klare Aussage. Zwei Drittel sind der Meinung, dass Kohlekraftwerke in größerem Umfang nicht notwendig sind für eine sichere Stromversorgung in den nächsten Jahren, und dass Ökostrom in zehn Jahren Kohlestrom ersetzen könnte. Auch dort sind sich die Bürger also mit Klimawissenschaftlern und Umweltverbänden einig.

Die Bundesregierung aus Union und SPD macht also Energiewende-Politik gegen den Willen der Bevölkerung, so könnte man Teile der Umfrage lesen. Wirklich überraschend ist die Erkenntnis allerdings nicht. Meinungsstudien der vergangenen Jahre haben ähnliche Ergebnisse hervorgebracht. Überraschend ist wohl eher, dass den Wählern die Themen Energiewende und Klimawandel noch immer nicht wichtig genug sind. Sonst hätten sie mehrheitlich nicht die große Koalition gewählt. cw

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