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Archiv: Abgasskandal


„Kapitulation vor der Autoindustrie“ – Polizeigewerkschaft: Fahrverbote nicht zu kontrollieren

Informationen des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung zufolge will eine Expertenkommission des Verkehrsministeriums (BMVI) die nötigen Hardware-Nachrüstungen älterer Diesel-Motoren mit Steuergeldern fördern. In einem den beiden Medien vorliegenden Kommissionspapier heißt es, das Kraftfahrtbundesamt könne die Autobauer nur zu einer solchen Maßnahme verpflichten (obwohl sie die Verantwortlichen sind), „sofern das Vorhandensein einer unzulässigen Abschalteinrichtung hinreichend nachgewiesen ist“. Deswegen überlegen die Experten jetzt, ob „öffentliche Mittel“ eingesetzt werden können. „Umweltpolitiker sind entsetzt. Dem nationalen Diesel-Gipfel droht der nächste Eklat,“ so die SZ.

Abgasversuche auch an Menschen


Autokonzerne verbrämten zynische Lobbyarbeit wissenschaftlich

Einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zufolge hat der von großen Autmobilunternehmen finanzierte Verein „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT, 2007-2017) neben den Experimenten mit Affen (siehe: solarify.eu/nyt-zu-tricks-der-diesel-leugner-autoindustrie-hat-ruf-ruiniert) auch einen Versuch an Menschen finanziert. Daimler ging inzwischen voll auf Distanz, Volkswagen teilweise – von BMW und Bosch fehlen Stellungnahmen.


10 Affen und ein Käfer: Aus dem Inneren der VW-Kampagne pro ‚Clean Diesel'“

Volkswagen hat sich im Rahmen des globalen Emissionsskandals bereits des in den Vereinigten Staaten begangenen Betrugs und der Verabredung dazu („federal fraud and conspiracy“) für schuldig bekannt, und mehr als 26 Milliarden Dollar (€ 21 Mrd.) Bußgelder gezahlt. VW gab zu, Software installiert zu haben (siehe zahlreiche Berichte auf Solarify), um die Abgastests zu täuschen. Aber VW und andere europäische Autohersteller waren darüber hinaus auch an langen, gut finanzierten Aktivitäten beteiligt, akademische Forschung zu produzieren, von der sie hofften, dass sie die politische Debatte beeinflussen und die Steuerprivilegien für Dieselkraftstoff erhalten würde. Ein Bericht von Wirtschaftskorrespondent Jack Ewing, Frankfurt, in der New York Times (25.01.2018) und weitere Informationen.


Handfeste ökonomische Motive

Der VW-Boss nahm den Zug. Von Hannover nach Berlin sei „die Bahn das beste Verkehrsmittel“ – dass sie auch das umweltfreundlichste ist, verschwieg er. Der bisher beinharte Diesel-Verteidiger überraschte im Handelsblatt mit einem unerwarteten Vorstoß: Das Dieselprivileg könne fallen, allerdings „schrittweise“- Überschrift: „Dieser Wahnsinn ist vorbei“. Immerhin hat die Regierung seit der Wiedervereinigung dank des billigeren Diesel 160 Milliarden Euro weniger an Steuern eingenommen. Dabei ist schon lange klar, dass Selbstzünder mitnichten umweltfreundlicher sind als Benziner.


Deutsche Umwelthilfe fordert Ende für Fahrzeuge mit hohem CO2– bzw. Stickoxid-Ausstoß

Die Umtausch- bzw. „Umweltprämie“ belohnt besonders den Kauf großer Diesel-SUVs und spritschluckender Pkw. Einer DUH-Medienmitteilung vom 20.09.2017 zufolge zeigen Abgasmessungen an mit „Umweltprämien“ beworbenen Pkw-Modellen bis zu 13-fach höhere Stickoxid-Emissionen auf der Straße als im Prüflabor erlaubt. Kein einziger der aktuell mit Umtausch- bzw. „Umweltprämie“ beworbenen Diesel-Pkw erfülle die aktuelle Abgasnorm Euro 6d.


MCC-Studie belegt Notwendigkeit

Als Reaktion auf den Dieselskandal sollten die Steuervorteile des Diesels innerhalb der Europäischen Union (EU) komplett gestrichen werden, zumal eine aktuelle Studie der Dach-NGO Transport & Environment den CO2-Vorteil des Diesel als Märchen entlarvt hat (siehe unten: solarify.eu/diesel-stossen-mehr-co2-aus-als-benziner). Denn eine neue MCC-Studie zeigt: Dieselfahrer sind deutlich preissensibler als gedacht. Ohne die Steuervorteile würden sie etwa 14 Prozent weniger Kraftstoff tanken – in der Folge würden CO2– und Stickoxid-Emissionen um zehn Prozent sinken.


DUH: Nach zwei Jahren Dieselgate und zehn Jahren Abgasbetrug präsentieren Autokonzerne vor allem schmutzige Diesel-SUVs – BUND sucht vergeblich saubere Diesel auf IAA – Greenpeace mit Husten-Performance für Bundeskanzlerin

Mit einem 15 Meter langen Diesel-Pkw Modell und dem Slogan „Diesel-Abgase töten“ demonstrierte die Deutsche Umwelthilfe am 14.09.2017 am Haupteingang der IAA für „Saubere Luft in unseren Städten“ und ehrliche Spritverbrauchsangaben. Einer Recherche des BUND zufolge sind die „von den Autoherstellern vielbeschworenen Diesel der neuesten Abgasnorm Euro 6d auf der diesjährigen IAA nicht präsent“. 100 Greenpeace-Aktivisten demonstrierten mit einer Performance beim Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der IAA für den Schutz vor gesundheitsschädlichen Dieselabgasen.


Untersuchungsdesign nicht zugunsten der Autoschmiede, sondern „entsprechend den gesetzlichen Regelungen“

Wie der parlamentseigene Pressedienst heute im bundestag am 11.09.2017 meldete, will sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass nicht nur für NOx-, sondern auch für CO2-Messungen ein Testverfahren entwickelt wird, das die Emissionen im realen Fahrtbetrieb misst (die bisher laut Regierung „nicht Inhalt der europäischen Typgenehmigungsvorschriften“ sind). Das geht aus ihrer Antwort (18/13450) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/13170) hervor.


Dieselgipfel mit Kommunen sollte für saubere Luft sorgen – „missglückter Harmonieversuch“ (Spiegel)

Der Bund unterstützt die Kommunen bei der Umsetzung von Verkehrskonzepten und der Umrüstung des öffentlichen Nahverkehrs mit weiteren 500 Millionen Euro, melden Bundesregierung in einer Medienmitteilung als Ergebnis des Treffens von Vertretern der Länder und Kommunen zur Luftreinhaltung im Kanzleramt. SPD-Vizekanzler Gabriel fordert die Autobranche auf, sich an der Aufstockung zu beteiligen. Doch „Fahrverbote drohen noch immer und die Autoindustrie zieht nicht ohne Weiteres mit“ – so das Nachrichtenmagazin Spiegel.

Wissmann vor Ablösung?


Autobosse wollen angeblich VDA-Präsidenten stürzen

„Die Revolution frisst ihre Kinder“ – dem Klassiker der französischen Revolution folgend fordert der Dieselskandal sein erstes Opfer: ausgerechnet den VDA-Präsidenten. Nach mehr als zehn Jahren an der Spitze des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) steht Matthias Wissmann offenbar vor der Ablösung, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) „aus Industriekreisen“ erfahren haben will. Der Ex-Minister hatte sich zu empört gezeigt. Das soll ihm angeblich vor allem Daimler-Chef Zetsche übelgenommen haben. Die Stuttgarter Zeitung zweifelt daran.

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