Atom am Ende
„Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht“ – dieser Alt-Spruch scheint Leitmotiv und Handlungs-Maxime der World Nuclear Association (WNA) zu sein, sonst würde sie nicht eisern am „Narrativ eines großen Interesses vieler Länder an der Neu-Einführung von Atomkraft“ festhalten. „Die Realität sieht anders aus“, sagt das DIW-Berlin. Insgesamt seien die „Ausbaupläne von Newcomer-Ländern vernachlässigbar“. Nicht einmal der (irrige) Verweis auf die angebliche CO2-Armut der Atomenergie, mit dem Klimawandel-, Atom- und Kohle-Ausstiegsgegner (und Wiedereinstiegsbefürworter) hierzulande gerne hantieren, verfängt offenbar noch. Denn ist ist zwingend einleuchtend: Rein wirtschaftlich ist Atomenergie nicht rentabel, selbst wenn man Entsorgung und Endlagerung – und das Betriebsrisiko (das wir alle tragen – würde man die AKW versichern, käme 1 kWh Atomstrom auf bis zu 60 Euro) – wenn man all das außer Acht lässt. Und von einer Sache, die nichts abwirft, lassen Energieunternehmen, die noch selten als wohltätig bekannt geworden sind, schlicht und einfach die Finger. Die DIW-Studie fördert eine interessante Erkenntnis zutage: Länder mit Kernkraft-Ambitionen verfügen in der Regel über Demokratie- und Freiheitsdefizite. Kein Wunder, herrscht inzwischen doch Klarheit darüber, dass hinter dem Ausbau der Atomenergie immer (im Sinne von ausnahmslos) militärische Interessen stecken. Interessen, die ihre Verfolger gerne verstecken, denn sie sind nicht eben übertrieben renommee-förderlich, die sie jedenfalls offen zu vertreten sich scheuen. Ein Blick in die Geschichte lehrt zwar oft, dass die Menschen nichts aus ihr gelernt haben, wie Hegel sagte, aber Tschernobyl und Fukushima sollten reichen. Doch eines lehrt die Geschichte doch: Was sich nicht rentiert, wird Auslaufmodell.
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Wir spüren es, wissen es: Unsere Welt steht an einem Kipp-Punkt, gar an mehreren. Einerseits geht es uns so gut wie nie, andererseits zeigen sich Verwerfungen, Zerstörung und Krise, wohin wir sehen. Ob Umwelt oder Gesellschaft – scheinbar gleichzeitig sind unsere Systeme unter Stress geraten. Wir ahnen: So wie es ist, wird und kann es nicht bleiben. Wie finden wir zu einer Lebensweise, die das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschheit versöhnt? Unter anderem auf diese Frage antwortet die Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Maja Göpel in ihrem neuen Buch „
Journalisten arbeiten meist mit kurzen Fristen, teils schlägt der Rhythmus der Berichterstattung von Tweet zu Tweet. Bei Themen wie dem Klimawandel jedoch braucht es langen Atem und ruhigen Blick. Der CNN-Journalist John D. Sutter startet deshalb eine echte Langzeitrecherche: Für ein Dokumentarfilmprojekt will er bis 2050 alle fünf Jahre dieselben vier Orte besuchen und die Folgen der Erderwärmung dokumentieren. In einem Gastbeitrag für