Gewaltiger Erfolg der Photovoltaik in 20 Jahren EEG

Blog von Karl-Heinz Remmers und Carsten Pfeiffer

20 Jahre EEG. Das ist für viele ein Grund zum Feiern, für die Gegner ein Grund zum Fluchen. Egal, wie die jeweilige Einschätzung des EEGs aussieht: Der Erfolg des EEGs ist bei der Photovoltaik ist gewaltig und wird die Welt für immer zum Guten verändern: Solarstrom ist bereits jetzt die billigste Energiequelle der Welt und massenverfügbar. Gemeinsamer Blog von Karl-Heinz Remmers, Neue Energiewelt, und Carsten Pfeiffer, vor 20 Jahren im Abgeordnetenbüro Hans-Josef Fell MdB (gemeinsam mit Hermann Scheer Initiator des EEG) an der Entstehung des EEG aktiv beteiligt, heute Leiter Strategie und Politik des  Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft BNE.

Feuerwerk des EEG Erfolgs: Deutschland hat der Welt die Photovoltaik gebracht

  • EINS Aus einem “Abfallempfänger” der globalen Chipindustrie ist eine eigene, starke Solar- Silizium- Produktion geworden, bei der das deutsche Unternehmen Wacker noch immer die Nummer zwei der Welt ist.
  • ZWEI Ein Standardmodul/ „Arbeitspferd” hatte im Jahr 2000 130 Wp/qm (beste Werte), im Jahr 2020 sind wir bei 200 Wp/qm – dabei stieg die Leistung pro Moduleinheit von rund 80W auf 320Wp. Es gibt sogar schon – von der Fläche etwas größere- Spitzenmodule mit 500 Wp auf dem Markt.
  • DREI Die Wechselrichtereffizienz hat sich von 80% auf 99% erhört, somit ist der Ertrag pro kWp um mehr als 20% gestiegen.
  • VIER Durch die Weiterentwicklung der Leistungselektronik in den Anlagen ist es heute möglich, auch Anlagen mit Verschattungen z.B. im Winterhalbjahr aktiv zu planen. Dies führt zu einer zwei- bis zuweilen dreifachen Flächeneffizienz bei Freiland- oder Flachdachanlagen verglichen mit dem Stand von vor 20 Jahren.
  • FÜNF Die Kosten pro kWp Leistung einer PV- Anlage sind von über12.000 Euro Ende der neunziger Jahre auf “ab 500 Euro/kWp in großen Megawattanlagen” gefallen.
  • SECHS Die Preise pro kWh Solarstrom fielen von über50 Cent/kWh für die im Jahr 2000 alle kleinen Anlagen auf Einstiegspreise in Megawattanlagen von 1,5 Cent/kWh (Dubai) und unter 4 Cent/kWh in Deutschland gefallen.
  • SIEBEN Der Weltmarkt ist aufgrund des deutschen. EEGs von ca. 500 MW im Jahr 2000 auf über 123 GW in 2019 gestiegen. Die Produktionskapazitäten werden weiterhin massiv ausgebaut, so dass wir in 2021 schon bei über 200 GW „state of the Art“ Produktionskapazitäten liegen werden. Auch 500 GW Zubau/Jahr sind in diesem Jahrzehnt zu erwarten, das wäre dann das Tausendfache des Zubaus des Jahres 2000.
  • ACHT Dank der von Deutschland billig gekauften Photovoltaik haben bereits jetzt über 100 Millionen Menschen erstmals bezahlbaren und verlässlichen Zugang zu Elektrizität. Die Lebensumstände dieser Menschen verbessern sich dadurch erheblich und der Ausbau der dezentralen Solaranla-gen beschleunigt sich weiter.

Aus 100 Megawatt werden 10.000 bei niedrigsten Kosten

Die maximal 100 MWp, die am 01.01.2021 aus der EEG- Vergütung fallen , schaffen in der Umlage den Raum für bis zu 10 GW an neuen Freilandanlagen (gleitende Marktprämie) – wenn das kein großer Erfolg eines Gesetzes ist. Solarstrom aus Photovoltaik-Freiflächenanlagen kostet deutlich weniger als Strom aus KWK-Anlagen, was jüngst Berechnungen des bne gezeigt haben. Strom aus neuen Kernkraftwerken kostet ein Vielfaches, wie man in Großbritannien oder Frankreich sehen kann.

Da Solarstrom inzwischen deutlich günstiger ist als Kohlestrom, werden in einigen Ländern die Kohlekraftwerksausbaupläne reduziert, bestehende Kohlekraftwerke laufen seltener. In einigen Ländern werden bereits überhaupt keine Kohlekraftwerke mehr zugebaut, da sie sich nicht mehr rechnen. Solarstrom entwickelt sich damit zu der wichtigsten Klimaschutztechnologie überhaupt. Der Erfolg fiel keineswegs vom Himmel, er war hart umkämpft, vor allem aber beruhte er auf wichtigen strategischen Annahmen, aus denen sich einiges lernen lässt.

Lessons learned statt EEG-Nostalgie – Was waren die entscheidenden Grundlagen für den Erfolg, aus denen sich lernen lässt?

Die Ausgangslage für Erneuerbare Energien war im Jahr 1999 denkbar schlecht. Der noch unter der Regierung Kohl frisch geschaffene Energiemarkt bot keine Anreize für Erneuerbare Energien. Eine Internalisierung der CO2-Kosten gab es nicht, nicht einmal einen schwachen Emissionshandel. Das Stromeinspeisungsgesetz war doppelt gedeckelt und der für das Stromeinspeisungsgesetz zuständige neue Wirtschaftsminister Werner Müller hielt wie sein Ministerium nichts von der Energiewende und Erneuerbaren Energien. Letztere waren zudem vergleichsweise teuer, was insbesondere für die Photovoltaik zutraf, deren Kosten damals bei über 80 Cent lagen. Die hohen Kosten wurden auch von vielen Wirtschaftspolitikern der SPD kritisch beäugt, welche wiederum zum Teil Freunde der Kohle waren. Wie es gelang, trotz dieser schwierigen Ausgangslage ein funktionierendes EEG zu entwerfen und politisch umzusetzen, ist eine spannende Geschichte für sich.

An dieser Stelle soll lediglich herausgestellt werden, dass es aus Sicht der Erneuerbaren-Freunde in den damaligen Regierungsfraktionen SPD und Grüne entscheidend war, technologiespezifische Märkte zu schaffen, die eine Massenproduktion anregen sollten, um eine Kostenspirale nach unten zu bewirken. Das bis dahin geltende Stromeinspeisungsgesetz hatte zuvor bereits bei der Windenergie eine solche Dynamik entfaltet, welche fortgesetzt werden sollte.

Folgt: Die strategische Überlegung