Der deutsche Speichermarkt läuft heiß. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Höchstwert registriert: Im März 2026 kam fast eine Gigawattstunde Batteriekapazität hinzu.
Dieser Boom wird vom Markt getragen, nicht von einer staatlichen Strategie.

Deutschlands größter Batteriespeicher entsteht in Förderstedt in Sachsen-Anhalt: 716 MWh. Im Gegensatz zu den neuen Gaskraftwerken finanziert ohne Umlage auf die Stromrechnung. Bild: ecostor
Das liegt daran, dass Batteriespeicher inzwischen billiger als Gaskraftwerke sind. Sie lassen sich schneller bauen, und trotzdem setzt die Bundesregierung mit dem aktuellen Ausschreibungsdesign weiterhin vor allem auf Gas.
Wie stark der Markt zieht, zeigt das Projekt in Förderstedt bei Staßfurt. Dort entsteht derzeit Deutschlands größter Batteriespeicher. Seit Ende April rollen die Transporte und bis Ende Juni sollen rund 300 vormontierte Batteriesysteme angeliefert sein. Am Ende stehen hier 716 Megawattstunden Kapazität und über 600.000 Batteriezellen. Betreiber ist die Eco Power Three GmbH. Das Projekt wird nicht vom Staat, sondern von der Santander Bank und der NORD/LB finanziert.
Insgesamt sind in Deutschland inzwischen über 27 Gigawattstunden Speicher installiert, verteilt auf 2,4 Millionen Anlagen. Den Großteil davon machen weiterhin Heimspeicher aus. Doch die Großspeicher holen auf. Ihre Kapazität wuchs im Jahr 2025 um 60 Prozent und die Projektpipeline für dieses Jahr ist prall gefüllt. Der Antrieb kommt aus dem Markt. Wer Strom speichert, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn abends verkauft, wenn er knapp wird, kann die Preisdifferenz nutzen. Speicher rechnen sich auch ohne Subventionen.
Die Politik setzt dennoch auf andere Lösungen. Im Mai brachte das Kabinett die Kraftwerksstrategie auf den Weg: Rund neun Gigawatt neue, steuerbare Reservekapazität – in der Sache etwa zwanzig große Gaskraftwerke – sollen für mindestens 15 Jahre gebunden werden und werden über eine Umlage auf die Stromrechnung finanziert. Erst ab 2045 sollen die Anlagen klimaneutral laufen.
Der Haken liegt im Kleingedruckten. Wer mitbieten will, muss zehn Stunden am Stück volle Leistung liefern. Ein Kriterium, das auf Gas zugeschnitten ist und Batteriespeicher praktisch ausschließt. Erst bei einer kleineren Ausschreibung im Jahr 2027 dürfen sie überhaupt antreten.
Eine Analyse des Beratungshauses LCP Delta vom April zeigt, dass es auch anders ginge. Demnach könnten Langzeit-Speicher zwei Gigawatt der geplanten Gaskraftwerke ersetzen – bei gleicher Versorgungssicherheit, aber mit 166 Millionen Euro geringeren jährlichen Subventionen. Pro Kilowatt gesicherter Leistung kostet ein Zehn-Stunden-Speicher demnach knapp ein Drittel eines vergleichbaren Gaskraftwerks. Der Widerspruch bleibt bestehen. Während Investoren Milliarden in Speicher stecken, baut der Staat parallel fossile Infrastruktur mit Jahrzehnte-Bindung. Abgeordnete, der BUND e.V. und der Energieversorger Naturstrom kritisieren diese Festlegung als planwirtschaftlich.
Quellen:
- LCP Delta: Germany’s power plant strategy
- Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien: Batteriespeicher-Markt wächst im ersten Quartal 2026 – Bundesregierung ohne Speicherstrategie
- pv-Magazin.de: Knapp eine Gigawattstunde Batteriespeicher-Kapazität im März zugebaut
- ecostor: Projekt Fördersted, Deutschlands größtes Batteriespeicherprojekt