Kreislauf-Metapher verhindert, dass Müllberge schwinden

Heike Weber über die Ideengeschichte einer zirkulären Wirtschaft als „ewiges Heilsversprechen“

Obwohl dem Recycling und der Kreislaufwirtschaft im Zusammenhang mit Ressourcenschutz, Nachhaltigkeit und der Eindämmung der Erderwärmung eine immense Bedeutung beigemessen wird, bleibt der Ressourcenverbrauch trotz Jahrzehnten des Recyclings hoch und sind die Müllberge nicht kleiner geworden. Die WissenschaftlerInnen der Beliner Forschungsnachwuchsgruppe „PuR – Mit Precycling zu mehr Ressourceneffizienz. Systemische Lösungen der Verpackungsvermeidung“ um Prof. Dr. Heike Weber (TU) schreiben, dass sich allein in Deutschland die Menge an Kunststoffverpackungsabfällen in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt habe (07.07.2023). weiterlesen…

ECT-Schiedsgerichte vor dem Aus

EU-Kommission schlägt gemeinsamen Austritt aus Energiecharta-Vertrag vor

Die EU-Kommission hat am 06.07.2023 ihre Mitgliedsstaaten offiziell aufgefordert, gemeinsam aus dem Energiecharta-Vertrag (ECT) auszutreten. Dies ist eine Reaktion auf das Scheitern des zweijährigen Versuchs, das Abkommen zu modernisieren. Europaweit wurde für einen Austritt aus dem Vertrag demonstriert, den etliche Mitgliedsländer für sich bereits vollzogen haben. Das Umweltinstitut München bewertet den geplanten Austritt aus dem ECT als einen bedeutsamen Erfolg für die internationale Klimapolitik. (Titel: Energiecharta-Vertrag (ECT) – © energycharter.org.fileadmin) weiterlesen…

Hitzetod –

„Fast 50 Grad Celsius in Mexiko“, „China ruft Hitzewarnung für Peking aus“, „Vor Monsun: Fast 100 Hitzetote im Norden Indiens“ – Schlagzeilen eines einzigen Tages Anfang Juli. Wenn die Temperatur des menschlichen Körpers 42 Grad überschreitet, stirbt er. Bei der Umwelt, der Natur, lässt uns das kalt – oder, treffender formuliert, sind Geschäfte und Gewinne wichtiger. Das rücksichtslose Gewinnstreben nennt man „Gier“. Sie ist eine uns im Wortsinn beherrschende Eigenschaft.

In einigen wenigen Ländern wie in Bhutan ist das Bruttonationalglück entscheidende Größe. Schon vor 300 Jahren verkündeten die Oberen des vereinigten Bhutan: „Wenn die Regierung keine Freude für das Volk erzeugen kann, dann gibt es für sie keine Existenzberechtigung.“ In den 70er Jahren erklärte der vierte König Jigme Singye Wangchuck schließlich das Bruttonationalglück zum wichtigen Faktor, der über dem Bruttosozialproduktes stehe. Seit dieser Aussage orientieren sich Entwicklungspläne und Politik in Richtung individuelles Glück der Menschen. Klare Regeln für Wirtschaft, Gesundheit, Förderung für Umweltschutz, Historisches und Bildung wurden verfasst. 2008 verankerte man sogar dieses Streben nach dem Bruttonationalglück in der Verfassung Bhutans. Das Ziel lautete ambitioniert: Die Menschen von Bhutan sollen zu den glücklichsten der Welt gehören.

Erstaunlicherweise gibt es keine offizielle Definition des Bruttonationalglücks. Besonders häufig ist aber die folgende Beschreibung: „Das Bruttosozialglück steht für die Idee, dass das Weiterkommen einer nachhaltig zusammenwachsenden Gesellschaft davon abhängt, ob eine Balance zwischen materiellem und emotionalem Wohlbefinden besteht. Ein ganzheitliches Zusammenspiel von spirituellen und kulturellen ebenso wie materiellen Inspirationsquellen fördert die positive Entwicklung der Menschen, die sich als Teil der Gesellschaft geschätzt und wahrgenommen fühlen. Dies macht die Qualität einer geistig gesunden Gesellschaft und dadurch auch starken Nation aus.“

Mit der westlichen Gier verträgt sich diese Auffassung nicht sonderlich. Sie sollte uns dennoch zu denken geben. Verzicht auf Luxus etwa kann glücklich machen…
-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Mit Ackerwildkräutern mehr Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen

Projekt entwickelt Praxisstandards zur Wiederansiedlung von Wildkräutern

Acker-Hahnenfuß, Acker-Wachtelweizen oder Sand-Mohn – Ackerwildkräuter leisten einen großen Beitrag zur biologischen Vielfalt der Agrarlandschaften. Im Projekt „Lebensfelder Praxisstandards zur Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern“ entwickeln die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und die Bayerische KulturLandStiftung ein Regelwerk für das Sammeln, Vermehren und Ansiedeln von Ackerwildkräutern. Diese einheitlichen Praxisstandards für landwirtschaftliche und saatgutvermehrende Betriebe sowie für Naturschutz-Akteure liefern die Grundlage, um eine artenreiche Flora in Deutschland großflächig wiederherzustellen. weiterlesen…

Baustoff-Recycling soll bundeseinheitlich geregelt werden

Am 01.08.2023 tritt Ersatzbaustoffverordnung in Kraft

Die Bundesregierung hat den Bauausschuss des Bundestages am 05.07-2023 über die neuen Anforderungen an die Herstellung und den Einsatz von Baustoffrecycling-Material durch die zum 01.08.2023 in Kraft tretende Ersatzbaustoffverordnung und weiterer Verordnungen der sogenannten Mantelverordnung informiert. Von Interesse waren – so der parlamentseigene Pressedienst heute im bundestag – dabei die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Praxis von mittelständischen Unternehmen der Bau- und Baustoffwirtschaft. Wie es im dazu vorgelegten Bericht des Bauministeriums heißt, wurden die Herstellung und der Einsatz von mineralischen Ersatzbaustoffen bislang von den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt, sodass Hersteller, Bauherren, ausschreibende Stellen und Behörden viele unterschiedliche Regelungen beachten mussten. weiterlesen…

Biogas im Tank: CO2-freie Fahrt für ÖPNV und Schwerlastverkehr

Bio-LNG kann CO2-Bilanz um mehr als 65 % verringern oder gar negativ werden lassen

Biomethan aus landwirtschaftlichen Reststoffen ist in großen Mengen verfügbar, die Infrastruktur steht und es eignet sich besonders als Treibstoff für Lkw, Busse, Bau- und Landmaschinen – also für Fahrzeuge, bei denen die Elektromobilität nur schwer Einzug hält. Von allen Erneuerbaren Kraftstoffen weist Biomethan die beste Treibhausgasbilanz auf. Wird es aus Gülle produziert, ist seine CO2-Bilanz sogar negativ, weil Emissionen vermieden werden, die bei der Lagerung und Ausbringung von unbehandelter Gülle entstehen. Welche Methoden das beste Ergebnis erzielen, testen derzeit die Universität Hohenheim in Stuttgart, das KIT in Karlsruhe sowie weitere Projektbeteiligte aus Industrie und Praxis. Der erste Linienbus mit Biomethan rollt bereits auf der schwäbischen Alb und in der Region Ravensburg. weiterlesen…

SPRIND sucht neue Bioproduktionsverfahren

Herausforderung „Circular Biomanufacturing“

Mit der Challenge „Circular Biomanufacturing“ sucht die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND Teams, die neue Bioproduktionsverfahren entwickeln, um kohlenstoffhaltige Abfallströmen aufzuarbeiten und direkt in neue Produkte umzuwandeln. SPRIND sucht nach neuen Verfahren, um kohlenstoffhaltige Abfälle direkt in neue Produkte umzuwandeln. Die Challenge „Circular Biomanufacturing“ soll Kreislaufwirtschaft verwirklichen helfen. weiterlesen…

Gebäudeenergiegesetz in der Kritik

GEG-Entwurf „untergräbt“ Kreislaufwirtschaft

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) hat sich gemeinsam mit dem Versorgungsunternehmen ALBA in einer fachlichen Stellungnahme deutlich für Änderungen am Gebäudeenergiegesetz (GEG) ausgesprochen. Denn laut GEG-Entwurf müssten beim Einbau einer neuen Heizungsanlage entweder 65 % Erneuerbare Energien oder 65 % unvermeidbare Abwärme verwandt werden. Die im Gesetzentwurf neu definierte „unvermeidbare Abwärme“ aus Müllverbrennungsanlagen wird damit Erneuerbaren Energien gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung diene weder dem angestrebten Ziel der Klimaneutralität, noch sei die Regelung mit geltendem europäischen und deutschen Recht vereinbar. Infolge des Spruchs des Verfassungsgerichts kommt das Gesetz aber erst im September in den Bundestag. weiterlesen…

Erneuerbare Energien erreichen Rekordanteil: 57,7 Prozent

ISE hat Zahlen der Nettostromerzeugung im 1. Halbjahr 2023

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat am 03.07.2023 Daten zur öffentlichen Nettostromerzeugung für das erste Halbjahr 2023 bekannt gegeben, die aus der Datenplattform Energy-Charts hervorgehen. Mit einem Anteil von 57,7 Prozent an der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromversorgung – also dem Strommix, der aus der Steckdose kommt – lag die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien deutlich über dem Vorjahr (51,8 Prozent). Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch lag bei 55,5 Prozent. Solar- und Windenergieanlagen speisten gemeinsam 97 Terawattstunden (TWh) in das öffentliche Netz ein, gegenüber 99 TWh im ersten Halbjahr 2022. Die Stromproduktion aus Braunkohle (- 21 Prozent), Steinkohle (- 23 Prozent), Erdgas (-4 Prozent) und Kernenergie (- 57 Prozent) ging dagegen zurück. weiterlesen…

Neuer Ansatz zur Wasserspaltung

Photokatalytisches Verfahren ermöglicht Aktivierung des Wassers

Wasserstoff (H2) gilt als ein Energieträger der Zukunft –  wenn er klimafreundlich hergestellt wird. Auch für die Herstellung von Wirkstoffen und anderen bedeutsamen Substanzen kann Wasserstoff wichtig sein. Zur Gewinnung von Wasserstoff lässt sich Wasser (H2O) durch eine Folge chemischer Prozesse in Wasserstoffgasumwandeln. Da die Wassermoleküle jedoch sehr stabil sind, bedeutet ihre Spaltung in Wasserstoff und Sauerstoff eine große Herausforderung für die Chemie – dieser wurde an der Uni Münster auf neuem Wege begegnet. weiterlesen…