Weniger China, mehr Pforzheim: Magnete aus Magneten

China beschränkt den Export seltener Erden seit 2025. In Pforzheim ist Ende April eine der ersten kommerziellen EU-Anlagen in Betrieb gegangen, die Seltenerdmagnete aus Schrott zurückgewinnt – ohne neuen Bergbau

Banddurchschneidung in Pforzheim, 28. April 2026: HyProMag eröffnet die erste EU-Anlage, die Neodym-Magnete aus Schrott zu neuen Magneten ? verarbeitet — ohne Bergbau, ohne China, aber noch ohne Antwort auf die Frage, woher der Schrott für die nächste Ausbaustufe kommen soll.

Eröffnung in Pforzheim: HyProMag startet eine kommerzielle Anlage, die Neodym-Magnete per Wasserstoff direkt aus Schrott zu neuem Magnetmaterial verarbeitet. Foto: STEINBEIS EUROPA ZENTRUM

Die Anlage gilt als wichtiger Meilenstein im europäischen Magnetrecycling. Betreiberin ist die HyProMag GmbH, eine Ausgründung der Universität Birmingham. In den industriellen Maßstab hat sie das Projekt gemeinsam mit dem Steinbeis-Europa-Zentrum und der Hochschule Pforzheim gebracht. Der Aufbau wurde vom EFRE-Fonds, dem Land Baden-Württemberg und UK Research and Innovation gefördert. Das Werk ist in das Horizon-Europe-Projekt REEsilience eingebettet, an dem 18 Partner aus mehreren EU-Staaten beteiligt sind. Ein baugleiches Schwesterwerk im britischen Tyseley Energy Park wurde im Januar 2026 eröffnet.

Worum es geht, lässt sich in einer Stoffgruppe zusammenfassen: Neodym-Eisen-Bor, kurz NdFeB. Diese Permanentmagnete sind der Kern von Generatoren in Windturbinen und Antriebsmotoren in Elektroautos. Ohne sie gäbe es kein Magnetfeld, keinen Strom und keine Bewegung. China dominiert sowohl die Förderung seltener Erden als auch die Verarbeitung und Magnetfertigung; die EU ist bei Seltenerdmagneten stark abhängig von chinesischen Lieferungen. Obwohl Peking die Exportkontrollen verschärft ist Europa bei Magneten weiterhin stark von Importen aus China abhängig und produziert nur kleine Mengen selbst.
In der Pforzheimer Halle stehen Reaktoren, in denen das HPMS-Verfahren (Hydrogen Processing of Magnet Scrap) abläuft. Darin werden alte Magnete aus geschredderten Festplatten, ausrangierten Antriebsmotoren oder demontierten Lautsprechern in einer Wasserstoffatmosphäre erhitzt. Der Wasserstoff dringt ein und die spröden Magnete zerfallen zu einem feinen, dunkelgrauen Pulver. Dieses Pulver lässt sich direkt zu neuen Magnetblöcken pressen, ohne dass die Legierung aufgeschmolzen oder neu zusammengesetzt werden muss. Das unterscheidet das Verfahren von klassischen Recyclingwegen, bei denen das Material meist zunächst in seine Bestandteile zerlegt werden muss.

Patentiert wurde das HPMS-Verfahren an der Universität Birmingham. Laut HyProMag verursacht das Verfahren rund 90 Prozent weniger CO2 als die Herstellung von Magneten aus primären Rohstoffen. Die Anlage in Pforzheim startet 2026 mit einer Jahresproduktion von etwa 50 Tonnen, soll 2027 auf 350 Tonnen wachsen und ist für eine Jahresproduktion von 750 Tonnen genehmigt.
Das ist viel für eine Pilot- und Anlaufphase, im europäischen Maßstab aber noch wenig. Der Critical Raw Materials Act der EU setzt bis 2030 höhere Zielwerte für Gewinnung, Verarbeitung und Recycling strategischer Rohstoffe. 10 Prozent sollen in der EU gefördert, 40 Prozent verarbeitet und 25 Prozent recycelt werden; außerdem soll höchstens 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs aus einem einzelnen Drittland stammen. Die Pforzheimer Anlage zeigt, dass die Technologie funktioniert. Sie macht aber auch deutlich, wie abhängig wir noch sind und wie schmal die Basis ist, von der aus Europa seine Magnetversorgung aufbauen will.

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