Global Carbon Project bei COP23: 2%

Drei Jahre lang waren die globalen CO2-Emissionen (auf hohem Niveau) verblieben, und es keimte bereits die Hoffnung, die Treibhausgase könnten zu sinken beginnen – doch 2017 geht es der am 13.11.2017 im Rahmen der Bonner COP23 vorgestellten, neuen Schätzung  Global Carbon Dioxide Budget 2017 des Global Carbon Projects zufolge wieder weiter nach oben – 2% hat der internationale Forschungsverbund aus 70 Wissenschaftlern ermittelt. Vor allem China und Indien geben Anlass zur Sorge.

Störung des globalen Kohlenstoffkreislaufs durch anthropogene Aktivitäten, weltweit gemittelt für das Jahrzehnt 2007-2016 (Gt CO2/Jahr) – Grafik © Global Carbon Project

Die Ergebnisse wurden gleichzeitig in Earth System Science Data Discussions, Nature Climate Change und Environmental Research Letters veröffentlicht – Auszug aus dem Abstract in Environmental Research Letters: „Die globalen Temperaturen steigen weiter an. Die fünf wärmsten Jahre der durchschnittlichen globalen Temperaturen sind alle seit 2010 aufgetreten und 16 der 17 heißesten Jahre seit Aufzeichnung seit 2000 (NOAA 2017). Dieses Jahr ist auf dem Weg, das zweitwärmste zu werden. Die Senkung der Treibhausgasemissionen bleibt eine Priorität für industrielle und landbasierte Aktivitäten (Seneviratne et al. 2016, Huntingford und Mercado 2016). CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie machen etwa 90% des gesamten CO2-Ausstoßes aus menschlicher Tätigkeit aus. In den vergangenen drei Jahren waren diese Emissionen trotz des anhaltenden Wachstums der Weltwirtschaft stabil. Viele positive Trends trugen zu dieser einzigartigen Unterbrechung bei, darunter reduzierter Kohleverbrauch in China und anderswo, weiter steigende Energieeffizienz und ein Boom von kohlenstoffarmen Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne. Die vorübergehende Unterbrechung scheint jedoch jetzt zu Ende zu sein: Für 2017 prognostizieren die Autoren ein Emissionswachstum von 2,0% (Bereich: 0,8% – 3,0%) gegenüber dem Niveau von 2016 (schaltjahrbereinigt) und erreichen einen Rekordwert von 36,8 ± 2 Gt CO2. Konjunkturprognosen deuten auf ein weiteres Emissionswachstum 2018 hin. Die Zeit läuft langsam aus, um die globale Durchschnittstemperatur auf unter 2° C oder gar auf 1,5° C zu bringen.“

ARD-Klimaexperte Werner Eckert dazu auf tagesschau.de: „Die Wissenschaftler werten das selbst als ‚unwillkommene Botschaft‘ an die Konferenz. Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas führt zu einem Rekordausstoß von 37 Mrd. t CO2. Zusammen mit anderen Quellen werden es rund 44 sein. Um tatsächlich den Temperaturanstieg unter zwei Grad zu halten, hat die Menschheit nur noch ein CO2-Budget von 800 bis 1000 Mrd. t. Das bedeutet: Schon in etwa 20 Jahren ist beim derzeitigen Tempo die Chance vertan, den Klimawandel auf ein erträgliches Maß, nämlich maximal zwei Grad, zu beschränken.“

Ausstoß steigt vor allem in China, aber auch in Indien

Laut Global Carbon Project steigt – ebenfalls nach dreijähriger Unterbrechung – vor allem in China der Ausstoß wieder an – um 3,5 Prozent – Hauptursache für den weltweiten Anstieg, weil das Reich der Mitte inzwischen mit 28 Prozent bei weitem die meisten Klimagase emittiert. Die Emissionen Indiens werden den Schätzungen zufolge um etwa zwei Prozent zulegen – ein eher geringer Anstieg im Vergleich mit dem vergangenen Jahrzehnt, als er durchschnittlich bei sechs Prozent pro Jahr gelegen hatte.

Die US-Emissionen könnten 2017 um ca. 0,4 Prozent gesunken sein – ein deutlich geringerer Rückgang als im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts (-1,2 Prozent pro Jahr).  In der EU dürften die CO2-Emissionen in diesem Jahr nur minimal sinken. Prognostiziert ist ein Minus von 0,2 Prozent. Im Schnitt des vergangenen Jahrzehnts hatte es noch ein Minus von 2,2 Prozent pro Jahr gegeben. „Ein Teil des Problems ist, dass Deutschland bei seinen Klimazielen nicht vorankommt“, so der Spiegel.

Die Ursache für den Anstieg sehen die Autoren vor allem im schnelleren Wachstum der Weltwirtschaft, weshalb sie auch für das kommende Jahr weiter steigende Emissionen fürchten. (Weltbank und Weltwährungsfonds rechnen damit, dass die Weltwirtschaft noch deutlicher wächst). Dass Wirtschaftswachstum und Klimaschutz einander aber nicht automatisch widersprechen, zeigt eine Liste von 22 Staaten, in denen im vergangenen Jahrzehnt der Wohlstand wuchs, der Treibhausgasausstoß aber sank. Dazu gehören nach dieser Statistik die USA und viele europäische Staaten – nicht aber Deutschland.

Mehr Erneuerbare Quellen, mehr Kohle

Obwohl weltweit deutlich mehr Energie aus Erneuerbaren Quellen gewonnen wurde (+14 Prozent), stiegen durch fossile Energien verursachter Verbrauch und Emissionen deutlich. So legte die Kohle seit Jahren erstmals wieder zu, stärker noch der Öl- und Gasverbrauch. Öl könnte bei diesem Entwicklungstempo Kohle im nächsten Jahrzehnt als größte Quelle von Treibhausgasen ablösen.

Ein interessanter Aspekt: Die höheren Emissionen haben nicht zu höherer CO2-Konzentration in der Atmosphäre geführt. Das aber sei im Einklang mit den Modellen, sagen die Forscher. Das Wetterphänomen El Niño habe den Gehalt in der Luft in den vergangenen beiden Jahren überdurchschnittlich ansteigen lassen. Nachdem das abgeklungen sei, schwinge das Pendel zurück – eine natürliche Schwankung, die allerdings über die Zeit betrachtet kein Anlass zu Entwarnung sei.

Eckert zur : „Das bedeutet vor allem, dass der Menschheit noch weniger Zeit bleibt, um die Klimaziele zu erreichen – doch genau das wäre bitter nötig. Das Problem: Ohne Barack Obama fehlt der UN-Klimakonferenz eine echte Führung. Deswegen schauen viele jetzt hoffnungsvoll auf Kanzlerin Merkel.“

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