“Neues Kapitel der Energiewende”

“Jederzeit sicher versorgt”: Stromhändler in der Pflicht

Damit die Versorgung jederzeit sicher bleibe, würden auch Stromhändler “in die Pflicht genommen”. Das Strommarktgesetz verstärke ihre Anreize, Strombeschaffung und -verkauf möglichst zu synchronisieren. Das sei wichtig für die Netzstabilität. Denn zu jedem Zeitpunkt gelte, dass nur genau so viel Strom aus dem Stromnetz entnommen werden könne, wie eingespeist wird – und umgekehrt. Außerdem werde der europäische Strommarkt gestärkt. Denn die Energiewende könne nur gelingen, wenn sie europäisch gedacht werde. Deshalb steht Deutschland in einem ständigen Austausch mit unseren Nachbarländern über die Weiterentwicklung eines gemeinsamen Binnenmarktes für Strom. Zum Ausgleich von Extremsituationen werde eine neue Kapazitätsreserve geschaffen, als Sicherheitsnetz für unvorhersehbare Ereignisse strikt vom normalen Strommarkt getrennt.

Weniger Braunkohle, mehr Klimaschutz

Das Strommarktgesetz helfe auch, “unsere Klimaziele zu erreichen: Es sieht vor, dass 13 Prozent der Braunkohlekapazitäten in eine sogenannte Sicherheitsbereitschaft überführt und anschließend endgültig stillgelegt werden. Das trägt dazu bei, dass wir unsere Klimaziele im Stromsektor bis 2020 erreichen.”[note Hier hatten sich die lautesten Proteste vor der Verabschiedung erhoben: Von Bruch des Pariser Klimaabkommens war sogar die Rede. Man könne jedenfalls keine ehrgeizigen Klimaziele proklamieren und gleichzeitig den dafür dringend nötigen Ausbau der Erneuerbaren deckeln.]

Digitalisierung: ab 2017 ins intelligente Netz – sicher und Schritt für Schritt

SmartMeter von EVB Energie AG- © de.wikipedia de_J JMesserlyGesetz Nummer drei dreht sich um die Digitalisierung der Energiewende: Smart Grid, Smart Meter und Smart Home sind hierbei die Neuerungen, die eine digitale Infrastruktur ermöglichen, um mehr als 1,5 Millionen Stromerzeuger und große Verbraucher erfolgreich miteinander zu verbinden. Im Zentrum steht die Einführung intelligenter Messsysteme.

Einbau zuerst bei den Großen, dann bei den Kleinen

Los geht es 2017. Schritt für Schritt werden die Smart-Metering-Systeme bei Großverbrauchern und -erzeugern installiert. Ab 2020 folgen Privathaushalte mit einem Jahresstromverbrauch über 6.000 kWh. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Privathaushalt verbraucht mit 3.500 kWh pro Jahr deutlich weniger.

Verbraucher profitieren, so das BMWi: “Intelligente Messsysteme machen den Stromverbrauch sichtbar und helfen, bewusster mit Energie umzugehen. Eine Vor-Ort-Ablesung wird überflüssig. Zudem lassen sich sogenannte steuerbare Verbrauchseinrichtungen, also Nachtspeicherheizungen oder E-Autos, genau dann aufladen, wenn besonders viel Strom verfügbar ist. Und auch variable Stromtarife können künftig möglich sein: Je nach individuellem Tarif ist die Kilowattstunde dann mal teurer, mal preiswerter.”

Wie bei herkömmlichen Stromzählern trügen Verbraucher und Anlagenbetreiber die Kosten für Einbau und Betrieb der Geräte grundsätzlich selbst. Vorgeschrieben werde die Einführung aber nur dort, wo sich die Geräte rechneten. Strikte Preisobergrenzen bei den Geräten würden vor zu hohen Kosten schützen indem sie sich danach richteten, wie viel Einsparpotenzial durch die neuen Systeme zu erwarten ist.

Daten werden streng geschützt

Skeptiker müssen beruhigt werden: “Da durch den Einsatz von Smart Metern der Datentransfer steigt, gelten strenge Vorschriften für den Schutz und die Sicherheit der Verbraucherdaten. Damit Hacker keine Chance haben, dürfen in Deutschland nur solche Systeme eingesetzt werden, die diese strengen Anforderungen erfüllen – übrigens die anspruchsvollsten in ganz Europa.”

Das EEG 2017 tritt am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft, das Strommarktgesetz und das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende bereits im Laufe des Sommers.

Interview mit Staatssekretär Rainer Baake:

Rainer Baake, Staatssekretär © BMWi“Wir haben jetzt die verschiedenen losen Enden der Energiewende zusammengeführt”, sagte Staatssekretär Rainer Baake in einem Interview. “Die Energiewende kann jetzt in die nächste Phase gehen.”

[note Solarify hat inzwischen gemerkt: Nicht alle sind dieser Überzeugung. Mal sehen… (Siehe auch solarify.eu/energie-contra-klima)]