ISE: EE erreichen 46 Prozent

Neuer Rekord für Erneuerbare bei Nettostromerzeugung 2019

Vor allem die Windkraft legte kräftig zu und erzeugte fast ein Viertel des verbrauchten Stroms, schreibt Sandra Enkhardt am 02.01.2020 auf pv magazine. Die Photovoltaik-Anlagen lagen bei einem Anteil von neun Prozent. Die erste, ebenfalls am 02.01.2020 veröffentlichte Jahresauswertung der Energy Charts des Fraunhofer ISE zeigt zudem, dass der Exportüberschuss deutlich zurückgegangen ist.

2018 waren es erstmals mehr als 40 Prozent, doch 2019 gab es einen weiteren großen Sprung: Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr auf 46 Prozent erhöht. Dabei legte die Windkraft mit 17,3 Terawattstunden zusätzlicher Erzeugung am stärksten zu. In acht von zwölf Monaten habe die Erzeugung der Windkraftanlagen höher gelegen als die der Braunkohle und das ganze Jahr über vor der Kernenergie. Insgesamt erzeugten die Windkraftanlagen mehr als 127 Terawattstunden sauberen Strom und kamen damit auf einen Anteil von 24,6 Prozent an der Nettostromerzeugung.

Solar und Wind

Photovoltaikanlagen kamen auf neun Prozent der Nettostromerzeugung 2019 und speisten ca. 46,5 TWh in das öffentliche Netz ein. Die Produktion hat sich gegenüber dem Vorjahr um ca. 0,8 TWh bzw. 1,7% erhöht. Die installierte PV-Leistung lag Ende Oktober bei ca. 48,6 GW. Der Zubau im Jahr 2019 betrug bis Oktober ca. 3,3 GW. Die maximale Solarleistung betrug ca. 33,5 GW am 19.04.2019 um 13:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt kamen 48% der gesamten Stromerzeugung aus Photovoltaik. Der maximale Anteil der Solarenergie an der gesamten Tagesenergie aller Stromquellen lag am 29. Juni bei 27%. Von März bis September 2019 war die monatliche Stromerzeugung von PV-Anlagen höher als die von Steinkohlekraftwerken.

Die Windenergie produzierte im Jahr 2019 ca. 127 TWh und lag ca. 15,7% über der Produktion im Jahr 2018. Die Windenergie war damit die stärkste Energiequelle, gefolgt von Braunkohle, Kernenergie und Gas. In acht Monaten übertraf die Windstromproduktion die Erzeugung aus Braunkohle und in allen zwölf Monaten lag die Windenergie vor der Kernenergie. Die maximal erzeugte Leistung betrug ca. 46,7 GW am 15.03.2019 um 19:00 Uhr. Der Anteil von onshore Wind betrug ca. 102,6 TWh. Offshore Wind konnte die Produktion von 19,1 TWh in 2018 auf 24,4 TWh in 2019 steigern. In der Nordsee wurden ca. 20,2 TWh erzeugt. Die offshore Produktion in der Ostsee lag bei ca. 4,1 TWh. Ende Oktober 2019 lag die installierte Leistung von onshore Wind bei 53,1 GW und von offshore Wind bei 7,6 GW. Gemeinsam produzierten Solar- und Windenergieanlagen im Jahr 2019 ca. 173 TWh. Sie liegen damit in Summe vor der Summe aus Braunkohle und Steinkohle mit 151 TWh.

Allerdings sei das Verhältnis von installierter Photovoltaik- und Windkraft-Leistung in Deutschland weiterhin nicht optimal. Ende des Jahres fehlten rund 15 Gigawatt Photovoltaik für ein optimales Verhältnis, so die Freiburger Wissenschaftler. Den größten prozentualer Sprung unter den Erneuerbaren machte 2019 die Wasserkraft. Sie trug 19,2 Terawattstunden zur Nettostromerzeugung bei. Die Biomasse lag mit 44 Terawattstunden etwas unter dem Niveau von 2018. In Summe kamen die erneuerbaren Energiequellen auf rund 237 Terawattstunden Strom – sieben Prozent mehr als noch 2018.

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Im November 2019 sind nach einer Veröffentlichung der Bundesnetzagentur insgesamt PV-Anlagen mit einer Leistung von 270,5 MW neu gemeldet worden. Damit fiel der Zubau auf den tiefsten Wert seit Mai. In den ersten elf Monaten des Jahres sind nach der Statistik 3610 MW PV-Leistung in Deutschland hinzugekommen. Für das gesamte vergangene Jahr rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mit einem Nachfrageschub von rund 30 Prozent. „Wir freuen uns über die Marktbelebung, können aber noch nicht zufrieden sein. Es klaffen gravierende Lücken zwischen dem Erreichten und den Klimazielen. Wir werden diese Lücken schließen können, wenn wir das Ausbautempo verdreifachen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Dies sei auch mit Blick auf den angestrebten Atom- und Kohleausstieg notwendig. Nur mit einem schnelleren Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und anderen Erneuerbaren lasse sich eine Stromerzeugungslücke verhindern, so Körnig weiter. Beim Photovoltaik-Zubau entfielen im November 226 der 270 Megawatt auf Photovoltaik-Anlagen außerhalb der Ausschreibungen. Insgesamt gut 200 Megawatt waren Dach- oder sonstige Anlagen. Beim Mieterstrom gab es mit 2,084 MW einen neuen Melderekord. Das Niveau ist allerdings weiterhin sehr niedrig und ein Blick in die Statistik zeigt, dass nur 13 der 69 gemeldeten PV-Mieterstromprojekte wirklich auch im November in Betrieb gingen. (pv-magazine.de/photovoltaik-zubau-im-november-bei-270-megawatt)
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Zudem lagen Photovoltaik, Windkraft und Co. damit erstmals über den Erzeugungswerten der fossilen Kraftwerke. Kohle- und Gaskraftwerke kamen zusammen auf 207 Terawattstunden. Die Kernkraft wird in diesem Vergleich vernachlässigt. Insgesamt haben die AKW in Deutschland im vergangenen Jahr 71,1 Terawattstunden erzeugt, was leicht unter dem Niveau von 2018 gelegen habe. Zum Jahresende legte zudem EnBW den Block 2 seines AKW Philippsburg still. Die restlichen AKW in Deutschland werden bis Ende 2022 sukzessive vom Netz gehen.

Einen starken Einbruch bei der Stromerzeugung erlebten im vergangenen Jahr vor allem die Braunkohlekraftwerke. Ihre Nettostromproduktion sei um 22,3 Prozent auf 102,2 Terawattstunden gesunken, so Energy Charts weiter. Ihr Anteil fiel auf 19,7 Prozent. Noch stärker war der Rückgang bei der Steinkohle. Sie produzierten 32,8 Prozent weniger. Mit 48,7 Terawattstunden und einem Anteil von 9,4 Prozent liegt die Steinkohle bei der Nettostromerzeugung nur noch unwesentlich vor der Photovoltaik.

Bereits im vergangenen Jahr war auf die wesentlichen Faktoren aufmerksam gemacht worden, die zu dem starken Rückgang der Erzeugung in den Kohlekraftwerken geführt haben. Dies lag zum anderen an der deutlich höheren Produktion der Windkraftanlagen, aber auch an den gestiegenen durchschnittlichen CO2-Zertifikatspreisen. Sie erhöhten sich von 15,79 auf 24,80 Euro pro Tonne im vergangenen Jahr. Zugleich sank wegen der hohen Erzeugung der Erneuerbaren der durchschnittliche Börsenstrompreis um rund 15 Prozent auf 36,64 Euro pro Megawattstunde. Die Summe dieser Entwicklung schmälerte die Margen für die Kohlekraftwerke. So ließen sich gerade Braunkohlekraftwerke nicht mehr rentabel betreiben, wenn der CO2-Preis ähnlich hoch wie der Börsenstrompreis sei.

Auch die um 9,5 Prozent verringerte Last habe zum niedrigen Börsenstrompreis und damit verschlechterten Marktbedingungen für die Braunkohle beigetragen. Zusätzlich waren 2019 die Gaspreise stark gesunken, was den Betrieb der Gaskraftwerke – auch weil sie weniger CO2-Zertifikate benötigen – wieder wesentlich attraktiver machte. Sie steigerten ihre Nettostromproduktion um 21,4 Prozent auf 54,1 Terawattstunden. „Trotz Brennstoffkosten von Null konnten die Braunkohlekraftwerke nicht mehr konkurrieren und es kam insbesondere in den Monaten März, Juni und Dezember zu einem Brennstoffwechsel(»fuel switch«) von Braunkohle zu Gas“, so die Analyse von Energy Charts.

Deutlich geringer waren auch die Strommengen, die ins Ausland exportiert wurden. Der Exportüberschuss ging von 48 auf 30 Terawattstunden nach der Auswertung der Daten zurück. Die größten Abnehmer waren dabei Österreich (11,7 Terawattstunden), Polen (10 Terawattstunden) und die Schweiz (6,5 Terawattstunden). Zugleich habe Deutschland 11,9 Terawattstunden Strom aus Frankreich importiert, der aber vornehmlich in die Nachbarländer weitergeleitet wurde. Energy Charts zufolge lag die durchschnittlich exportierte Leistung bei 3,4 Gigawatt, was der Leistung von drei AKWs entspricht. In 6310 Stunden habe Deutschland Strom exportiert, nur in 2450 Stunden sei importiert worden. Die Einnahmen aus dem Außenhandel beziffert das Fraunhofer ISE mit rund 1,2 Milliarden Euro.

Für die erste vorläufige Auswertung hat Energy Charts alle Stromerzeugungsdaten der Leipziger Strombörse bis zum Jahresende 2019 einbezogen. Darüber hinaus flossen die verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamts zu Erzeugung und Import/Export ein, die bislang aber nur bis einschließlich Oktober veröffentlicht sind. Für die restlichen Monate wurden die Korrekturfaktoren auf Basis von zurückliegenden Jahresdaten abgeschätzt. Die hochgerechneten Werte unterliegen größeren Toleranzen.

Die Statistik von Energy Charts bezieht sich auf die Nettostromerzeugung. Dies ist der Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt. BDEW und ZSW hatten Ende vergangenen Jahres ihre erste Schätzung für den Bruttostromverbrauch 2019 in Deutschland veröffentlicht. Dabei lag der Anteil der Erneuerbaren mit einer Erzeugung von rund 244 Terawattstunden bei 43 Prozent.

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