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Archiv: Netzentgelte


Europäische Kommission schließt langjähriges Beihilfeverfahren wegen Netzentgeltbefreiungen ab

Die vollständige Befreiung von Netzentgelten, die Deutschland 2012 und 2013 nach dem früheren § 19 Abs. 2 S. 2 Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) großen Stromverbrauchern gewährte, verstieß aus Sicht der EU-Kommission gegen EU-Beihilferegeln, wie sie in ihrer am 28.05.2018 erlassenen “gemischten Entscheidung festlegte. Jetzt muss Deutschland die illegalen Beihilfen zurückfordern. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt das in einer Medienmitteilung allerdings so dar: “Die damaligen Reduzierungen wurden grundsätzlich beihilferechtlich genehmigt, das aktuelle System der Stromnetzentgeltverordnung bleibt unangetastet und es gibt nur sehr begrenzte Rückforderungen”.


Grüne fragen nach Folgen der Pläne von RWE und e.on

Die Bundesregierung befürchtet nicht, dass die Netzentgelte infolge der Transaktionspläne von RWE und e.on steigen werden. In ihrer Antwort (19/1681) auf eine Kleine Anfrage (19/1462) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen verweist sie auf die formalisierten Prozesse von Bundesnetzagentur und Landesregulierungsbehörden, die Monopolgewinne verhinderten.


Untersuchungen der Auswirkungen von Netztarifen auf die Stromausgaben der Haushalte und drohende Unterdeckung

Zunehmende Eigenerzeugung und Speicherung ändern den Stromverbrauch der Haushalte. Die üblichen volumetrischen Netztarife können zum Ungleichgewicht aber auch zu unproportionaler Belastung armer Familien führen. Fünf Autoren um den Österreicher Johannes Reichl untersuchten in nature energy, wie das Verständnis des Verbraucherverhaltens und der Gerätenutzung in Verbindung mit sozioökonomischen Faktoren den Regulierungsbehörden helfen kann, die Netztarife auf faire Weise an neue Gegebenheiten anzupassen. Gleichzeitig könnten aufkommende neue Energieverbrauchsstrukturen zum Absinken der Netzkosten unter die Netzentgelte führen, weshalb nach neuen Tarifen gesucht wird. In seiner Studie mit detaillierten Verbrauchsdaten der Haushalte verdeutlicht Alessandro Rubino (ebenfalls in nature energy) die potenziell unverhältnismäßigen Auswirkungen unterschiedlicher Tarife auf die Haushaltsbudgets.


Überhöhte Gebühren gefährden Vertrauen in Energiewende

Der Ökostrom-Anbieter LichtBlick kritisiert, dass Verbraucher auch weiterhin die hohen Renditen der Stromnetzbetreiber finanzieren müssen. Denn der Vorstoß der Bundesnetzagentur, die Garantiezinsen für Stromnetzbetreiber zu kürzen, wurde am 22.03.2018 vom Oberlandesgericht Düsseldorf kassiert. Das Urteil war auch vor dem Hintergrund der geplanten Bündelung der Netzgeschäfte von E.on und RWE mit Spannung erwartet worden. E.on würde damit künftig rund ein Drittel des deutschen Stromverteilnetzes kontrollieren. Die Garantierenditen sind Teil der Netzentgelte, mit durchschnittlich 287 Euro im Jahr der teuerste Posten auf der Stromrechnung eines Familienhaushaltes.


Kurzanalyse der der Netzkosten-Entwicklung – und Umlage auf Stromverbraucher

Die Netzentgelte steigen 2018 in etlichen Regionen – allerdings sehr unterschiedlich und bei geringem Stromverbrauch stärker als bei hohem. Haushalte mit unterdurchschnittlichem Stromverbrauch zahlen dadurch zum Teil deutlich mehr als Durchschnittskunden – in der bundesweiten Tendenz wird Energiesparen dadurch unattraktiver. Die Veränderungen der Netzentgelte sind das Ergebnis komplexer Verteilungsmechanismen und Regelungslücken – so das Ergebnis einer am 12.01.2018 veröffentlichten Kurzstudie im Auftrag von Agora Energiewende.