Energiewende International: Europäische Perspektiven

Zwei Vorträge

Alexander Bradshaw - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur HofmannMit den internationalen Aspekten der Energiewende setzten sich zwei sehr informative Vorträge im Rahmen eines Workshops des Akademienprojekts Energiesysteme der Zukunft (ESYS II) am 30.09.2016 in Berlin auseinander. Zunächst sprach Alexander Bradshaw  vom Garchinger Max-Planck-Institut für Plasmaphysik  und dem Berliner Fritz-Haber-Institut über das Thema “Energiewende international: Europäische Perspektiven”. carsten-rolle-foto-gerhard-hofmann-agentur-zukunft-fuer-solarify-20140409Ihm folgte Carsten Rolle vom Bundesverband der Industrie, Geschäftsführer des Nationalen Kommittees des Weltenergierats, mit dem Thema “Energiewende – Blaupause und Motor für europäische Kooperation”. Solarify dokumentiert.

Bradshaw, der in London studierte und in München habilitiert wurde, hatte sich vier Punkte vorgenommen:

  1. Die deutsche Energiewende im Zusammenhang mit dem Energiekonzept Bundesregierung von 2010, Fukushima und die Folgen, die Treibhausgas-Emissionen
  2. Die Energie- und Klimastrategie der Europäischen Union seit dem Vertrag von Lissabon 2007
  3. Die Bedeutung von COP21: gehen die Intended Nationally Determined Contributions – INDC (Klimaschutz-Zusagen) der EU (mindestens 40prozentige Reduktion) weit genug?
  4. Gedanken zum Thema Energiewende im europäischen Kontext

Die quantitativen Ziele der deutschen Energiewende (Energiekonzept)

Zunächst skizzierte er das Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung, in dem die deutsche Bundesregierung 2010 ihre Energiepolitik strukturiert habe – im Einzelnen sind das folgende sieben Ziele:

  • Reduktion der Treibhausgasemissionen gegenüber 1990
    – bis 2050 um 80-95%  „entsprechend der Zielformulierung der Industrieländer“. Die Teilziele:
    – bis 2020 um 40%, hier sehe es nicht so aus, als ob die Regierung das noch erreiche,
    – bis 2030 um 55%,
    – bis 2040 um 70%.
  • Anteil der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch erhöhen
    – bis 2020 auf 35%,
    – bis 2030 auf 50%, und
    – bis 2050 auf 80%.
  • Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 senken
    – bis 2020 um 20% und
    – bis 2050 um 50%.
  • Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch
    – bis 2020 auf 18%,
    – bis 2030 auf 30%,
    – bis 2040 auf 45% und
    – bis 2050 auf 60% erhöhen.
  • Stromverbrauch gegenüber 2008 verringern
    – bis 2020 um 10% und
    – bis 2050 um 25%.
  • Sanierungsrate für Gebäude von damals jährlich weniger als 1% auf 2% verdoppeln.
  • Endenergieverbrauch im Verkehrsbereich gegenüber 2005 reduzieren
    – bis 2020 um rund 10% und
    – bis 2050 um rund 40% .

2011 seien dann infolge der Reaktorkatastrophe von Fukushima sieben Kernkraftwerke sofort abgeschaltet worden, und im Rahmen des eingeleiteten Atomausstiegs werden bis 2022 die restlichen neun KKW stufenweise stillgelegt.

Folgt: Treibhausgasemissionen in Deutschland (ohne LULUCF) 1990 – 2015