Norwegische Studie warnt vor unaufhaltbarer Erwärmung durch tauende Permafrostböden

Forscher widersprechen

Eine Studie von Forschern der Norwegian Business School (“Cutting emissions may not be enough to stop global warming”) kommt zu dem Schluss, dass die Permafrostböden auch bei sofortigem Stopp menschengemachter Treibhausgas-Emissionen immer weiter auftauen werde und dadurch die globale Erwärmung bis 2500 um drei Grad ansteigen könnte. Demnach würde immer mehr Methan und CO2 aus den einst gefrorenen Böden entweichen. Zusammen mit mehr Wasserdampf in der Luft und weniger Eisflächen, die Sonnenstrahlung ins All zurückwerfen, würde damit die Erderhitzung ungebremst angetrieben. Führende Wissenschaftler kritisieren die Studie und appellieren, die menschengemachten Treibhausgasemissionen schnellstmöglich zu senken. Manuel Först beschreibt am 17.11.2020  für energiezukunft die diesbezügliche Kontroverse der Wissenschaftler.

Laut den Autoren der Studie hätten die menschengemachten Treibhausgasemissionen schon zwischen 1960 und 1970 enden müssen, um diesen Kipppunkt zu vermeiden und damit die globale Erwärmung auf bis zu drei Grad. Nur mit großflächiger CO2-Abscheidung könnte nun dieser Entwicklung entgegengewirkt werden, und zwar in einer Größenordnung von 33 Gigatonnen pro Jahr. Zum Vergleich: 2019 wurden weltweit 36,7 Gigatonnen in die Atmosphäre emittiert.

Stark vereinfachtes Modell

Doch mehrere Klimaforscher widersprechen der Studie und sehen beim Permafrost einen solch beschrieben Kipppunkt im Erdklimasystem wahrscheinlich noch nicht erreicht. Stefan Hagemann vom Helmholtz-Zentrum in Geesthacht etwa kritisiert, dass mit einem sehr vereinfachten Klimamodell gearbeitet wurde, das eine nicht nachweisbare und zu hohe Klimasensitivität annimmt. So werde laut den Autoren der beschriebene Kipppunkt bereits bei 0,5 Grad globaler Erwärmung in Gang gesetzt. Keine Klimastudie in der Vergangenheit nehme jedoch eine solch hohe Klimasensitivität an.

Neben Hagemann kritisiert auch

Helge Goessling vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung den beschriebenen Albedo-Effekt der Studie. Dieser sei in der Studie auf eine globale Größe vereinfacht. Doch das Albedo-Verhalten – das Reflektieren von Sonnenstrahlen zurück in die Atmosphäre – ist sehr heterogen, je nach Beschaffenheit der Erdoberfläche. Dass durch den Rückgang von Eisflächen der Albedo-Effekt im globalen Mittel abnimmt und dies zur globalen Erwärmung beiträgt, ist hingegen unstrittig.

Die menschengemachten Treibhausgasemissionen schnellstmöglich senken

Auch in weiteren Punkten stößt die Studie in der Fachwelt auf Kritik. Goessling erklärt: „Ich habe den Eindruck, dass bei dieser Studie der Peer-Review-Prozess nicht in ausreichendem Maße gegriffen hat.“ Er fordert, weiter darauf zu setzen „die menschgemachten Treibhausgasemissionen schnellstmöglich zu senken, um die globale Erwärmung in Grenzen zu halten.“

Holger Kantz vom Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme fügt neben Kritik an der Studie jedoch auch hinzu, dass die Studie trotzdem nicht wertlos sei und zu einer Überprüfung komplexerer Modelle führen könne. Hans Schipper vom Karlsruher Institut für Technologie erklärt: „Die Studie zeigt, dass es wichtig ist, auch die klimatischen Entwicklungen über das Jahr 2100 hinaus zu betrachten, weil sie uns zeigen, wie wir aktuell handeln müssen.“ mf

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